Gesellschaft

Medienwoche 2025

1000-mal diskutiert – aber haben wirklich alle zugehört?

Es scheint, als wäre dieses Thema schon überall genug diskutiert worden: die ewige Leier mit der Gleichstellung und dem Feminismus. Doch stimmt das wirklich, oder machen wir uns etwas vor?

1000-mal diskutiert – aber haben wirklich alle zugehört?

Medienwoche 2025

Es scheint, als wäre dieses Thema schon überall genug diskutiert worden: die ewige Leier mit der Gleichstellung und dem Feminismus. Doch stimmt das wirklich, oder machen wir uns etwas vor?

Autorinnen: Lia Wyrsch, Mina De Genua, Sidon Zerom

Der «Zürcher Oberländer» hat erneut jungen Journalistinnen und Journalisten eine Tastatur in die Hand gedrückt. Im Rahmen der Medienwoche 2025 hat die Sekundarschule Bergli aus Bubikon eine Woche lang Lokaljournalismus hautnah erlebt: Die Schülerinnen und Schüler schrieben Artikel über die Themen, die sie beschäftigten. Und wer meint, dass die Auswahl beschränkt ist, hat sich getäuscht. Denn aus dem Mikrokosmos Bergli sind Artikel entstanden, die über den Pausenplatz hinausgehen – das ist einer davon.

Man hat das Wort schon 1000-mal gehört: Feminismus. In der Gesellschaft, in der Politik und auch auf dem Arbeitsmarkt scheint die Bewegung immer präsenter zu sein. Die Frage nach der Gleichstellung ist anscheinend schon zur Genüge diskutiert worden.

Die Definition laut Duden

Feminismus ist ein Sammelbegriff für verschiedene Bewegungen, die sich für die Gleichberechtigung, Selbstbestimmung und Freiheit aller Geschlechter einsetzen – besonders für die von Frauen. Sie wenden sich gegen Sexismus und setzen sich zum Beispiel dafür ein, gesellschaftliche Normen grundlegend zu verändern, etwa die traditionelle Rollenverteilung und die Vorherrschaft patriarchalischer Strukturen.

Aber muss überhaupt darüber gesprochen werden? Ohne den Einfluss des Feminismus wäre auch die Schule heute ganz anders. Mädchen hätten keinen gleichberechtigten Zugang zur Bildung oder zu bestimmten Fächern und Berufen. Technische oder naturwissenschaftliche Richtungen wären bloss Männern vorbehalten. Stattdessen würden Frauen vor allem auf Hausarbeit oder soziale Berufe festgelegt – einfach, weil das früher so war.

Auch Männer sind sogar heute noch von patriarchalen Strukturen betroffen. Die Suizidrate bei Männern in der Schweiz ist viel höher als die von Frauen und steigt im Alter an – die Suizidrate von Frauen bleibt hingegen konstant. Dies geht aus einem Bericht von SRF hervor, wo Experten erklären, dass das Selbstbild der Männer, nicht als schwach zu gelten, ein Hindernis beim Hilfeholen ist. Es leiden also auch Männer unter dem Rollenbild.

Wenn es doch alle betrifft, dann wissen bestimmt auch alle, was das ist, oder?

Unterschiedliche Haltungen zwischen Jungen und Mädchen

Die Meinungen in der Sekundarschule Bubikon geben ein klares Bild ab: Noch ist Feminismus eine ambivalente Angelegenheit. Einige Schülerinnen empfinden, dass das Thema Feminismus im Schulalltag noch zu wenig Raum erhält. «Es sollte öfters angeschaut, besprochen und thematisiert werden», sagt eine Schülerin der Sek.

Viele der Mädchen reagieren ähnlich und wünschen sich eine Veränderung in der Handhabung mit dem Thema. Denn noch werde es in der Schule nicht immer ausreichend aufgegriffen, obwohl das Interesse an Gleichstellung und ähnlichen gesellschaftlichen Themen bestehe.

Doch nicht alle empfinden es als interessant. Es zeigt sich ein Unterschied bei den Geschlechtern, denn die Jungen reagieren anders als die Mädchen. In den Befragungen wurde deutlich, dass viele gar nicht genau wissen, was der Begriff überhaupt bedeutet. Ein Schüler antwortete etwa: «Also, das ist doch so etwas mit Frauen, oder?» Andere sagten, sie wünschten sich «keine Veränderung in der Handhabung, da es sie sowieso nicht betrifft». Solche Aussagen verdeutlichen, dass Feminismus für viele Jugendliche, besonders Jungen an der Sekundarschule Bubikon, noch unklar bleibt.

In der Umfrage an der Sekundarschule Bubikon gaben gerade mal 30 Prozent an, dass sie sich klar als feministisch bezeichnen. 23 Prozent waren unsicher und meinten, dass sie ihre Meinung zu selten laut äussern, um sich als feministisch wahrzunehmen. 47 Prozent der Befragten sehen sich selbst nicht als feministisch, ganze zwei Drittel sind männliche Jugendliche.

Auch Lehrpersonen wissen nicht alles

Obwohl der Feminismus so wichtig für die Gesellschaft zu sein scheint, wird in der Sek Bubikon zu wenig darüber gesprochen, was auch einigen Lehrpersonen bewusst ist. Sie bestätigen, dass sie im Schulalltag selten gezielt über Feminismus sprechen. Meist nur dann, wenn eine kritische Situation es erfordert.

Ein Beispiel dafür ist, wenn sexistische Bemerkungen im Klassenzimmer fallen oder sich Schülerinnen benachteiligt fühlen. Erst dann wird das Thema oft kurzfristig aufgegriffen, statt langfristig und bewusst in den Unterricht eingebunden zu werden.

Trotzdem finden andere Lehrpersonen auch, dass es keine zusätzliche Aufklärung zum Thema Feminismus braucht. «Ich finde, es muss nicht noch mehr thematisiert werden, es wird schliesslich überall darüber gesprochen», sagt ein Lehrer. Im Gespräch mit den Lehrpersonen zeigte sich sogar, dass nicht alle genau wissen, was der Begriff überhaupt bedeutet. Eine Definition des Begriffs konnten einige nicht geben.

Andere Wahrnehmung am Gymi

Doch vielleicht ist dies eine Erscheinung einer einzelnen Volksschule, denn ehemalige Gymnasiastinnen der Kantonsschule Zürcher Oberland (KZO) berichten über ein deutlich anderes Bild. Eine ehemalige KZO-Schülerin antwortete auf die Frage, ob in ihrer Schulzeit viel darüber gesprochen worden sei: «Ja, sehr oft. Also an der Kanti in Wetzikon ist es ein sehr grosses Thema, und es gibt sehr viele Menschen, die sich dafür einsetzen.»

Besonders im Geschichtsunterricht werde das Thema regelmässig aufgegriffen. Seit 2019 wird Feminismus vermehrt in den Schulalltag integriert.

Das Verhalten an Schulen ist noch unterschiedlich. Es wird zwar thematisiert, und die Gesellschaft ist schon etwas weiter, doch endgültig fertig diskutiert ist das Thema noch nicht.

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