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Speeddating im Hochbord

Dübendorfer Vereine lockten, Hochhaus-Bewohner blieben reserviert

Beim Speeddating ins Vereinsleben eintauchen - nicht alle Hochbord-Bewohner liessen sich auf die Avancen der Dübendorfer Institutionen ein.

Dübendorfer Vereine und Institutionen stellten sich den Hochbord-Einwohnern vor.

Foto: Karin Sigg

Dübendorfer Vereine lockten, Hochhaus-Bewohner blieben reserviert

Speeddating im Hochbord

Etwa dreissig Institutionen stellten am Samstag im Boomquartier Hochbord ihre Angebote vor. Man sah zufriedene Gesichter. Doch viele Hochhaus-Bewohner schienen nicht in «Flirt-Laune».

Wenn man sich am Samstag den Dübendorfer Three-Point-Hochhäusern näherte, bot sich ein ungewohntes Bild. Während dieser Stadtteil am Wochenende eher verschlafen wirkt, herrschte kurz vor dem Mittag emsiges Treiben.

Bunt geschmückte Festtische säumten die Verbindungswege zwischen den Häusern. Hinter den Tischen standen Vertreter von ortsansässigen Vereinen und Institutionen, die versuchten, die Gunst der Besucher zu gewinnen.

Mit diesem Angebot soll den Bewohnern des etwas abgeschotteten Hochbord-Quartiers das restliche Dübendorf nähergebracht werden. «Speeddating» nennen die Verantwortlichen des Verschönerungsvereins Dübendorf (VVD) und die Gruppe Dübi vereint diesen erstmals durchgeführten Anlass.

Im weitesten Sinn ging es ja auch ums «Umgarnen» und um gegenseitiges Kennenlernen: «Ganz uneigennützig ist das Engagement und der Einsatz der Vereine nämlich nicht», gestand VVD-Präsidentin und Gemeinderätin Tanja Boesch (EVP) mit einem Lachen. «Für unsere Vereine ist das eine ideale Gelegenheit, potenzielle Mitglieder anzusprechen.»

Fortsetzung geplant

«Lassen Sie sich inspirieren», lud Stadtpräsident André Ingold (SVP) bei seiner kurzen Ansprache die Anwesenden ein. Die Vielfalt der Angebote sei gross, von etwa 260 Vereinen seien heute aber nur knapp 30 vertreten. «Wir haben noch viel mehr zu bieten.» Ingold ist sich sicher, dass dieser Anlass auch im nächsten Jahr zur Austragung gelangen werde. «Um auch andere Quartiere, etwa das Giessen- oder das Zwicky-Areal, zu integrieren.»

Grosse Werbefahnen flatterten um die Wette. Mit Flyern, Plakaten und Anschauungsmaterial versuchten sich die Standbetreiber gegenseitig zu übertrumpfen. Besonders grosse Aufmerksamkeit konnten jene Vereine gewinnen, deren Angebot Gross und Klein selbst ausprobieren konnte.

Die kleinen Pop-up-Tore des FC Glattal etwa waren sehr gefragt, und die Vertreter des FC vor Ort bestätigten, einige Anfragen für Junioren-Probetrainings erhalten zu haben. Auch Luis kickte begeistert mit Papa Corsin, während seine kleine Schwester Anouk das Treiben von Mama Michelles Armen aus verfolgte.

Die Familie lebt seit 2023 in der Überbauung Westhof. «Wir fühlen uns bisher nicht wirklich integriert ins restliche Dübendorf», sagte Michelle. Sie begrüsst diese Idee deshalb sehr. «Es sollte noch mehr solche quartierübergreifenden Anlässe geben, das wurde bisher etwas verpasst.»

Für sich selbst haben die Eltern an diesem Tag zwar kein Angebot gefunden. «Dafür haben wir erfahren, dass Kinder schon viel früher beim FC spielen können, als wir eigentlich angenommen haben», freute sich Corsin. Auch das Kinderkino am Mittwochnachmittag im Orion würden sie in Zukunft sicher besuchen. «Wir haben uns bisher eher an Zürich orientiert oder am Hochbord», so Corsin, «hier haben wir ja alles.»

Auch Aleandra war begeistert von diesem Anlass. Sie wohnt zwar schon seit zehn Jahren in diesem Quartier: «Ich habe heute aber viele tolle Angebote entdeckt», erzählte sie mit leuchtenden Augen. «Ich möchte in zwei Chören mitwirken und mich bei der Pro Senectute engagieren.» Sie fühlt sich wohl und gut integriert, «ich vermisse aber die weidenden Kühe, denen ich früher beim Spazieren mit meinem Hund auf dieser Wiese immer begegnet bin».

Alyona und ihre Tochter Anastasiya kommen aus der Ukraine und sind vor einem Jahr in eines der neuen Hochhäuser gezogen. «Wir sind froh, hier in Sicherheit zu sein», erzählte Alyona, «ich möchte etwas zurückgeben und auch anderen Menschen helfen.» Sie interessiere sich deshalb für ein Engagement bei der Feuerwehr. Tochter Anastasiya, die im Zwicky-Areal einen Tanzkurs besucht, liebäugelte indes mit der Musikschule. «Ich tanze und singe für mein Leben gern», sagte das Mädchen.

Positives Fazit der Vereine

Die Vertreter vor Ort äusserten sich durchs Band positiv über den Anlass. «Mit diesem Angebot vor Ort ist der Zugang für Interessierte viel niederschwelliger», sagte Hanspeter Schmid, Präsident des Leichtathletik-Clubs (LCD), stellvertretend für viele andere.

Die Vereine nutzten diesen Anlass auch für den vereinsübergreifenden Austausch. Die Zusammenarbeit «über den Tellerrand» war deutlich spür- und erlebbar, wie ein Beispiel zeigte: So teilten sich der Katholische Frauenverein und der Naturschutzverein einen Stand. Während der Frauenverein Kaffee und selbst gebackenes Brot anbot, steuerten die Naturschützer hausgemachte Konfis und Sirup bei. «Ich nutze immer gern Synergien», sagte Markus Tanner, Dübendorfer des Jahres 2022. «Geteiltes Leid ist halbes Leid.»

Rückmeldungen von vielen Standbetreibern zeigten aber auch, dass man sich etwas mehr Besucher gewünscht hätte. Vor allem von den etwa 1000 Three-Point-Bewohnern sei die Teilnahme eher gering gewesen. Scheint, als ob sie die Annäherungsversuche der Dübendorfer Vereine bisher eher kalt liessen.

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