Dating für Senioren in Uster macht älteren Menschen Hoffnung
Partnersuche im Alter
Viele ältere Menschen wünschen sich eine Beziehung. Doch die Suche gestaltet sich gerade im gehobenen Alter schwierig. Ein Blick hinter die Kulissen eines Ü60-Dating-Anlasses in Uster.
Die meisten Seniorinnen und Senioren haben sich an diesem Mittwochnachmittag bereits voll in Gespräche vertieft. Immer wieder ist das Anstossen von Sektgläsern zu hören. Es wird geschwatzt und gelacht. Nur wenige Personen brauchen zu Beginn einen Moment, um aufzutauen. Sie stehen noch etwas verloren im Raum und versuchen, einen passenden Moment für ein Gespräch mit jemandem zu finden.
14 Menschen im Alter über 60 haben sich in einem Saal des Pflegezentrums Im Grund in Uster versammelt – zwei davon sind Männer. Sie nehmen an der Veranstaltung Slow Dating teil, die wie auf sie zugeschnitten ist.
Für die einen hat die Anmeldung etwas Überwindung gekostet. Eine Handvoll Männer hatte sich kurz vorher gar noch abgemeldet. Doch die Anwesenden wollen die Chance nutzen, neue Leute kennenzulernen. Im Idealfall entstehen Freundschaften oder Beziehungen. Jedoch gibt es bei der Partnersuche im höheren und hohen Alter einige Hürden zu überwinden.
Der Wunsch nach einer Beziehung
Die Lebenssituation der Seniorinnen und Senioren, die beim Slow Dating in Uster dabei sind, kann man sich exemplarisch wie folgt vorstellen: Die 75-jährige Esther ist noch voller Unternehmungslust. Mit dem öffentlichen Verkehr erkundet sie regelmässig die versteckten Ecken der Schweiz, unternimmt Spaziergänge oder Wanderungen und besucht sporadisch Theateraufführungen sowie Konzerte.
Ihr Ehemann verstarb bereits vor einigen Jahren. Die gemeinsamen Kinder, die sie noch regelmässig trifft, sind schon erwachsen. Auf den ersten Blick scheint es ihr gut zu gehen. Allerdings fehlt Esther im Leben etwas: ein Partner.
Das Bedürfnis nach einer Beziehung kann Beatrice Spörri, Diakonin der Reformierten Kirche Uster, gut nachvollziehen. «Menschen sind nicht dafür geschaffen, allein zu sein.» Sie leitet im Rahmen ihrer Arbeit ein Trauercafé, bei dem Frauen und Männer, die einen geliebten Menschen durch Tod verloren haben, sich austauschen können. Dort vernahm sie vermehrt den Wunsch von älteren Menschen, neue Leute kennenlernen zu wollen. Allerdings fehle dafür der richtige Ort und Rahmen.
Denn Online-Dating kommt für die meisten in diesem Alter nicht infrage. Dieses sei für die Generation 60 plus häufig mit Ängsten verbunden, da ältere Menschen des Öfteren Opfer von Betrugsmaschen würden. So war die Idee geboren, ein Dating-Angebot in einem sicheren Rahmen zu schaffen.
Für Spörri steht am Mittwochnachmittag der offene Austausch zwischen den Beteiligten im Zentrum. Zu Beginn stellt sie den Teilnehmenden Fragen zu ihren Interessen. Sportliche, musikalische, kreative und entspannte Aktivitäten stehen dabei im Fokus. Die Teilnehmenden sollen auf diesem Weg ein erstes Bild voneinander erhalten. Danach beginnen die Gespräche, die Seniorinnen und Senioren müssen dabei selbst aktiv werden und aufeinander zugehen.
Dating mit Hürden
Im Austausch geht es in erster Linie darum, herauszufühlen, ob man auf derselben Wellenlänge ist. Die Sympathie, die persönlichen Werte und die Interessen spielen hier eine grosse Rolle.
Aber auch das Alter muss den Vorstellungen entsprechen. «Ich gehöre noch zu den jungen Rentnerinnen und suche jemanden, der mental so fit ist wie ich», erklärt eine Teilnehmerin. Zu alt dürfe ein potenzieller Partner deshalb nicht sein.
Wie Spörri erklärt, wollen viele keine Beziehung mit jemandem eingehen, der demnächst pflegebedürftig werden könnte. Oft haben sich die Betroffenen bereits Jahre zuvor um ihre verstorbenen Ehepartner gekümmert. «Jeder trägt einen Rucksack mit seiner Geschichte mit sich», sagt die Teilnehmerin.
Die Lebenserfahrung hat die Menschen geprägt. Über die Jahre haben sie sich geformt – mit all ihren positiven und negativen Facetten. Beim Dating im Alter können die individuellen Eigenheiten, die sich mit der Zeit meist verfestigen, jedoch hinderlich wirken. «Im Alter ist man nicht mehr so kompromissbereit wie früher», gibt eine Seniorin preis.
Warum es Frauen schwerer haben
Diese Beobachtung macht auch Spörri und ergänzt: «Viele ältere Frauen setzen sich zudem erst im hohen Alter für ihre eigenen Bedürfnisse ein.» So gebe es Seniorinnen, die sich lange darauf konzentriert hätten, die Bedürfnisse anderer zu stillen. Mittlerweile würden sich Frauen aber vermehrt darin üben, den eigenen Wünschen und Anliegen Raum zu geben.
Ein ähnliches Muster zeigt sich auch, wenn eine Person in einer Ehe stirbt. Hinterbliebene Männer würden danach oft von Seniorinnen aus dem sozialen Umfeld umsorgt. Sie erhalten dadurch praktische Unterstützung im Haushalt und finden so teils auch in eine neue Beziehung. «Bei Frauen hingegen geht man davon aus, dass sie es schon selbst meistern», sagt Spörri.
Neben diesem Umstand erschwert die Tatsache, dass Männer tendenziell früher sterben, die Partnersuche für ältere Frauen zusätzlich. So ist im hohen Alter die Auswahl an potenziellen Kandidaten eher klein.
Der erste Schritt fällt schwer
Weil sich beim Slow Dating in Uster ebenfalls wenige Männer angemeldet haben, fokussiert sich die Runde auf das Knüpfen von Kontakten. Und obwohl die Gespräche gut anliefen, tauschen nur wenige die Telefonnummern untereinander aus, um sich zu einem Spaziergang oder anderen Aktivitäten zu verabreden.
Da es einigen schwerfällt, ergreift Spörri die Initiative. Sie bringt Ideen für mögliche Unternehmungen ein und fragt einen Mann, ob er sich denn nicht vorstellen könne, für ein paar Frauen zu kochen. Die Idee stösst gleich bei mehreren Seniorinnen auf Interesse.
«Aber koch dann bitte keine Kutteln», scherzt eine Teilnehmerin. «Oh doch, ich liebe Kutteln», meint eine andere. Der Rentner schlägt vor, etwas zu grillieren oder ein indisches Gericht zu servieren. «Ich liebe indisches Essen», meint eine Seniorin mit leuchtenden Augen. Die Telefonnummern werden ausgetauscht und provisorisch der Herbst als möglicher Termin festgehalten – über den Sommer sind einige noch zu verplant.
Jetzt liegt es an den Seniorinnen und Senioren selbst, sich zu verabreden. Für die Möglichkeit, neue Menschen kennenzulernen, sind sie sichtlich dankbar. Sie wären auch bei einem weiteren Mal wieder dabei. Wie die Organisatorin Beatrice Spörri in Aussicht stellt, dürfte dies bereits im Herbst wieder der Fall sein.
