Wenn man auf einmal kein Kind mehr ist
Medienwoche 2025
Plötzlich ist man 18 Jahre alt und erwachsen. Der bedeutende Geburtstag bringt viele Freiheiten, aber auch viel Verantwortung mit sich. Haben Jugendliche Angst davor? Und wie war es früher?
Autorinnen: Anisa Fazliji, Dovedi Soba, Grace Kelly Vicos, Sara Ramirez Herrera
Der «Zürcher Oberländer» hat erneut jungen Journalistinnen und Journalisten eine Tastatur in die Hand gedrückt. Im Rahmen der Medienwoche 2025 hat die Sekundarschule Bergli aus Bubikon eine Woche lang Lokaljournalismus hautnah erlebt: Die Schülerinnen und Schüler schrieben Artikel über die Themen, die sie beschäftigten. Und wer meint, dass die Auswahl beschränkt ist, hat sich getäuscht. Denn aus dem Mikrokosmos Bergli sind Artikel entstanden, die über den Pausenplatz hinausgehen – das ist einer davon.
Mit 18 ist man offiziell erwachsen. Zumindest laut Gesetz. Man kann den Führerschein machen, hat das Stimm- und Wahlrecht, darf Verträge unterschreiben, und vor allem kann man endlich ohne Aufsicht feiern.
«Ein Erwachsener muss Verantwortung übernehmen», heisst es von allen immer wieder. Es scheint, als wäre der 18. Geburtstag einer der bedeutendsten. Aber stimmt das wirklich? Oder ist 18 nur eine Zahl? Und noch am wichtigsten: Unterscheiden sich die 18-Jährigen aus einer anderen Generation von denen von heute?
Ein Alter, so besonders wie jedes andere
Je nach Interessen unterscheiden sich auch die Erwartungen. So hat auch jeder seine eigene Sicht, was es heisst, erwachsen zu werden. «Für mich ist es keine grosse Veränderung, ausser dass ich Steuern zahlen muss», sagt Lehrling Lirak, der 18 Jahre alt ist.
Andere freuen sich darüber, dass sie vieles selbständig machen können und nicht mehr um Erlaubnis bitten müssen. «Damit muss man aber auch mehr Verantwortung tragen», sagt die 18-jährige Schülerin Svenia.
Grundsätzlich machen sich die Jugendlichen in Bubikon wenig Sorgen über die Zukunft. Sie haben sogar Ratschläge: «Man muss sich keine Sorgen machen, was andere über einen denken. Schliesslich ist es nur wichtig, dass man mit sich selbst zufrieden ist.» Für viele Jugendliche bedeutet erwachsen werden lediglich arbeiten, eine Familie gründen und Steuern zahlen.
Was die ältere Generation sagt
Doch war es früher anders? Darüber kann Ruedi Müller einiges erzählen. Er lebte bis zu seiner Heirat in Hombrechtikon und nun schon seit 57 Jahren in Bubikon. Der 82-Jährige erzählt von einer Welt, in der es weder Handys gab noch Internet. Auch der Fernseher kam nach seiner Jugend.
Die Freizeitangebote hätten sich eher in Grenzen gehalten, erklärt Müller. Man traf seine Kameraden in der Schule, im Sportverein oder beim Musikensemble. «Man kannte die Menschen aus dem Dorf, vielleicht auch aus dem Nachbardorf. Die Jugendlichen von heute kennen aber durch das Internet Menschen aus der ganzen Welt.»
Doch werten will er dies nicht. «Viele sagen, dass früher alles besser war. Das war es definitiv nicht. Es war einfach anders», so Müller.
«Wir waren früher genauso schlimm»
Müller hegte die gleichen Gefühle gegenüber dem Erwachsenwerden wie die Jugendlichen von heute. «Ich hatte aber keine Angst, ich fand es spannend», sagt er begeistert. Der Reiz, eine selbständige Person zu sein, war grösser als mögliche Bedenken. «Ich glaube wirklich, dass Jugendliche immer gleich sind», sagt Müller überzeugt.
Er kann auch gleich ein Beispiel geben: «Von wegen die Jugend von heute ist schlimmer als früher. Wir waren genauso schlimm, es war einfach anders. Wenn wir Seich machen wollten, dann taten wir das auch.» Der Unterschied sei nicht die Jugend, der Unterschied liege bei der Gesellschaft: «Früher war es schwieriger, erwischt zu werden. In diesem Punkt hatten wir einen Vorteil.»

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