Friedhof-Skandal in Wetzikon – Bericht ortet Führungsschwächen
Untersuchungsbericht
Im Mai 2024 wurde in Wetzikon eine leere Urne beerdigt. Ohne Wissen der Trauerfamilie. Der Untersuchungsbericht liegt nun vor, ein personalrechtliches Verfahren folgt.
Es war nichts weniger als ein Skandal, der sich vor einem knappen Jahr auf dem Friedhof in Wetzikon ereignete. Rund eine halbe Stunde vor der Beerdigung von Erwin G. * hatte das Friedhofsteam festgestellt, dass die Urne mit der Asche des Verstorbenen fehlte.
Kurzerhand beschloss der Friedhofsleiter, eine leere Ersatzurne aufzutreiben und diese an der Trauerzeremonie zu begraben. Die Trauerfamilie wurde nicht eingeweiht.
Die Urne mit den sterblichen Überresten des Wetzikers blieb bis Ende August verschollen. Erst dann fand sie vom Krematorium in Rüti auf den Gottesacker in Wetzikon. Erwin G. soll mittlerweile seine letzte Ruhestätte gefunden haben – die Urne sei «im richtigen Grab beigesetzt» worden, schreibt der Stadtrat. Allerdings geschah auch dies ohne Wissen und Einwilligung der Angehörigen.
Diese Zeitung machte den ungeheuerlichen Vorgang im November publik. Die Stadt Wetzikon, die erst durch die Recherchen davon erfuhr, sprach in einer Stellungnahme von einem «bedauerlichen Einzelfall» und bat die Angehörigen um Entschuldigung. Das Vorgehen entspreche «in keiner Weise der Haltung der Stadt Wetzikon».
Empfehlungen im Untersuchungsbericht
Gleichzeitig wurde eine Administrativuntersuchung durch eine externe Stelle in Auftrag gegeben. Eine solche Untersuchung dient der Abklärung eines Sachverhalts, der im öffentlichen Interesse ein Einschreiten von Amtes wegen erfordert. Sie wird eingeleitet, wenn im Zuständigkeitsbereich einer Behörde erhebliche Mängel vorliegen, schwerwiegende Pflichtverletzungen begangen wurden oder ein entsprechender Verdacht besteht.
Nun liegt der Bericht des Wetziker Anwalts Cornel Borbély vor. Hauptpunkte sind Empfehlungen, wie die Organisation des Friedhofs verbessert werden soll. «Eine Stärkung der Führungskompetenzen der Leitungsfunktionen, eine Verbesserung der Prozesse und Kontrollmechanismen sowie eine Sensibilisierung der Mitarbeitenden», wie die Stadt in einer Medienmitteilung schreibt. Und: «In einem Fall wurde eine vertiefte Prüfung des Anstellungsverhältnisses empfohlen.» Es dürfte sich um die Person des Friedhofsleiters handeln.
Denn die Stadt teilt auch mit, dass es in den vergangenen Monaten «zu zahlreichen personellen Änderungen» im Team gekommen sei. Es sei «weitgehend neu». In einem Fall sei ein personalrechtliches Verfahren eingeleitet worden.
Die Frage nach der Quelle
Spannend ist ein Blick ins stadträtliche Protokoll zum Fall. Die Stellen über das personalrechtliche Verfahren sind aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes logischerweise geschwärzt.
Doch unter dem Zwischentitel «Ergebnis der Untersuchung» fällt ein Satz ins Auge: «Leider liess sich aufgrund der aufgefundenen Dokumentation und der Aussagen der Involvierten die journalistische Quelle nicht abschliessend eruieren.»
Mit anderen Worten: Es ging zwar vordergründig um Prozesse, Strukturen, Pflichten und Kontrollmechanismen auf dem Friedhof, die der Stadtrat verbessern will. Aber der Elefant im Raum war halt doch, wer die Information nach aussen getragen hatte …
Insgesamt kostete die Friedhof-Affäre neben einigem an Vertrauen in die Behörden auch noch Geld: 19’000 Franken, die der Stadtrat in eigener Kompetenz bewilligen kann.
* Name der Redaktion bekannt.