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Im Dübendorfer Untergrund

Ein Roboter zeigt, was in der Kanalisation kreucht und fleucht

In Gockhausen wird die Kanalisation mit Robotern saniert. Die kleinen Fahrzeuge sind mit Kameras ausgestattet und treffen einiges in den Rohren an.

Der Operateur des Roboters sitzt bequem ausserhalb der Kanalisation und steuert von dort aus den kleinen Helfer.

Foto: Fiorella Koch

Ein Roboter zeigt, was in der Kanalisation kreucht und fleucht

Was früher mühselig von Menschen erledigt werden musste, übernehmen heute Roboter. Die kleinen Helfer arbeiten gerade in der Dübendorfer Kanalisation, und ihre Kameras zeigen, wer dort sonst noch unterwegs ist.

Wer an ein Gefährt denkt, das 100’000 Franken oder mehr kostet, stellt sich wohl einen protzigen Sportwagen vor. In Dübendorf sind gerade Fahrzeuge dieser Preisklasse unterwegs, sie sind aber um einiges kleiner als ein Auto und fahren auch nicht auf Strassen, sondern im Untergrund.

Ein Kanalisationsroboter steht auf dem Boden.
Dieser kleine Roboter übernimmt vielfältige Aufgaben im Untergrund. Er ist mit einer Kamera ausgestattet.

Es handelt sich nämlich um Roboter, die bei der Sanierung der Dübendorfer Kanalisation mithelfen. Sie wiegen zwischen 30 und 70 Kilogramm, sind weniger als einen Meter lang und sehr schmal. Trotz ihrer geringen Grösse erledigen sie wichtige Aufgaben: Mit überdimensionierten Geländereifen, Kameras, starkem Licht und Werkzeugen wagen sie sich in die Kanalisationsrohre, um sie von innen zu sanieren.

Nichts für Feinschmecker

Bevor solche Roboter eingesetzt wurden, mussten diese mühselige Aufgabe Arbeiter von Hand erledigen, wenn die Rohre breiter als 80 Zentimeter waren. Waren sie schmaler, konnten sie nicht von innen saniert werden und mussten ausgegraben und kostspielig ersetzt werden.

Marc Steiner, der leitende Ingenieur der Firma Gossweiler beim Projekt «Kanalsanierung in Dübendorf», sagt: «Früher mussten sich die Arbeiter mit dicken Anzügen auf einem flachen Wagen durch die Abwasserrohre schieben. Da durfte man nicht klaustrophobisch sein oder eine feine Nase haben.»

Bequemer, trockener Arbeitsplatz

Heute kann der Arbeiter, der den Roboter bedient, bequem und trocken im Kommandoraum seines Busses sitzen. Der Operateur hält eine grosse Fernsteuerung mit mehreren Knöpfen, Drehschaltern und Steuerknüppeln auf seinem Schoss und schaut konzentriert auf die zwei Bildschirme vor ihm.

Gerade leitet er den Roboter dazu an, Kalkablagerungen in einem Rohr abzuschleifen. Mit flinken Händen lässt er den Roboterarm hin und her bewegen, während er die Maschine gleichzeitig langsam nach vorne fährt.

Die Kamera am Roboter entdeckt Risse oder Ablagerungen in der Kanalisation, manchmal aber auch deren Bewohner. Der Arbeiter stösst immer mal wieder auf Spinnen, Maden, Frösche, Ratten oder Asseln.

Die Tiere und Insekten lassen sich vom Roboter meist nicht stören. Der Operateur stört sich auch nicht an ihnen. «Ich bin ja nicht selbst im Rohr», sagt er und schmunzelt.

Lichterkette im Schlepptau

Ihre Arbeit verrichten die Roboter aktuell in Gockhausen, im Tobelacker und an der Tichelrütistrasse. Die Arbeit ist Teil der Werterhaltung der Abwasseranlagen, die die Stadt Dübendorf betreibt. Marc Steiner sagt: «Die Abwasserkanäle sind altersbedingt in einem sanierungsbedürftigen Zustand, da sie in den 1970er und 1980er Jahren gebaut wurden.» Die Aufwertung der Kanalisation durch den Einsatz von Robotern sei deutlich günstiger und verursache weniger Beeinträchtigungen für den Verkehr, als wenn die Rohre vollständig ausgegraben und ersetzt würden.

Wie Steiner weiter erklärt, wird deshalb mit einem Kanalisationsroboter die rund einen Kilometer lange Rohrstrecke abgefahren und auf Schäden geprüft. Diese werden behoben, indem er Ablagerungen abfräst oder Risse zuspachtelt. Ist das Rohr aufbereitet, kann es mit dem sogenannten Schlauchrelining-Verfahren saniert werden.

Dabei wird ein aus Fasern und dickem Kunstharz bestehender Schlauch durch das Rohr gezogen und anschliessend mit Druckluft aufgebläht. Dadurch fügt sich der Schlauch wie eine zweite Haut an das bestehende Rohr an. Der Kanalroboter zieht anschliessend langsam eine Lichterkette durch den Kanal, die mit einer Lichtstärke von 15’000 bis 20'000 Watt das Kunstharz aushärtet. Danach fährt der Roboter noch einmal durch das Rohr und fräst die vom Schlauch verschlossenen Einläufe wieder auf.

Steiner sagt: «Dieses Verfahren verlängert die Betriebsdauer der Abwasserkanäle je nach Beanspruchung bis 50 Jahre.» Anschliessend kann die Kanalisation wieder in Betrieb genommen werden. Also freie Bahn fürs Abwasser – und die Rohrbewohner.

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