Immer wieder werden Wiesen in Dübendorf zu früh gemäht
Der Kanton und die Stadt Dübendorf bemühen sich um mehr Biodiversität auf den Grünflächen. Ein Beispiel am Ufer des Chriesbachs zeigt, dass es an der Umsetzung der Ziele noch hapert.
«Werden Wiesen schon Mitte Mai gemäht, verlieren die heimischen Insekten auf einen Schlag ihre Lebensgrundlage», sagt Flavia Sutter, Präsidentin des Naturschutzvereins Dübendorf. «Es kann zudem sein, dass die Mähmaschinen die Nester von Bodenbrütern, wie zum Beispiel Stockenten, zerstören.»

Trotzdem wurden die Pflanzen am Chriesbach in Dübendorf schon vor wenigen Tagen vom Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) des Kantons Zürich geschnitten. Sutter sagt: «Das ist zu früh. Die Vegetation steht in voller Blüte.» Laut ihr ist es wichtig, Wiesen später, also ab Mitte Juni, und seltener zu mähen, um die Biodiversität zu erhalten.
Meldungen häufen sich
Der Fall am Ufer des Chriesbachs wurde Sutter von einem besorgten Bürger gemeldet. Das komme öfters vor: «Wir bekommen immer wieder Meldungen, dass Flächen zu früh gemäht wurden.» Verantwortlich dafür seien entweder die Stadt oder der Kanton.
Aber: «Eigentlich bemühen sich die Stadt und der Kanton für mehr Biodiversität», so Sutter. «Vor allem die Stadt: Sie hat sich nach dem Postulat ‹Naturnahe Bewirtschaftung von Grünflächen› selbst Richtlinien gesetzt, um mehr Biodiversität zu erhalten.»
Auch der Kanton hat sich ähnliche Ziele gesteckt. Mit dem Programm «Vielfältige Zürcher Gewässer» will er die biologische Vielfalt an Bächen fördern. Trotzdem kommen laut Sutter solche frühen Mahden immer wieder vor.
Bekämpfung von Neophyten über frühes Mähen
Katharina Weber, Mediensprecherin der Baudirektion, begründet die frühe Mahd am Chriesbach aus Sicht des Kantons: «Der Unterhaltsbetrieb Glatt ist für 100 Kilometer Gewässer zuständig. Die Mäharbeiten müssen deshalb zeitlich gestaffelt werden.» Und in diesem Jahr gehöre der Chriesbach zu den früh gemähten Gewässergebieten.
Die Zone am Ufer bestehe aus fetten Fromentalwiesen und typischer Bachufervegetation. «Solche Flächen können – wie in der Landwirtschaft üblich – auch vor Mitte Juni gemäht werden», erklärt Weber.
Frühes Mähen könne dominante Arten, darunter auch Neophyten, zurückdrängen, die sonst konkurrenzschwache und deshalb seltenere Pflanzen verdrängen würden. Beispiele, die am Chriesbach vorkämen, seien Armenische Brombeeren, Hartriegel oder Kratzbeeren.
Naturschutzverein – Stadt – Kanton
Flavia Sutter fände es am besten, wenn einzelne Wiesen nicht auf einmal gemäht werden würden. «Sondern in gestaffelten Abschnitten, damit sich die Insekten und Tiere zurückziehen können.»
Für ihr Anliegen für mehr Biodiversität an Gewässern fungiert sie mit dem Naturschutzverein als Schnittstelle. «Wir leiten die Meldungen verfrühter Mahden an die Stadt weiter. Unsere Bezugsperson leitet die Beschwerden wenn nötig an den Kanton weiter.» Diese würden dann geprüft und beantwortet, sagt Katharina Weber. «Das ist auch in diesem Fall geschehen.»
Dieses Mal mit Erfolg: «Die zuständigen Personen der Stadt und des Kantons haben sich umgehend für ein Treffen verabredet», sagt Sutter.
