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Wandelbar zum Austausch

Hier wird verhandelt, wie sich Wald am besten wandelt

Ob sich die Idee bewährt, wird sich noch zeigen. Mit der Wandelbar hat Wald anderen Gemeinden dennoch etwas voraus.

In der Wandelbar in Wald steht die «Meldestelle Glück» im Zentrum. Es soll eruiert werden, wie man die Zukunft des Dorfs gestalten will.

Foto: Luca Da Rugna

Hier wird verhandelt, wie sich Wald am besten wandelt

Die ländliche Gemeinde am Fuss des Bachtels ist dafür bekannt, dass sie neben der Natur auch kulturell einiges zu bieten hat. Nun verfügt Wald sogar über eine «Meldestelle Glück», wo über die Bedürfnisse der Dorfbewohner diskutiert wird.

Wie könnte Wald in 10, 20 Jahren aussehen? Diese Frage hat sich eine Gruppe von zehn Walderinnen und Waldern gestellt und deshalb die Wandelbar gegründet. An der Bahnhofstrasse, direkt am Schwertplatz in einem ehemaligen Ladenlokal, ist sie für drei Abende zu Gast beim lokalen Gewerbeverein. Der oder die künftigen Standorte stehen derweil noch offen.

Die Wandelbar Wald ist nur während dreier Abende im Ladenlokal Schwert, direkt an der Bahnhofstrasse beim Schwertplatz, geöffnet. Am letzten Abend, dem 19. Juni, ist sie zwischen 17 und 21 Uhr für alle Einwohner offen. Im Herbst tourt die «Meldestelle Glück» innerhalb der Gemeinde, das konkrete Programm steht noch nicht fest. Genauere Informationen zum Projekt sowie bereits aufgenommene Wünsche und Zitate finden Sie unter www.wandelbarwald.ch.

Im Schaufenster stehen alte Schreibmaschinen aus dem Heimatmuseum, beim Eingang gibt es Glückslose zu ziehen. Im Innenraum befindet sich neben einer Holzbar ein runder Tisch für Gespräche, auf sauber aufgehängten Zetteln sind Bedürfnisse von Dorfbewohnern notiert. Sogar Accessoires, Glückstee und andere «Glücklichmacher» stehen zum Verkauf.

Bei der Gründergruppe handelt es sich um ein buntes Gemisch von 16- bis 73-Jährigen. Auch ein junger Iraner und ein polnisches Ehepaar sind mit von der Partie. Darunter der ehemalige Schulpräsident Fredi Murbach und der Historiker Martin Widmer.

«Wir sind neugierig und sammeln Aussagen, Ansichten und Wünsche von Menschen, die in Wald wohnen», sagt Widmer. Es brauche aktive Einwohnerinnen und Einwohner, um die Zukunft des Dorfs zu gestalten, das ihnen so ans Herz gewachsen ist. «Wald ist positiv eigenartig und speziell, hier gibt es einfach alles.»

Dennoch fragen sich die Vertreter der Wandelbar, weshalb weniger als die Hälfte der Einwohner an Abstimmungen teilnimmt. Und trotz der funktionierenden Vereinsstruktur sehen sie gewisse soziale Entwicklungen in Gefahr. «Für Neuzuzüger ist es nicht immer leicht, direkt Fuss zu fassen, da wollen wir etwas gegensteuern», sagt Widmer. Wald hat inzwischen über 10'000 Einwohner. Die Tendenz ist steigend.

Die «Meldestelle Glück»

Als Auftakt einer Reihe von Veranstaltungen in den nächsten Jahren hat das Team der Wandelbar Wald die «Meldestelle Glück» eingerichtet. Erst kürzlich fand das erste Treffen statt. Schon am ersten Abend kamen über 50 Personen vorbei, die Hälfte von ihnen erzählte persönliche Geschichten und gab preis, was sie in Wald glücklich macht und was sie sich für die Zukunft des Dorfs wünschen. Den Gründern gegenüber öffneten sie teilweise sogar ihr Herz und konnten Lob und Kritik an der Gemeinde und dem Sozialleben aussprechen.

«Es gab auch sehr berührende Geschichten, bei denen ein gewisses Mass an Einsamkeit durchschimmerte», sagt Murbach. Einige Gespräche dauerten über 20 Minuten. Es sei überdeutlich geworden, wie wichtig den meisten der Zusammenhalt und nur schon die täglichen Begegnungen in der gut frequentierten Bahnhofstrasse seien. «Was es braucht, damit diese Begegnungszone auch künftig attraktiv bleibt, war Thema vieler Gespräche.»

Für diesen Auftakt haben die Gründer durch Mund-zu-Mund-Werbung, mit einem professionellen Webauftritt und ein paar Flyern erfolgreich geworben. Und schon vor der Eröffnung der «Meldestelle Glück» schaute immer wieder jemand durch die offene Ladentür, erkundigte sich oder sah sich einfach etwas um. «Wald ist kein Schlafdorf, hier merken die Leute schnell, wenn es etwas Neues gibt», betont Widmer schmunzelnd.

Resultate an den Gemeinderat

Neben den persönlichen Bedürfnissen und Geschichten der Einwohner geht es in der Wandelbar auch darum, den Austausch mit der Gemeinde zu fördern. Wohin steuert das Dorf, das unterdessen mehr als 10'000 Einwohner zählt? Was denken all jene, die weder an Gemeindeversammlungen teilnehmen noch an den Wahlen oder Abstimmungen?

Das Sammelsurium an Wünschen, das bei der «Meldestelle Glück» eingegangen ist und noch eingehen wird, soll im Herbst gebündelt dem Gemeinderat übergeben werden. Inzwischen hat auch der immer neugierige Gemeindepräsident Ernst Kocher (SVP) an einer internen Sitzung der Gruppe teilgenommen. Erst kürzlich machte sich auch der neue Gemeindeschreiber Alexander Dietrich-Mirkovic ein Bild vom neuen Projekt.

Zettel mit Aufschriften darauf hängen an einer Schnur in einem Raum.
Manche machen es ausführlicher, andere kurz und bündig. Wie hier beim Wunsch nach einem autofreien Schlipfplatz.

Was die Wünsche der Walderinnen und Walder betrifft, haben Murbach und Widmer die Erfahrung gemacht, dass es nicht immer Neues braucht. Es gelte, Bewährtes zu kultivieren, um vor allem den sozialen Kitt in der Gemeinde zu erhalten. Aber Verbesserungspotenzial gibt es stets, eben wie überall.

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