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Kirche in Weisslingen

Getauft wird in Weisslingen im Brunnen statt im Taufbecken

Im Kirchhof soll ein neues Taufritual Herzen öffnen – doch nicht alle Generationen sind gleichermassen begeistert.

Pfarrer Christian Zöbeli möchte seinen Täuflingen ermöglichen, wie Jesus unter freiem Himmel getauft zu werden.

Foto: Almut Berger

Getauft wird in Weisslingen im Brunnen statt im Taufbecken

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In Wislig können Familien ihre Kinder neu an einem Brunnen im Kirchhof taufen lassen. Pfarrer Christian Zöbeli will so eine Alternative zur klassischen Zeremonie in der Kirche schaffen.

Der Hof vor der Kirche in Weisslingen gleicht an diesem Dienstagnachmittag einer Blumenwiese, die alten Grabsteine entlang der Mauerumrandung versinken in einem Meer von Margeriten, Wiesensalbei und Ackerwitwenblumen. Entlang der Wege, die über den Kirchhof führen, ist das Gras kurz gehalten. Und nicht nur dort: Rund um einen Brunnen, über dem die Äste eines Ahornbaums ein grünes Dach bilden, hat der Rasenmäher ein paar Extrabahnen gezogen.

«Er ist vielleicht nicht der schönste Brunnen», sagt Pfarrer Christian Zöbeli mit einem kritischen Blick auf das graue, schlichte Sechseck. «Mit seiner kompakten Form erinnert er jedoch an ein klassisches Taufbecken – und das macht ihn ideal für unser Vorhaben.»

Taufakt unter freiem Himmel

Christian Zöbeli betreut seit elf Jahren die reformierten Wisliger und Wisligerinnen als Einzelpfarrer. Neben den sonntäglichen Gottesdiensten und der Seelsorge gehören zu seinen Aufgaben auch kirchliche Amtshandlungen wie Beerdigungen, Trauungen oder Taufen. Für Letztere hat die reformierte Kirche Weisslingen nun ein Zusatzangebot lanciert: An besagtem Brunnen ist es seit neuestem nämlich möglich, seine Kinder taufen zu lassen.

«Der Gottesdienst wird jeweils ganz klassisch in der Kirche gefeiert», erklärt Pfarrer Zöbeli das Konzept. «Anschliessend begebe ich mich dann mit der Tauffamilie und den Anwesenden zur Taufe vor die Kirche an den Brunnen.» Jesus sei ja im Jordan und damit auch unter freiem Himmel getauft worden. «Einen Fluss haben wir hier zwar nicht, aber unseren Brunnen.»

Die Idee für die neue Taufart sei im Zuge einer Retraite mit der Kirchenpflege entstanden. Pate stand das im letzten September durchgeführte grosse Tauffest der reformierten Kirche Winterthur im Eulachpark. Unter dem Motto «Dein Leben – ein Segen!» taufte Pfarrerin Esther Cartwright 39 Kinder und 6 Erwachsene mit dem Wasser der Eulach.

Näher an die Menschen

«Anders als bei den Katholiken ist bei uns Reformierten das Taufwasser ja nicht geweiht, es spricht also nichts dagegen, unsere Täuflinge mit Wisliger Brunnenwasser in die christliche Gemeinde aufzunehmen», erklärt Pfarrer Christian Zöbeli mit einem Augenzwinkern.

Die Frage, ob er mit dem neuen Angebot mehr Leute in die Kirche locken will, verneint er jedoch explizit. «Wir wollen mit den Brunnentaufen einfach näher an den Menschen und ihren Bedürfnissen sein und ihnen Alternativen zum Standardprogramm bieten.» Aus dem gleichen Grund veranstalte die Kirche Weisslingen jeweils im Frühsommer ihren traditionellen Wald-Gottesdienst, bei dem Taufen ebenfalls möglich seien.

Und wie kommt das neue Angebot an? Pfarrer Zöbeli wiegt den Kopf. Die zwei, drei Familien, bei denen Taufen aktuell anstünden, hätten lieber das klassische Programm gewählt, also eine Taufe in der Kirche, sagt er dann. «Man darf nicht vergessen, dass gerade bei Taufen meist die Grosseltern und oftmals auch die Urgrosseltern dabei sind, die möglicherweise auf einen Rollator angewiesen sind.» Es habe darum Befürchtungen gegeben, dass eine Aussentaufe je nachdem zu beschwerlich oder umständlich sein könnte.

Trotzdem zeigt Christian Zöbeli sich überzeugt davon, dass schon bald ein erster junger Wisliger oder eine erste junge Wisligerin unter freiem Himmel getauft wird. «Hier draussen zwischen all den Blumen ist es doch einfach nur schön.»

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