«Viele Dyskalkulie-Patienten erzählen mir von ihren Selbstzweifeln»
Rechenstörung im Fokus
Dyskalkulie wird oft spät erkannt. Neurowissenschaftlerin Karin Kucian erzählt im Interview, warum frühe Diagnosen wichtig sind und wie fehlendes Wissen Betroffene belastet.
Frau Kucian, bei Florian Klisanin wurde die Dyskalkulie erst im zehnten Schuljahr diagnostiziert. Ist es normal, dass sie so lange unerkannt bleibt?
Karin Kucian: Das ist nicht normal, und das dürfte es auch nicht sein. Die häufigsten Diagnosen erfolgen ab der dritten Primarklasse. Vorher ist eher selten, obwohl es oft schon im Kindergarten Anzeichen gibt. Jugendliche wie Florian, die erst später auffallen, haben zum Teil sehr hohe kognitive Funktionen. Sie können viel kompensieren mit Auswendiglernen oder Ableiten und haben genügende Mathenoten. Irgendwann stossen aber auch sie an ihre Grenzen, und es geht nicht mehr.

