Brücke über das Aatal wird konkret – jetzt ist die Bevölkerung gefragt
Publikumstest für Millionenprojekt
Das Projekt für eine Hängebrücke zwischen Seegräben und dem Sack steht vor einem wichtigen Zwischenschritt: Die öffentliche Vernehmlassung zum Grossvorhaben ist gestartet worden.
Die Planer der Aschwanden & Partner AG sowie der Geoinfra Ingenieure AG finden in ihrem «technischen Bericht» deutliche Worte. Zwar gebe es vom Bahnhof Aathal hoch zum «Erholungs-Hotspot» am Pfäffikersee, also dem Dorf Seegräben samt Jucker Farm, eine Fusswegverbindung. Doch diese sei nicht nur steil. «Die aktuellen Wegverbindungen führen durch Waldgebiete, sind wenig intuitiv und kaum attraktiv gestaltet. In Richtung des Pfäffikersees muss die stark befahrene Zürichstrasse in einer alten Unterführung gequert werden.» Die bestehenden Fuss- und Velowege böten damit schlechte Voraussetzungen für die Erhöhung der Zahl der Fussgänger und Velofahrer.
Innerhalb der Gemeinde bilde das Aatal einen «Röstigraben». Gerade für die Primarschüler aus den Ortsteilen Sack und Aathal sei der Fussweg durchs Tal beschwerlich und durch die Führung entlang der Hauptstrasse «mit Sicherheitsdefiziten belastet», halten die Planer fest. Eine Brücke für Fussgänger und Velofahrer biete für all diese Probleme Abhilfe.
Möglichkeit für Einwendungen
Längst hat das vom Seegräbner Gemeinderat initiierte Projekt Aufnahme ins Agglomerationsprogramm des Bunds sowie in den regionalen Verkehrsrichtplan gefunden. Und nachdem die Seegräbner im Dezember 2023 an der Gemeindeversammlung klar einen Projektierungskredit von 220'000 Franken genehmigt haben, liegt das ausgearbeitete Vorhaben nun öffentlich auf.
Bis zum 23. Mai können sich nun nicht nur die betroffenen Grundeigentümer, sondern auch die ganze Bevölkerung zum ausgearbeiteten Vorprojekt äussern und Einwendungen einreichen. Der Gemeinderat wird diese beurteilen und allenfalls ins Vorhaben einfliessen lassen.
Keine Schutzobjekte beeinträchtigt
Es wird sich zeigen, ob die Anwohner die geplante Brücke auch so positiv beurteilen, wie dies die kantonalen Ämter und Fachstellen tun. Nach verschiedenen Projektanpassungen signalisieren jedenfalls alle ihre Zustimmung.
Gegenüber der ursprünglichen Fassung wurde die Brücke nicht nur leicht Richtung Uster verschoben. Auch der Liftturm beim Bahnhof Aathal wurde etwas von der Brücke selbst abgerückt und verschlankt. Mit der Verschiebung wurde vor allem erreicht, dass die in 40 Metern über Grund schwebende Fuss- und Radwegbrücke nicht mehr direkt über die geschützte Liegenschaft Zum Felsenkeller, ein Nebengebäude der einstigen Spinnerei Aathal, führt. Und eine nahe archäologische Zone wird gar nicht mehr tangiert.


Die beiden Kunsthistorikerinnen Claudia Fischer und Daniela Tracht halten in ihrem Gutachten denn auch fest: «Die im technischen Bericht vorgeschlagene, das Tal überspannende neue Hängebrücke-Variante überzeugt durch ihre konstruktive und gestalterisch filigrane, transparente und doch sehr stabile Bauweise sowie die sorgfältige, in die Landschaft eingebettete Verankerung in den beiden Talhängen.» Für die 625 Quadratmeter Wald, die für die Brücke und die Wege zu ihr gerodet werden müssen, wird in der Nähe für Realersatz gesorgt.
Mehrere Liftzugänge
Auch der Liftschacht, der als Stahlfachwerk in Anthrazit-Farbtönen gehalten ist, ordnet sich gemäss den Kunsthistorikerinnen gut ins Landschaftsbild ein. Fussgänger und Velofahrer werden unten von der SBB-Unterführung und vom heutigen Parkplatz aus in den Fahrstuhl einsteigen können. Allenfalls kommt im ersten Obergeschoss der geplanten Überbauung der Hiag ein weiterer Stopp hinzu. Die Grundbesitzerin will beim Bahnhof nach den jüngsten Plänen eine Wohnsiedlung realisieren.
Die 285 Meter lange Brücke wird an zwei Tragseilen hängen. Diese werden in den Talflanken durch rund 30 Meter hohe Pylone – A-förmige Träger – gestützt. Die komplett stützenfreie Hauptspannweite beträgt somit 210 Meter.


Die steife, rutschfeste Fahrbahn auf der Brücke wird drei Meter breit. Ein dichtes, aber transparentes, knapp drei Meter hohes Netz an den Seiten wird einen Absturz von der Brücke verhindern. Gleichzeitig soll es auch die Bahnlinie und die Strasse vor herunterfallenden Gegenständen schützen. Beleuchtet würde der Brückenweg wohl durch Lampen mit Bewegungssensoren. Vorgesehen ist eine Handlaufleuchte, die nur gerade die Fahrbahn erhellen würde.
Abstimmung nach hinten verschoben
Noch nicht genau berechnet sind die Gesamtkosten für die Brücke. Gemäss einer Kostenschätzung der Arbeitsgemeinschaft Aschwanden & Partner AG sowie Geoinfra Ingenieure AG wird mit 6,9 Millionen Franken gerechnet. Davon wird der Bund 2,1 Millionen Franken übernehmen, womit bei der Gemeinde Auslagen von 4,8 Millionen Franken anfielen. Damit liegen die Kosten noch immer auf Höhe der Schätzungen vor zwei Jahren.
Für eine weitere Viertelmillion könnten die Seegräbner nach Angaben der Planer auch noch die Zufahrtswege zur Brücke mit einem festen Belag und einer Beleuchtung versehen lassen und zudem an den Brückenenden Velounterstände erhalten.
Nach der Bereinigung des Auflageprojekts wird der Gemeinderat mit Blick auf die Urnenabstimmung eine Kreditvorlage ausarbeiten lassen. Diese wird dann eine Kostengenauigkeit von plus/minus zehn Prozent haben.
Im Unterschied zu den Kosten haben sich aber im Terminplan Verschiebungen ergeben. So wird die Urnenabstimmung nicht Ende dieses Jahrs stattfinden, sondern wohl erst am 12. April 2026. Stimmen die Seegräbner dem Brückenprojekt zu, würde der sicher spektakuläre Bau erst 2027 und 2028 innert neun Monaten erfolgen. Hiess es bei der Genehmigung des Projektierungskredits noch, dass 2027 die Brücke eingeweiht werden könnte, dürfte es nun erst ein Jahr später so weit sein. Gerechnet wird jetzt mit einem Fest im Juli 2028.
