Das fast schon zu schwedische Café in Grüningen
Kanelbullar und Morotskaka
Dass ihr kleines Café im Grüninger Ortsteil Itzikon ein derartiger Erfolg wird, hätten sich Franziska von Euw und Barbara Gerber nie gedacht. Und auch nicht, wie gross die schwedische Community im Oberland ist.
Sie haben die gleichen blauen Augen, die gleiche scheinbar endlose Energie und sagen sogar oft gleichzeitig dasselbe: Die Schwestern Franziska von Euw und Barbara Gerber betreiben seit vier Jahren das Café Bryggan in Grüningen.
Obwohl dieses relativ abgelegen in der Grüninger Aussenwacht Itzikon liegt, sind die beiden nicht auf Werbung angewiesen. Das «Bryggan» ist ein weitherum bekannter Geheimtipp, im Winter muss man ohne Reservation Glück haben, um noch ein Plätzchen ergattern zu können. «Im Sommer haben wir weniger Besucher», sagt die 43-jährige von Euw.
Vor rund acht Jahren sei die Idee eines Treffpunkts für Itzikon bei ihnen entstanden. Das Haus, in dem sich das Café befindet, gehört ihren Eltern. «Früher war dies ein Stall für 600 Hühner, dann wurden hier unter anderem Schneetöffs gelagert, zuletzt Antiquitäten», sagt die 42-jährige Gerber. Als der letzte Mietvertrag auslief, fragte ihr Vater, ob er die Fläche neu ausschreiben soll oder ob die Schwestern ihren Traum nun verwirklichen wollen.
Die ganze Familie an Bord
Und sie wollten. «Obwohl wir damals beide noch kleine Kinder hatten», sagt von Euw. «Aber unser Vater war auch gerade frisch pensioniert und konnte die nötigen Umbauarbeiten anpacken.»
Schliesslich hat die ganze Familie geholfen – alle wohnen in einem Umkreis von 100 Metern. «Fränzi hat die Holzwände tapeziert, ich habe den Boden gestrichen», erzählt Barbara Gerber. Auch ihre dritte Schwester packte mit an. «Doch sie ist hauptberuflich anderweitig eingespannt.»

Die Einrichtung stammt aus den Kellern der ganzen Familie, aus Brockenhäusern, von Flohmärkten. Auch im hohen Norden, wo die Familie ein Ferienhaus besitzt, ging es auf die Suche nach passendem Mobiliar. «Unsere Eltern packten den Wohnwagen derart voll mit Möbeln, dass sie auf der Reise zurück in die Schweiz im Hotel übernachten mussten.»
Skandinavisches Flair
Die Möbel aus Schweden sind kein Zufall. Das ganze Café ist von Skandinavien inspiriert. «Dort gibt es die herzigsten Lokale, man fühlt sich sofort wie zu Hause», sagt Franziska von Euw. «So eine Käfeli-Kultur fehlt bei uns.»
Der Name des Cafés hat indes zwei Bedeutungen: «Brygga ist schwedisch und bedeutet Steg oder Brücke, aber auch Kaffee brühen.» Beides passt zum Lokal, das über eine grosse Brücke erschlossen ist. «Und wir wollen hier auch die Leute zusammenbringen.»

Die Imitation der nordischen Atmosphäre ist den beiden gelungen. Fast schon zu sehr. «Manchmal kommen Gäste und beginnen, auf Schwedisch mit uns zu sprechen, obwohl die meisten vom Team das gar nicht können», sagt Barbara Gerber. «Wir haben unterschätzt, wie gross die schwedische Community hier ist.»
Neben typisch nordischen Speisen wie Kanelbullar (Zimtschnecken), Morotskaka (Rüeblikuchen) und Kladdkaka (Schokokuchen) gibt es auch mediterrane Plättli mit Hummus und Oliven oder das Itziker Plättli mit Buureschüblig, Schinken und Käse. Ein Buffet mit Sandwiches, wechselndem Gebäck wie Mohnkuchen, Marronikuchen im Winter oder Rhabarber-Cheesecake im Sommer rundet das Angebot ab. Alles wird in der Backstube vor Ort mit Bioprodukten aus der Region hergestellt.

Viele Stammgäste kommen ins «Bryggan», alle sind per Du. «Ein älterer Herr ist fast täglich hier», sagt von Euw. «Als er mal zwei Wochen nicht mehr auftauchte, riefen wir an und fragten, ob es ihm gut gehe, was zum Glück der Fall war. Er erholte sich nur gerade von einem medizinischen Eingriff.»
Vom Rauch aufgeweckt
Doch es gab auch schwierige Zeiten. Denn die Energie der beiden ist tatsächlich nur scheinbar endlos. Zu Beginn entstand alles Essen für das Café in den privaten Küchen der Schwestern – parallel zu Familie und Beruf. Die dreifache Mutter Franziska von Euw ist medizinische Praxisangestellte, die zweifache Mutter Barbara Gerber ist gelernte Reisekauffrau.
«Ich begann eines Abends mit der Herstellung unserer Gipfeli», erzählt Franziska von Euw, «doch diese müssen immer wieder ruhen, bevor sie gebacken werden, der Prozess zieht sich in die Länge.» Darum habe sie den Küchenwecker gestellt, habe sich vor den Fernseher gesetzt und sei stündlich aufgestanden, um in der Küche den nächsten Schritt zu erledigen.
«Um drei Uhr nachts wachte ich auf, und es rauchte aus dem Ofen – ich war so müde, dass ich den Wecker nicht mehr gehört hatte.» Beide waren damals an einem Punkt angekommen, an dem sich etwas ändern musste. «Wir brauchten einfach mehr Unterstützung», sagt Barbara Gerber.
Mittlerweile ist eine ausgebildete Bäckerin zu 80 Prozent angestellt, das Team umfasst zwölf Frauen, die im Café arbeiten. Manche nur an einem Tag im Monat, andere an zwei Tagen die Woche.

Die beiden Chefinnen sind sowohl an der Front als auch in der Administration im Einsatz, ihre Mutter macht die Buchhaltung, der Vater hilft überall, wo es ihn gerade braucht. «Wir sind klar ein Familienbetrieb, ohne die Unterstützung unserer Eltern ginge es nicht.»
Aber auch mit diesem Team im Rücken bleibt für die Schwestern noch immer genug Arbeit übrig. «Der Most kommt aus unserem Obsthain, die Blumendekoration aus unserem Garten, auch die Konfi machen wir mit eigenen Früchten und Beeren», sagt Franziska von Euw.
In den Schulferien geschlossen
Ein Aufwand, der sich kaum auszahlt. «Finanziell gesehen ist das Café für uns ein Hobby», gibt Barbara Gerber zu. «Ein wunderbares, sehr arbeitsintensives Hobby.» Um mehr Umsatz zu erzielen, müssten sie bei den hochwertigen Produkten anders kalkulieren, oder die Öffnungszeiten müssten erweitert werden. Momentan ist das «Bryggan» nur am Donnerstag und Freitag am Morgen und Nachmittag sowie samstags durchgehend offen. In den Schulferien ist das Café geschlossen.
«Solange unsere Kinder in der Schule sind, werden wir daran auch nichts ändern», sagt Gerber. «Obwohl wir fast wöchentlich darauf angesprochen werden, dass es schade sei, dass wir nicht öfters offen hätten.»
Für sie stimme es, wie es jetzt sei. «Auch wenn wir uns wünschen würden, noch ein paar Tische im Aussenbereich aufstellen zu können.» Rückmeldungen aus der Nachbarschaft haben dies bisher unmöglich gemacht. Auch die Parkplatzsituation ist nicht einfach. Im Winter könne beim nahe gelegenen Botanischen Garten parkiert werden, da dieser in den kalten Monaten geschlossen sei. «Wir appellieren an alle, nicht mit dem Auto zu kommen, sondern sich einen Spaziergang oder eine Velotour zu uns zu gönnen.»
