Bezirk Hinwil

Bezirk Pfäffikon

Bezirk Uster

Tösstal

Themen

Specials

Services

ZO Portale

Abo

Gesellschaft

Auf dem Güntisberg in Wald sind die Sterne zum Greifen nah

Achtung, Geheimtipp: Ein Beobachtungsabend in der Sternwarte Wald lässt Sie als Besucher in unbekannte Galaxien eintauchen.

Der Güntisberg bietet ideale Bedingungen für Himmelsbeobachtungen.

Foto: Karin Sigg

Auf dem Güntisberg in Wald sind die Sterne zum Greifen nah

Beobachtungsabend in der Sternwarte

Nur etwas für Nerds? Mitnichten! Der Besuch eines öffentlichen Beobachtungsabends in der Sternwarte Güntisberg in Wald zeigt, warum die Begeisterung für das Weltall alle anstecken kann.

In der Sternwarte auf dem Güntisberg oberhalb von Wald werden von März bis Oktober öffentliche Beobachtungsabende durchgeführt. Die Astronomische Gesellschaft Zürcher Oberland (AGZO) will damit die Astronomie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen.

Die Astronomische Gesellschaft Zürcher Oberland (AGZO) wurde am 7. März 1966 ins Leben gerufen.

1992 fand der heutige Präsident, Michael Kohl, mit einem Kuhstall auf dem Güntisberg den perfekten Ort für eine Sternwarte, weil es kein störendes Kunstlicht hatte.

Mit ihrer Arbeit sammeln die Hobby-Astronomen wichtige Daten und konnten unter anderem die Nasa mit Informationen bei der Vorbereitung zur ersten Mondlandung unterstützen. (ks)

Es brauchte drei Anläufe, bis Anfang April der erste Beobachtungsabend dieser Saison durchgeführt werden konnte. Entweder regnete es, der Himmel war wolkenverhangen, oder Saharanebel beeinflusste die Sicht.

Das Abenteuer «Weltall» beginnt

Am zweiten Freitag im April ist es dann endlich so weit. «Einheimische» kennen ihre Sternwarte vermutlich. Wer von extern auf den Güntisberg fährt, sucht allerdings vergeblich nach einem auffälligen Gebäude oder einer grossen Tafel. Doch im kleinen Weiler scheint man daran gewöhnt zu sein, dass sich Passanten in der Abenddämmerung nach dem Weg zur Sternwarte erkundigen. Entsprechend bereitwillig erhält man eine Wegbeschreibung.

Die letzten 200 Meter müssen zu Fuss zurückgelegt werden. Einige Wegweiser und kleine Laternen weisen glücklicherweise den Weg. Auf dem Hügel, zu dem der letzte Wegweiser zeigt, ist ein futuristisch anmutendes, weisses Teleskop zu erkennen. Daneben steht eine Scheune. Rund um diese sind weitere mobile Teleskope aufgebaut.

Geschäftig hantieren etwa fünf Männer an den Gerätschaften herum. An einem kleinen Tisch sitzt Stefan Zbinden vor seinem Laptop. Auf dem Bildschirm ist eine Ansammlung von Sternen zu erkennen, die in Nebelschwaden gehüllt scheinen. «Ist das M 51?», fragt einer seiner Kollegen. Sie beginnen zu fachsimpeln, doch als Laie versteht man nur Bahnhof.

Zbinden ist seit 2018 Mitglied bei der AGZO. Sein Laptop ist an das beeindruckende Teleskop angeschlossen, das der Verein vor drei Jahren auf dem Hügel installiert hat.

Über mehrere Stunden können so mit modernsten Technologien Tausende von Aufnahmen aus dem Weltraum gemacht werden. Dazu zählen nicht nur atemberaubende Nahaufnahmen von Planeten und Himmelskörpern aus unserer Milchstrasse. Auch von anderen Galaxien, etwa der Andromedagalaxie, zaubern die Hobby-Astronomen Fotos mit unglaublichem Detailreichtum. Die sogenannte Astro-Fotografie ist das Spezialgebiet der AGZO.

«Mir hat es die wahnsinnige Schönheit dieser Deep-Space-Objekte angetan», beschreibt der pensionierte IT-Spezialist aus Stäfa seine Leidenschaft für dieses nicht alltägliche Hobby. «Die Herausforderung, diese weit entfernten Objekte mit meinem Equipment aufzunehmen, ist eine höchst befriedigende Freizeitbeschäftigung.»

Zbinden räumt ein, dass es für gelungene Bilder eine grosse Frustresistenz braucht: «Man beginnt immer wieder von vorn», was für das eine Bild gut sei, sei für ein anderes eben nicht optimal. «Es braucht Beharrlichkeit, Ausdauer, Erfahrung und die Bereitschaft, immer wieder Neues zu lernen und auszuprobieren.»

Damit spricht er auch die Herausforderungen mit den äusseren Bedingungen an: «Man ist dem Wetter ausgesetzt – in unseren Breitengraden gibt es leider nur wenige hervorragende Nächte im Jahr.»

Auch Wetterphänomene wie Wind und Luftturbulenzen würden die Auflösung der Teleskope einschränken. Der Mond könne mit seiner Helligkeit stören, ebenso die Feuchtigkeit in der Atmosphäre. «Nicht zuletzt sorgen das Fremdlicht unserer Städte, zum Beispiel Strassenbeleuchtungen, sowie die Satelliten mit ihren teils kräftigen Spuren oft für Frust», so Zbinden.

Besuch auf dem Mond

Fünf weitere Vereinsmitglieder sind indes ebenfalls in Beobachtungen vertieft. «Willst du auch mal reinschauen?», lautet die spontane Einladung von Fabian Lang aus Gossau. Der Blick durch das Sucherfernrohr seines Teleskops ist tatsächlich atemberaubend. Der Mond scheint in greifbarer Nähe, jeder einzelne Krater wird bis ins kleinste Detail sichtbar.

Man sieht ein grosses Teleskop.
Mit einem Teleskop dieser Grösse sieht man jeden Krater auf dem Mond.

Der Gossauer ist seit drei Jahren Mitglied in der Gesellschaft. «Ich habe schon als Kind mit dem Feldstecher in den Himmel geschaut», beschreibt er seine langjährige Begeisterung. «Die Tiefe und die Schönheit der Nacht faszinieren mich.» Er gibt sein Wissen besonders gerne an seine und auch an andere Kinder weiter.

Das grosse Know-how und die Begeisterung für den Weltraum zu teilen, scheint überhaupt für alle an diesem Abend anwesenden Vereinsmitglieder ein zentraler Punkt zu sein. Sie entsprechen nicht dem gängigen Vorurteil vom Nerd, der einsam in seinem Kämmerlein forscht.

Im Gegenteil: «Der regelmässige Austausch ist für uns sehr wichtig», erzählt Erwin Kapp aus Rüti. Die Spezialgebiete der Vereinsmitglieder seien so individuell wie die Charaktere selbst. Dadurch würden sie sich ideal ergänzen. «Ich bin schon ewig dabei», sagt er mit einem Augenzwinkern und meint damit über 50 Jahre. Die Unendlichkeit des Weltraums lasse ihn auch nach all den Jahren nicht los. «Es ist so vieles noch unerforscht.»

Kapp und seine Kollegen geben an diesem Beobachtungsabend ausgesprochen detailliert über alle möglichen astronomischen Themen Auskunft und stecken mit ihrer Begeisterung auch Laien an. Zugegeben, von denen sind an diesem Abend bis auf eine Schar Schulkinder mit ihren Eltern kaum welche vor Ort. «Es gibt Abende, da haben wir 40 Besucher», sagt Kapp, «oder wie heute nur wenige.»

Man sieht eine Schar Kinder auf und vor einem Baum.
«Wir finden es mega cool hier», sind sich diese Kinder einig – und sind froh darüber, haben ihre Eltern diesen Ausflug vorgeschlagen.

Jedes der aufgestellten Teleskope offenbart neue Einblicke in eine faszinierende Welt. Kostenlos dazu bekommt man allerlei Hintergrundinfos, wie die Geräte funktionieren. So wird man von Reto Pauli in die Geheimnisse des «Herzstücks» eingeweiht, des eingangs erwähnten, fest installierten Teleskops.

Seine Begeisterung und seine Motivation sind spürbar, der Experte für Windkraft scheint auch bei diesem Gerät in seinem Element zu sein. Für ihn ist die Kombination aus Fotografie und Astronomie der besondere Reiz an diesem Hobby. «Entsprechend viele Nächte bin ich mit Beobachten und Fotografieren beschäftigt», erzählt er lachend.

Man sieht ein grosses Teleskop.
Das vereinseigene Teleskop wurde vor drei Jahren aufgebaut.

Neben den öffentlichen Beobachtungsabenden veranstaltet die heute 27 Mitglieder zählende Gesellschaft auch immer wieder Führungen mit Schulen, Vereinen, Firmen und Gruppen. Wie fast jeder Verein ist auch die AGZO immer auf der Suche nach neuen Mitgliedern. «Man muss weder ein Crack sein noch über eine eigene Ausrüstung verfügen», lockt Erwin Kapp mögliche Interessenten. «Beides kann man sich bei uns aneignen.»

Weitere (geplante) Beobachtungsabende

Am Freitag, 25. April, sowie am Freitag, 2. Mai, sind die nächsten öffentlichen Beobachtungsabende geplant. Jeweils ab 21 Uhr, eine vorgängige Anmeldung ist nicht notwendig. Auf der Website wird am Veranstaltungstag um 14 Uhr bekannt gegeben, ob der Anlass durchgeführt werden kann.

Abo

Möchten Sie weiterlesen?

Liebe Leserin, lieber Leser

Nichts ist gratis im Leben, auch nicht Qualitätsjournalismus aus der Region. Wir liefern Ihnen Tag für Tag relevante Informationen aus Ihrer Region, wir wollen Ihnen die vielen Facetten des Alltagslebens zeigen und wir versuchen, Zusammenhänge und gesellschaftliche Probleme zu beleuchten. Sie können unsere Arbeit unterstützen mit einem Kauf unserer Abos. Vielen Dank!

Ihr Michael Kaspar, Chefredaktor

Sie sind bereits Abonnent? Dann melden Sie sich hier an

Digital-Abo

Mit dem Digital-Abo profitieren Sie von vielen Vorteilen und können die Inhalte auf zueriost.ch uneingeschränkt nutzen.

Sind Sie bereits angemeldet und sehen trotzdem nicht den gesamten Artikel?

Dann lösen Sie hier ein aktuelles Abo.

Fehler gefunden?

Jetzt melden.

Kontakt

Inserieren

Abo

Services

Über uns