Mit den neuen Wohnungen bei Sennhof bekommt Illnau-Effretikon ein Schulproblem
Bauboom im Tösstal
Wohin können die künftigen Bewohner des Bühler-Areals ihre Kinder zur Schule schicken? Politisch gehören sie zu Illnau-Effretikon, doch das ist weit weg. Aktuell laufen Verhandlungen mit Winterthur und Zell.
Auf dem Bühler-Areal bei Sennhof entstehen 89 Mietwohnungen, vom Penthouse mit Blick auf die Kyburg bis zum Reihenhäuschen direkt am Tössufer. 2016 hatte die Spinnerei als letzte ihrer Art in der Schweiz schliessen müssen – nach mehr als 150 Jahren.
In den Räumen der ehemaligen Spinnerei sind 1½- bis 4½-Zimmer-Wohnungen mit gemäss Baubeschrieb «historischem Charme und grosszügigen Grundrissen» geplant. Ende 2026 sollen die ersten Mieterinnen und Mieter einziehen, die Ausschreibung der Wohnungen erfolgt noch dieses Jahr. Und damit drängt sich die Frage auf: Wohin werden die künftigen Bewohner ihre Kinder zur Schule schicken können?
Zwar liegt nur ein paar Meter «ännet» der Töss die Schule Sennhof mit drei Kindergartenklassen, sieben Primarschulklassen sowie Mittagstisch und Betreuung. Nur ist Sennhof ein Aussenquartier von Winterthur. Das Bühler-Areal hingegen liegt in der Mülau und damit auf Kyburger Gebiet.
Kyburg wiederum gehört seit 2016 zur Stadt Illnau-Effretikon. Und für diese ist die Mülau – zumindest geografisch – ziemlich ab vom Schuss. Rund 17 Minuten dauert die 11,5 Kilometer lange Autofahrt vom Effretiker Stadtzentrum über Ottikon und Kyburg bis zum Bühler-Areal.
Primarschüler sollen rauf nach Kyburg – per Schulbus
Zumindest für die künftigen Primarschülerinnen und Primarschüler ist nun ein definitiver Entscheid gefallen. Sie werden die Schule Ottikon-Kyburg besuchen, wie der zuständige Stadtrat Samuel Wüst (SP) auf Anfrage ausführt.
Die Schule Ottikon-Kyburg führt Primarschul- und Kindergartenklassen. Während alle Kindergartenkinder den Kindergarten in Ottikon besuchen, gehen die Primarschülerinnen und -schüler entweder in Ottikon (mit je einer Sammelklasse 1. bis 3. und 4. bis 6.) oder in Kyburg (eine Sammelklasse 1. bis 6.) zum Unterricht. Der gemeinsame Mittagstisch befindet sich in Kyburg.
Für die Primarschüler des Bühler-Areals sei «grundsätzlich» der Schulort Kyburg geplant. «Theoretisch könnte auch einmal Ottikon infrage kommen, aber mit den bisherigen Zahlen ist das nicht der Fall.» Die Kinder würden – «wie viele andere in der Gemeinde» – mit dem Schulbus gefahren.
In Verhandlung mit Zell und Winterthur
Ob auch die Kindergartenkinder künftig per Schulbus verschickt werden oder doch zu Fuss in den Chindsgi die paar Meter nach Sennhof gehen können, darüber ist Illnau-Effretikon mit Winterthur laut Wüst «im regen Austausch».
Der Knackpunkt: Sennhof ist in den letzten Jahren stark gewachsen, das dortige Schulhaus voll ausgelastet. Das geht so weit, dass eigene Kinder aktuell per Schulbus in einen anderen Kindergarten gefahren werden. «Winterthur prüft jedoch verschiedene Optionen, und wir hoffen, dass es eine Lösung für den Kindergarten gibt», sagt Samuel Wüst.
Eine Lösung scheint sich aktuell für die Sek-Schüler abzuzeichnen. Dort ist Illnau-Effretikon ebenfalls in Verhandlungen, und zwar mit Zell. Die Gemeinde erhöht nämlich gerade ihr Oberstufenschulhaus in Rikon um zwei Stockwerke – und hätte «ein bisschen Luft bezüglich Schulraum».
Der Stadtrat zeigt sich zuversichtlich: «Wenn alles klappt, dann haben wir in den nächsten vier Monaten eine Vereinbarung.» Und die künftigen Sekundarschüler einen knapp 5 Kilometer langen und dazu flachen Schulweg von der Mülau nach Rikon.
Bis zu 45 Minuten ÖV-Fahrt für die Sek-Schüler
Und wenn der Deal nicht zustande kommt? Illnau-Effretikon betreibt zwei eigene Sekundarschulstandorte: das Hagen in Illnau und das Watt in Effretikon. «Sollte es mit Zell nicht klappen, was ich nicht denke, dann wären für die Sek-Schüler Zugfahren und eventuell Busfahren angesagt», sagt Wüst. «Velofahren dürfte für die meisten über den Hügelzug zu streng sein, und Schulbusfahren würden wir nicht anbieten.»
Je nach Verbindung hiesse das pro Weg für die Jugendlichen zwischen rund 35 und 45 Minuten ÖV-Fahrt – entweder ab dem Bahnhof Sennhof-Kyburg via Kollbrunn und Weisslingen nach Illnau oder aber via Winterthur nach Effretikon.
«Für uns wird es dann interessant, wenn wir wissen, wie viele Kinder wirklich in der Mülau einziehen», erklärt Samuel Wüst. Er rechne mit 10 bis 20 schulpflichtigen Kindern.
Bei einer guten Verteilung wären das ein oder zwei Kinder pro Jahrgang. Und für eine Familie mit mehreren Kindern im allerdümmsten Fall drei verschiedene Kindergärten respektive Schulen in drei verschiedenen Gemeinden.
