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Zu laut oder zu gemütlich?

Jugendliche in Hittnau haben zu wenig Plätze zum Chillen

Lachen, schwatzen und Musik hören. Jugendliche verbringen gerne Zeit auf öffentlichen Plätzen. In einer Aktion machen sich nun Jugendarbeitsstellen für deren Anliegen stark.

Die Jugendarbeit Hittnau setzt sich im Rahmen der Aktion «Nimm Platz» für Jugendliche ein.

Foto: Jan Gubser

Jugendliche in Hittnau haben zu wenig Plätze zum Chillen

Zu laut oder zu gemütlich?

Lachen, schwatzen und Musik hören. Jugendliche verbringen gerne Zeit auf öffentlichen Plätzen. In einer Aktion machen sich nun Jugendarbeitsstellen für deren Anliegen stark.

Ein kleines, knallgelbes, dreirädriges Rollermobil steht am Freitag neben dem Gemeindehaus in Hittnau. Daneben ein Mitarbeiter und eine Mitarbeiterin der Jugendarbeit Hittnau. Ein paar Meter entfernt sind zwei Teenager auf dem Nachhauseweg von der Schule. «Hey. Wollt ihr einen Gratis-Eistee?», rufen die Mitarbeitenden den Mädchen zu. Nach einer kurzen Denkpause entscheiden sie sich dafür. Sie kommen mit den Jugendlichen in den Austausch, stellen Fragen und hören zu.

Einige Jugendliche, die über den Mittag beim Rollermobil vorbeischauen, kennen die Mitarbeitenden bereits. «Wir versuchen, zu den Jugendlichen eine Beziehung aufzubauen. Es geht dabei viel um Vertrauen», sagt Lara Blake-Hofer, Fachperson Jugendarbeit.

Ein dreirädriges Rollermobil steht neben dem Gemeindehaus in Hittnau.
Lara Blake-Hofer (links) und Peter Gerber von der Jugendarbeit Hittnau knüpfen zu den Jugendlichen Kontakte.

Allerdings wollen die beiden Mitarbeitenden nicht bloss mit Teenagern ins Gespräch kommen. Denn die Jugendarbeit Hittnau nimmt an der Aktion «Nimm Platz» teil. «Die Bevölkerung soll die Jugendarbeit in der Gemeinde wahrnehmen. Beispielsweise gibt es neue Anwohner, die uns noch nicht kennen», erklärt der Stellenleiter der Jugendarbeit Hittnau, Peter Gerber.

Sofas auf öffentlichen Plätzen

Hittnau ist nicht die einzige Gemeinde, in der Aktionen geplant sind. In 33 Gemeinden im Kanton finden vom 20. bis 29. Juni Aktionen statt – so auch in Grüningen, Dübendorf, Wangen-Brüttisellen, Lindau, Wetzikon, Wiesendangen und Rüti.

Ein dreirädriges Rollermobil steht neben dem Gemeindehaus in Hittnau.
An der Aktion «Nimm Platz» beteiligen sich mehrere Gemeinden.

In Rüti ist neben der Jugendarbeit am 24. und 28. Juni gar das Zürcher Jugendradio in der Fussgängerzone beim Migros präsent. Das Radio gestaltet dann vor Ort jeweils eine Sendung.

Koordiniert wird die Aktion «Nimm Platz» von einer Fachgruppe der kantonalen Stelle für Kinder- und Jugendförderung (Okaj Zürich). Als Teil der Aktionswoche statten manche Stellen für Jugendarbeit auch öffentliche Plätze mit Sofas, Stehlampen und anderen Möbeln aus. «Wir möchten auf eine spielerische Art und Weise auf die Wichtigkeit von öffentlichen Räumen für Jugendliche aufmerksam machen», sagt Claudia Schmid-Weber, Projektleiterin bei Okaj Zürich.

Jugendliche würden sich Räume und Plätze aussuchen, wo sie sich aufhalten und treffen können. Doch diese Plätze gebe es nicht überall. Dabei wären sie gerade für Teenager wichtig. «Wenn sich Jugendliche im öffentlichen Raum aufhalten, entdecken sie die soziale Vielfalt, beobachten sie und haben die Möglichkeit, mit der Gesellschaft in Kontakt zu treten.» Die Herausforderung sei dabei, dass sich auch andere an ebendiesen Orten aufhalten wollen. «Da sind also unterschiedliche Interessen da.»

Die lauten Jugendlichen in Hittnau

Auch in Hittnau ist dieser Konflikt sichtbar. Neben dem Schulhausplatz und dem Jugendtreff gehört die Migros zu den beliebten Treffpunkten der Jugendlichen. All diese Orte befinden sich im Dorfzentrum, wie der Stellenleiter der Jugendarbeit Hittnau erklärt.

Dabei komme es immer wieder zu Reklamationen seitens der Anwohnenden, die in der Umgebung wohnen. Die Lautstärke der Musik sowie das Lachen und Johlen der Jugendlichen sei dabei immer wieder Thema.

Dies bestätigen auch zwei Schülerinnen. Die beiden Teenager unterstreichen ihr Anliegen: «Wir wünschen uns Plätze, die in Hittnau besser verteilt sind.» Zwar gebe es Bänkli, Treffpunkte für Jugendliche seien dabei jedoch Mangelware. Und Gerber betont: «Die Jugendlichen brauchen einen Ort, bei dem sie sich treffen und auch mal laut sein können.»

Kein unbekanntes Phänomen

Die Situation in Hittnau widerspiegelt eine Herausforderung, wie es auch viele andere Gemeinden kennen. Jugendliche wählen Plätze, die aus ihrer Sicht zum Verweilen einladen. Dabei werden sie von anderen Menschen gerne mal als nervend empfunden.

«Oft werden die Jugendlichen von Orten weggewiesen, wenn sie stören», sagt Claudia Schmid-Weber von Okaj Zürich. «Dadurch löst man jedoch nicht das Problem, man verschiebt es nur.»

Doch, wie lassen sich solche Konflikte vermeiden? Eine Möglichkeit wäre es, Jugendliche bereits bei der Planung von öffentlichen Plätzen einzubeziehen. «Sie sollen mitgestalten dürfen und auf diese Weise Teil der Gesellschaft sein. Dafür muss man aber mit den Jugendlichen in den Dialog treten.»

In Hittnau setzt sich Peter Gerber für die Jugendlichen ein. Er führt zurzeit Gespräche mit der Gemeinde, um einen alternativen Treffpunkt zur Verfügung zu stellen. An diesem Ort sollen die Jugendlichen auch abends laut sein können. Die definitive Entscheidung steht aber noch aus.

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