Florian Klisanin aus Uster will Dyskalkulie eine Stimme geben
Wegen des eigenen Schicksals
In der zehnten Klasse erfuhr Florian Klisanin von seiner Rechenschwäche. Warum es bis zur Diagnose so lange dauerte, wie es sich damit lebt – und warum der 20-Jährige anderen mit seiner Geschichte Hoffnung machen will.
«Weisst du, wie spät es ist?» – so trivial die Frage klingt, so schwierig ist sie für jemanden wie Florian Klisanin zu beantworten. Der junge Oberländer hat Dyskalkulie – landläufig bekannt als Rechenschwäche. Obwohl er damit alles andere als allein ist – Schätzungen zufolge ist pro Klasse ein Kind betroffen –, ist diese Art Lernstörung kaum bekannt.
Während andere nach einem kurzen Blick auf die Uhr in Sekundenschnelle antworten, hat er Mühe, diese zu lesen. Zeit ist für den 20-Jährigen etwas Abstraktes. Er musste lange üben, um sich verschiedene Zeigerkonstellationen wie Viertel nach, halb oder Punkt so zu verinnerlichen, dass sie ihm heute als bildliche Eselsbrücken dienen. «Wichtig war, dass ich die Uhrzeiger in den Griff bekomme», erzählt er.
Trotzdem kommt es immer noch vor, dass er sich vertut und das Zeitmanagement nicht ganz funktioniert. «Wenn ich von halb zwölf bis halb acht arbeite, realisiere ich nicht automatisch, dass das acht Stunden sind», erklärt er. Doch das ist nicht der einzige Lebensbereich, in dem ihm die Rechenschwäche reinfunkt: Die Finanzen haben es ebenfalls in sich. Weil «einfach schnell ausrechnen» nicht funktioniert, hat er sich auch hier Tricks angeeignet.

