Gemeinden sagen exotischen Pflanzen mit Spezialsäcken den Kampf an
Viele der Pflanzen gelten allgemein als schön und ergänzen die heimische Flora. Doch längst nicht alle sind erwünscht. Deshalb schreiten einige Gemeinden mit dem Neophytensack zumindest indirekt zur Tat.
Die Kantone Aargau oder Luzern kennen sie schon länger. Der Kanton Zürich hat die Idee eines kantonalen Neophytensacks hingegen verworfen: Man wolle verhindern, dass mehr Pflanzenmaterial als nötig in den Kehrichtverwertungsanlagen verbrannt werde.
Seit Ende Mai ist es aber zumindest in Teilen der Region so weit: Unzählige Gemeinden im wie Rüti, Bubikon, Dürnten, Illnau-Effretikon, Wetzikon, Uster, Dübendorf, Fehraltorf, Hinwil, Weisslingen, Wildberg oder Turbenthal spannten zusammen und stellen der Bevölkerung kostenlose Abfallsäcke zur Entsorgung von Neophyten zur Verfügung.
Pläne für die Einführung der Neophytensäcke gab es schon seit Längerem, wie Karin Schweiter, Projektleiterin Umwelt in Rüti, bestätigt. «Die jeweiligen Leiterinnen und Leiter der Bereiche Umwelt verschiedenster Gemeinden treffen sich regelmässig und tauschen sich aus.»
Auch Rüti habe sich die gezielte Vernichtung invasiver Neophyten schon länger auf die Fahne geschrieben. «Nachdem die Stadt Winterthur und der Kanton Schaffhausen das Projekt vorangetrieben hatten, sprangen wir gerne auf den Zug auf.»
Neophyten sind Pflanzen, die nach 1492 in Europa beziehungsweise der Schweiz eingeführt wurden und sich in der hiesigen Natur etablierten. Einige dieser gebietsfremden Arten gelten als invasiv, da sie sich auf Kosten von einheimischen Pflanzen stark ausbreiten. Invasive Pflanzen können auch die Gesundheit von Mensch und Tier bedrohen, Infrastrukturen sowie Bauten beeinträchtigen und zu erheblichen Ausfällen in der Land- und Forstwirtschaft führen.
Auch im Oberland bedrohen so einige Pflanzenarten die einheimische Flora und damit die Biodiversität. Die Gemeinden wollen deshalb beispielsweise dem Einjährigen Berufkraut, der Amerikanischen Goldrute, dem schönen Sommerflieder, dem Kirschlorbeer und weiteren invasiven Neophyten Einhalt gebieten.
Mit ihren Wurzeln beschädigen sie sogar Strassen oder Gebäudefundamente. Ausserdem können die robusten Gewächse wie der Riesenbärenklau oder die Ambrosia beim Menschen heftige Verbrennungen und Atembeschwerden auslösen.


In den Medienmitteilungen der genannten Gemeinden heisst es einstimmig: «Um die Weiterverbreitung dieser Problempflanzen zu bremsen, sind grosse Anstrengungen mithilfe der Bevölkerung unerlässlich.» Vor allem Grundeigentümer, Landwirte und Hauswartungen sollen sich angesprochen fühlen.
So organisiert Illnau-Effretikon im stadteigenen Siedlungsraum, im Wald und in Naturschutzgebieten die Bekämpfung der Neophyten beispielsweise auf eigene Faust. Im privaten Raum muss die Stadt jedoch auf die Eigenverantwortung der Bevölkerung zählen.
Hier können Abfallsäcke für Neophyten bezogen werden
Rüti: Gemeindehaus, Abteilung Umwelt, Büro 303
Bubikon: Gemeindehaus, Schalter Einwohnerdienste
Dürnten: Gemeindehaus, Schalter Einwohnerdienste
Hinwil: Gemeindehaus, Schalter Einwohnerdienste
Weisslingen: Gemeindehaus, Schalter Einwohnerdienste
Wetzikon: Stadthaus, Abteilung Umwelt
Uster: Stadthaus, Abteilung Bau; Stadtbibliothek; Hauptsammelstelle
Dübendorf: Bauhof
Illnau-Effretikon: Stadtbüro, Erdgeschoss Stadthaus; Hauptsammelstelle Effretikon
Turbenthal: Gemeindeverwaltung, Abteilung Tiefbau und Werke; Wertstoffsammelstelle
Wildberg: Gemeindeverwaltung
In den 60-Liter-Säcken sollen die fortpflanzungsfähigen Teile von invasiven Pflanzen entsorgt werden. Die vollen Säcke können der regulären Kehrichttour mitgegeben werden. In den Verwertungsanlagen verbrennt man sie entsprechend.
Grüntonne reicht nicht
«Das Hauptproblem mit den Neophyten ist, dass sie invasiver Natur sind und sich unkontrolliert vermehren», sagt Schweiter. Hobbygärtner könnten sich dennoch die Frage stellen, warum man eine ausgerissene invasive Pflanze samt den Samenständen nicht einfach in die Grüntonne oder auf den Kompost werfen dürfe.
«Es geht darum, das vermehrungsfähige Pflanzenmaterial zu vernichten, sagt Schweiter. Je nach Pflanze sind dies die Samen oder auch die Wurzeln. Deshalb soll der Neophytensack den ganzen Vernichtungsprozess vereinfachen und eine Art Garantie darstellen.

«Bei einem Kirschlorbeer oder einem Sommerflieder müssen die blühenden Stände zwingend in den Neophytensack, der Rest der Pflanze darf gerne ins Grüngut.» Dies sei allerdings von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich.
Was in den Sack gehört
Im Neophytensack sollen alle fortpflanzungsfähigen Teile der invasiven Pflanzen entsorgt werden. Krautartige Pflanzen wie die Amerikanische Goldrute oder das Schmalblättrige Greiskraut müssen vollständig in die Abfallsäcke. Bei Sträuchern oder Bäumen wie dem Kirschlorbeer oder bei der Hanfpalme sind es lediglich die beerenartigen Früchte und die Wurzeln. Bei anderen Pflanzen wiederum sind es die Samen oder die Hülsenfrüchte.
Da wohl nicht alle Hobbygärtner ein Studium im Bereich der Pflanzenbiologie absolviert haben, wird zu jedem Neophytensack ein Flyer abgegeben, der aufzeigt, wie mit den einzelnen Pflanzen umzugehen ist.
Die Entwicklung und Konzipierung des Neophytensacks ist eine gemeinsame Initiative der Interessengemeinschaft (IG) Neophytensack Zürich–Schaffhausen sowie der Abfallverbände in Zürich und der KVA Winterthur und der KBA Hard in Schaffhausen. Allgemeine Informationen zu Neophyten und deren Bekämpfung sind auf www.neophytensack.ch zu finden.