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Diese Schwerzenbacherin verwandelt gelesene Zeitungen in Kunst

Durch Zufall stiess Corinne Frauchiger auf die Idee, dass Zeitungspapier viel mehr kann, als nur auf die Papiersammlung zu warten. Wir haben uns das mal angeschaut.

Mit ihrer Kunst haucht Corinne Frauchiger sogar Altpapier neues Leben ein – ihre Papiertürme sind witterungsbeständig.

Foto: Karin Sigg

Diese Schwerzenbacherin verwandelt gelesene Zeitungen in Kunst

Kunstwerke aus vermeintlichem Abfall

Manche nennen es «Upcycling»: Corinne Frauchiger erkennt die Schönheit von Rohstoffen, die herumliegen oder angespült werden, und lässt sie zu neuem Leben erblühen.

Wer sagt eigentlich, dass gelesene Zeitungen ins Altpapier gehören? «Mit meinem Zeitungsturm bündle ich die Informationen und gebe ihnen eine erfahrbare und fassbare Form», erklärt die Schwerzenbacherin Corinne Frauchiger.

Durch Zufall stiess die Mutter von zwei erwachsenen Kindern vor einigen Jahren auf die Idee, dass gestapeltes Zeitungspapier viel mehr kann, als nur auf die Altpapiersammlung zu warten. «Im Ustermer Wagerenhof wurden solche Stapel als Beeteinfassungen genutzt», erinnert sie sich an ihre Inspirationsquelle.

Ausgefeilte Technik

Um ihre Türme stabil und möglichst langlebig zu machen, hat die Künstlerin lange getüftelt und verschiedene Techniken ausprobiert. Als besonderen Glücksfall bezeichnet sie den Erwerb einer speziellen Papierbohrmaschine. «Ich habe sie bei einem Basler Bücherrestaurator gefunden und konnte sie günstig erstehen», freut sie sich noch heute, «sie erspart mir eine Menge Kraft, und ich kann sehr exakt mit ihr arbeiten.»

Heute kann sie ihre Zeitungstürme schier beliebig in die Höhe wachsen lassen und sogar im Freien platzieren. Dass dadurch Spuren der Verwitterung entstünden, sei durchaus erwünscht. «Sie verleihen den Kunstwerken zusätzlichen Charakter.»

Eine ganz eigenständige Persönlichkeit hat auch der «Turm der Tränen». Allerdings nicht durch zufällige äussere Einflüsse, sondern gezielt durch die Künstlerin selbst. «Ich habe dieses Werk als Antwort auf die Kriege in Israel und der Ukraine gestaltet», erzählt sie mit melancholischem Blick. So symbolisiert heruntertropfende rote Farbe das viele grausame Blutvergiessen in diesen Auseinandersetzungen.

Corinne Frauchiger lebt inmitten ihrer Kunst – bei einem Besuch in ihrer Wohnung in Schwerzenbach lassen sich in jeder Ecke Kunstwerke von ihr ausmachen. Umgekehrt macht sie ihre Kunst aber auch da, wo sie lebt. Eines ihrer Zimmer hat sie nämlich zum Atelier umfunktioniert.

Mittendrin thront eine kleine Werkbank aus Holz, die ihr Sohn ihr geschenkt hat. «Weil ich früher in unserer Familienwohnung im Wohnzimmer werken musste, hat er eine extra kleine Ausführung besorgt.» Die gelebte Kreativität der Mutter hat denn auch auf die Kinder abgefärbt: «Meine Tochter ist Grafikerin geworden und mein Sohn Koch.»

Mit einem Beitel fing alles an

In den Anfängen habe sie eher gebastelt. Mit den Jahren habe sich das Basteln in ein künstlerisches Gestalten weiterentwickelt. «Eines Tages ging ich in den Baumarkt und kaufte mir einen Beitel», erzählt Corinne Frauchiger. «Da entdeckte ich den Rohstoff Holz für mich.» Stundenlang und mit viel Liebe zum Detail schnitzt sie heute Skulpturen und Reliefs.

Auch aussergewöhnlich geformte Schwemmhölzer haben es der 51-Jährigen angetan. «Wenn wir in den Familienferien am Neuenburgersee gezeltet haben, war unser Auto auf der Heimreise immer bis oben hin mit Hölzern gefüllt», sagt sie und lächelt.

In einer Ecke ihres Ateliers stehen bereits einige «Rohlinge» bereit. Frauchiger arbeitet die gegebenen Formen aus und versieht sie mit Mosaik-Intarsien aus Seeglas – also Glasscherben, die in Gewässern ans Ufer geschwemmt werden.

Man sieht Corinne Frauchiger beim Auslegen eines Mosaiks.
Wenn Glasscherben zu Kostbarkeiten werden: Die Schwemmhölzer werden mit einem Mosaik «geschmückt».

Inzwischen verfügt die Künstlerin über ein kleines Netzwerk und wird häufig über gefällte Bäume informiert, an deren «Ausbeute» sie sich bedienen kann. «Viele sammeln auch fleissig Altpapier, wenn ich wieder einen Zeitungsturm plane.»

Von der Kunst zu leben, war nie eine Option

Der lauschige Sitzplatz vor Frauchigers Wohnung liegt inmitten von üppigem Grün und blühenden Töpfen. Dass sie gerne Bergbäuerin oder Gärtnerin geworden wäre, nimmt man ihr daher sofort ab. «Oder Krankenschwester», fügt sie an. Das wurde sie dann auch: erst Krankenschwester, später Pflegefachfrau.

Seit 2011 ist sie Leiterin der örtlichen Spitex. Eine Aufgabe, die sie sehr erfüllt: «Herauszuspüren, was jedem Klienten individuell hilft, dass es ihm besser geht», das sei für sie eine Herausforderung, die es ihr besonders angetan habe. «Und die kleinen Erfolgserlebnisse sehen, wenn plötzlich wieder etwas besser geht.»

Die kreative Schwerzenbacherin zeigte ihre Werke schon an verschiedenen Ausstellungen und fertigte ein Holzkreuz für den Karfreitagsgottesdienst, der im vergangenen Jahr im Fernsehen übertragen wurde. Für die Bibliothek Schwerzenbach gestaltete sie einen Bücherturm.

Und doch: Beruflich darauf zu setzen, sei für sie nie infrage gekommen. «Die Kunst ist und bleibt mein Hobby, bei dem ich mich nach der Arbeit entspannen kann.»

Ausstellung im reformierten Kirchgemeindezentrum Dübendorf

2023 gewann Corinne Frauchiger den Kunstwettbewerb, der anlässlich des 50-jährigen Bestehens der reformierten Kirche im Wil in Dübendorf ausgetragen wurde. Daraufhin entstand die Idee einer Ausstellung, die nun realisiert wird.

Vom 19. Mai bis zum 20. Juni stellt die Künstlerin ihre Papierskulpturen und Holzschnitzarbeiten im reformierten Kirchgemeindezentrum Dübendorf aus. Öffnungszeiten jeweils von 8.30 bis 11.30 Uhr.

Am Freitag, 16. Mai, um 17.30 Uhr wird die Ausstellung mit einer Vernissage eröffnet.

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