Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Gesellschaft

Gasthof Löwen Mönchaltorf

Neuer Gastgeber setzt auf Schweizer Küche – mit einer Prise Brasilien

Seit Mitte März empfängt Marcel Hertach die Gäste im «Löwen». Er will das Dorfleben stärken und hat grosse Pläne über die Gemeindegrenzen hinaus.

Nach kurzer Pause hat Marcel Hertach erneut den Schritt in die Selbständigkeit gewagt – dieses Mal in Mönchaltorf.

Foto: Simon Grässle

Neuer Gastgeber setzt auf Schweizer Küche – mit einer Prise Brasilien

Gasthof Löwen in Mönchaltorf

Seit Mitte März empfängt Marcel Hertach die Gäste im «Löwen» in Mönchaltorf. Er will das Dorfleben stärken und hat gleichzeitig grosse Pläne über die Gemeindegrenzen hinaus.

«Si träffed zwar nöd alli Tön, aber träffed sich au da im Leue uf en Wii» – so tönt es im Lied «Männerchor und Frauechor» von Dabu Fantastic. Dieser «Leue» steht in Mönchaltorf, der Heimatgemeinde von Bandleader David «Dabu» Bucher. Das Traditionslokal hat seit diesem Jahr einen neuen Gastgeber: Marcel Hertach.

Der 50-Jährige stammt ursprünglich aus Maur und ist ein erfahrener Gastronom. Die letzten zwei Jahre war er Cluster Hotel Manager bei den Meili Selection Hotels in Zürich: Er war zeitgleich für die Hotels Ambassador, Opera und Seehof verantwortlich. Zuvor führte er gemeinsam mit seiner Frau während 18 Jahren ein Restaurant mit 160 Plätzen – im Businessviertel von São Paulo in Brasilien.

«Meine Frau ist Brasilianerin, aber wir haben uns an der Hotelfachschule in Zürich kennengelernt», sagt der ursprüngliche Koch. Ihr Vater hatte sie auf ein Restaurant in São Paulo hingewiesen, das zur Pacht ausgeschrieben war. «Am Ende war ich es, der sie überzeugen musste, dass wir den Umzug nach Brasilien wagen», erzählt er schmunzelnd.

Familie mit an Bord

Sie hätten glückliche Jahre in Südamerika gehabt. Bis 2020. Mit der Corona-Pandemie war dann Schluss. «Zum Wohl der Kinder sind wir nach zwei Jahren Homeschooling in die Schweiz zurückgekommen.» Die Kinder sind mittlerweile 16 und 18 Jahre alt und hatten beim Entscheid ihres Vaters, den «Löwen» zu übernehmen, ein Wort mitzureden.

«Als Gastgeber macht man viele Abstriche, was das Privatleben angeht», sagt Hertach. «Darum haben wir als Familie besprochen, was es bedeutet, wenn ich die Pacht übernehme. Denn das heisst, dass ich während der Startphase für mindestens ein Jahr nicht mehr für viel gemeinsame Zeit oder Ferien zur Verfügung stehe – da mussten alle einverstanden sein.»

Hertachs Vorgänger Mirko Eskic führte den Gasthof bis zu seiner Pensionierung Ende 2024. Von Januar bis Mitte März war das ehemalige Kurhotel dann für Renovationsarbeiten geschlossen. «Wir wollten den Charakter des Lokals behalten, aber alles auf einen zeitgemässen Stand bringen.» Alles wurde modernisiert, wo möglich digitalisiert. Auch die 18 Hotelzimmer haben eine Generalüberholung erhalten.

Dass der «Löwen» mit dem Hotel und dem Restaurant gleich zwei Standbeine hat, ist einer der Gründe, warum sich Marcel Hertach für diese Lokalität entschieden hat. «An dieser Lage wäre nur eines von beidem langfristig nicht erfolgversprechend.» Sein Vorgänger habe den Fokus mehr auf die Hotellerie gelegt. «Im Restaurant schlummerte noch viel Potenzial.»

Dieses will er nun mit einer klaren Linie ausschöpfen. «Viele Gastronomen verzetteln sich und wollen alles anbieten, was der Gast wünscht. Bei mir wird es aber nie Pizza geben.» Ein so traditionsreiches Lokal wie der «Löwen» fordere eine Schweizer Küche mit traditionellen Gerichten. «Die Identität und der Wiedererkennungswert eines Lokals sind für mich der Schlüssel zum Erfolg.»

Und trotzdem: Ganz ohne Anknüpfung an seinen bisherigen Weg geht es auch bei ihm nicht. So findet sich etwa auf der Speisekarte neben Zürcher Kalbsgeschnetzeltem und Cordon bleu auch Picanha – der Huftdeckel vom Rind, das in der brasilianischen Küche einen grossen Stellenwert hat. «Wir haben auch den Biergarten wieder in Schuss gebracht, da werden wir im Sommer bei schönem Wetter viel grillieren und auch mal weniger bekannte Fleischstücke anbieten», sagt Hertach. «Ein brasilianisches Restaurant wird der ‹Löwen› aber nie werden.»

Grosse Pläne in schwieriger Branche

Nach der Selbständigkeit in Brasilien sei es für ihn in den Zürcher Hotels ein guter Wiedereinstieg in das Leben in der Schweiz gewesen. «Doch der Wunsch nach etwas Eigenem flackerte schnell wieder auf.» Dass der «Löwen» einen neuen Pächter brauchte, erfuhr er von einem Kollegen. Bei der Besichtigung sei ihm schnell klar geworden, dass dies genau die Grösse sei, nach der er gesucht habe.

Und Marcel Hertach denkt bereits weiter. «Mein Ziel ist es, langfristig ein zweites oder gar drittes Restaurant oder Hotel in der Region zu übernehmen – da könnten viele Synergien im administrativen Bereich genutzt werden.» Darum hält er schon jetzt die Augen offen. Doch ihm ist auch bewusst, dass die Gastronomie ein schwieriges Pflaster ist.

Das Restaurant Löwen in Mönchaltorf hat einen neuen Pächter – Marcel Hertach.
Produkte aus der Region zu verwenden, ist für Marcel Hertach eine Selbstverständlichkeit.

Viele Lokale müssen schliessen, überall werden Pächter gesucht. «Und Gastronomen, die es trotzdem wagen wollen, bekommen die nötigen Kredite nicht, weil die Banken ein zu grosses Risiko darin sehen», schätzt er die Situation ein. Trotzdem ist Hertach überzeugt, dass man es schaffen kann – mit der nötigen Einstellung.

Wo immer möglich beziehe er seine Produkte aus Mönchaltorf, etwa vom Metzger ein Haus nebenan oder vom Chäslädeli zwei Häuser weiter. «Produkte aus dem Dorf zu verwenden, ist eigentlich eine so offensichtliche Lösung, aber viele Gastronomen entscheiden sich aus Kostengründen doch für anonyme Grosslieferanten.»

Der Kontakt zum Dorfleben ist ihm wichtig. Das Lied von Dabu Fantastic soll unter seiner Ägide den Wahrheitsgehalt behalten. «Vereine sind auch um 22 Uhr noch für ein Bier bei uns willkommen – das gehört einfach dazu und kommt auch wieder zurück.» Eine Einstellung, für die er bereits viele positive Rückmeldungen erhalten hat. «Ich wurde sehr herzlich empfangen, und alle wünschen uns gutes Gelingen.»

Eigenes Olivenöl als Ziel

Anders als sein Vorgänger wohnt Hertach mit seiner Familie aber nicht im «Löwen», sondern ganz bewusst in Wetzikon. «Sonst ist es noch schwieriger, Beruf und Privatleben zu trennen.»

Der Gasthof Löwen wurde 1838 eröffnet – damals als Kurhotel, wo die Gäste in der sagenumwobenen Stahlquelle Heilung suchten. Marcel Hertach hat seinen eigenen Kraftort in Italien gefunden. «Ich habe einen kleinen Olivenhain in der Toskana geerbt, ein unglaublich idyllischer Ort.»

In den letzten Jahren sei die Ernte nicht allzu ertragreich gewesen. «Wir sind schlicht zu selten vor Ort, um wirklich Gas geben zu können.» Doch es sei eines seiner Ziele, einst im «Löwen» sein eigenes Olivenöl verwenden zu können. «Wenn ich irgendwann wieder einmal Ferien machen kann, geht es in die Toskana. Oder nach Brasilien.»

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns