Historische Eisenbahn fährt durchs Oberland
Seltener Höhepunkt für Eisenbahnfans
Einst schrieb der Trans-Europ-Express auf den Schienen Europas Geschichte. Vor wenigen Tagen durchquerte dieser Zug sogar die Region – ein besonderes Ereignis.
Der eine oder die andere dürfte bei der Durchfahrt dieses Zugs durchs Oberland zweimal hingeschaut haben. Ein historisches, rot-beiges Gefährt machte am Sonntag eine Ausfahrt in der Region, wie der Eisenbahn-Enthusiast Jürg Streuli berichtet. Der geschichtsträchtige Zug trägt die Bezeichnung «RAe TEE II 1053» – wobei vielen Trans-Europ-Express (TEE) eher ein Begriff sein dürfte.
Der Zug mit seinen sechs Waggons konnte am Muttertag aber nicht nur von aussen bestaunt werden. Der Trans-Europ-Express mit Baujahr 1961 bietet 210 Plätze der 1. Klasse. Fahrgäste konnten bereits ab Olten zusteigen und eine Rundreise über mehrere Stunden geniessen.
Die Fahrt führte von Olten über den Hauptbahnhof Zürich nach Rapperswil. Danach durchquerte der Zug das Oberland über Wetzikon und Effretikon. Damit war die Fahrt aber noch nicht vorbei. Erst steuerte der Lokführer von Winterthur aus nach Schaffhausen, bevor es über Bülach, Zürich HB, Wettingen und Baden zurück nach Olten ging. Dort ist auch der Trans-Europ-Express von SBB Historic – einer Stiftung, welche die Kultur- und Wirtschaftsgeschichte der Bahn in der Schweiz der Öffentlichkeit zugänglich macht – stationiert.
Ein Schweizer Wunderzug
Der historische Zug war einst das Aushängeschild der Schienenfahrzeugindustrie der Schweiz. So schrieb der Trans-Europ-Express in den 1960er Jahren Eisenbahngeschichte. Als erster Zug auf dem Kontinent konnte er unter allen vier Stromsystemen Europas verkehren, was einer technischen Sensation gleichkam.
«In seinem Einsatz als TEE Cisalpin von Milano über Lausanne und Dijon nach Paris gelangten alle Stromsysteme zur Anwendung», erklärt Jürg Streuli. Am populärsten seien jedoch der TEE Gottardo und der TEE Ticino zwischen Zürich und Mailand gewesen. «Dabei war das kulinarische Niveau im Speisewagen ein Klassiker.»
Zudem verfügte der TEE als einziger Zug über eine getrennte Damentoilette mit Schminkecke. Optisch überzeugte die Eisenbahn aber nicht nur mit ihrem Inneren. «Als noch kaum jemand den Ausdruck Design kannte, erhielt er das elegante Erscheinungsbild, welches noch heute begeistert», schreibt Streuli.
Nachdem die Züge aus der TEE-Serie fast 30 Jahre im Einsatz gestanden hatten, wurden sie zwischen 1995 und 2000 ausrangiert. Als einzige Komposition überlebte der «RAe TEE II 1053», der nun auch das Oberland durchquerte. Von aussen erstrahlt der restaurierte Luxuszug im unverfälschten Glanz der 1960er Jahre. Streuli ergänzt: «Einen Wermutstropfen bedeuten die leider entfernten originalen Sitze.»
