Sportvereine sind frustriert – Im Oberland fehlen die Turnhallen
Wie schlimm ist der Mangel?
Wegen Sanierungsarbeiten müssen die Wetziker Vereine ein Jahr lang auf die Turnhallen des Schulhauses Walenbach verzichten. Ein Engpass, der eine bereits prekäre Situation noch verschlimmert.
Die Schülerinnen und Schüler des Wetziker Schulhauses Walenbach dürfen sich bald über mehr Platz freuen. Das Stimmvolk hat im letzten Sommer dem Baukredit von fast 50 Millionen Franken für die Gesamtsanierung und Erweiterung der Schulanlage zugestimmt, die Arbeiten haben im Herbst bereits begonnen. Doch die Freude bei den Wetziker Sportvereinen, welche aktuell die dortigen Turnhallen für ihre Trainings nutzen, hält sich in Grenzen.
Denn während der Sanierungsphase bleiben die Einzelhalle und die Doppelturnhalle im Walenbach für ein Jahr geschlossen. «Mit den Vereinen wurden frühzeitig Gespräche für alternative Räumlichkeiten durchgeführt, und es werden gemeinsam individuelle Lösungen definiert», hiess es in den Abstimmungsunterlagen zum Baukredit.
Dass man davon weit entfernt ist, wird im Gespräch mit dem Unihockeyclub Wetzikon schnell klar. «Man hat es versäumt, wirklich brauchbare Lösungen zu prüfen», kritisiert Tom Hug, Co-Präsident des UHC. Zwar habe die Stadt vor einem Jahr die betroffenen Vereine zu einem Gespräch eingeladen. «Aber da wurden wir schlichtweg über die Pläne der Stadt informiert, das war eine reine Alibiübung.»


Dass die Stadt Wetzikon keine grossen Hallen aus dem Hut zaubern kann, wissen auch die Verantwortlichen des UHC. «Aber dass keine temporäre Halle, die von allen Vereinen hätte genutzt werden können, in Betracht gezogen wurde, verstehe ich nicht.» Dabei sei schon lange klar, dass mit den Bauarbeiten der Engpass im Hallenangebot der Stadt noch prekärer werde.
Die Argumente der Stadt Wetzikon gegen eine solche Lösung seien vor allem finanzieller Natur gewesen, unter anderem wegen der anfallenden Heizkosten im Winter. «Aber wer Sport treibt, hat sowieso genug warm.»
Auch Platz für Material ist knapp
Der UHC mit seinen rund 250 Mitgliedern nutzt zwar diverse Hallen in Wetzikon, in der Halle im Walenbach wird aber am meisten trainiert. «Und wir haben dort unser grosses Materiallager», sagt Hug. Der Verein ist darauf angewiesen, die für die Spiele benötigten Banden und Goals irgendwo unterbringen zu können. «Nun müssen wir auch dafür einen neuen Ort finden – und wissen nicht einmal, ob es in der neuen Halle wieder Platz dafür haben wird.»
Tatsächlich zeigen die in den Abstimmungsunterlagen abgedruckten Pläne zwar Geräteräume, diese sind jedoch nicht als Einstellungsmöglichkeiten für Vereine deklariert. «Die Einstellmöglichkeiten werden künftig eingeschränkt sein», bestätigt Sandra Elliscasis (FDP), Stadträtin Finanzen und Immobilien. «Vorrangig müssen die Räume den Bedürfnissen der Schulen entsprechen.»
Restflächen, die nach der Raumzuweisung für die Schule zur Verfügung stünden, würden, wo immer möglich, den Vereinen für deren Aktivitäten angeboten. «Die genaue Planung dieser Flächen erfolgt in der zweiten Bauetappe, die noch bevorsteht.»
Weiträumige Suche nach Hallen
Für die Zeit der Sanierung musste für den UHC so oder so ein neuer Geräteraum her. «Zum Glück haben wir bereits etwas Passendes gefunden», sagt Hug. Anders sieht es aus bei alternativen Hallen für die Trainings während der Bauzeit.
In allen umliegenden Gemeinden und noch weiter bis Mönchaltorf und Egg hat der UHC-Vorstand Kontakt mit den Hallenverantwortlichen aufgenommen, um zusätzliche Plätze zu finden. «Wir erhielten zwar Angebote, aber entweder waren die Hallen zu klein oder die verfügbaren Zeitfenster zu spät am Abend», sagt Hug. «Um 21 oder gar 22 Uhr kann man mit kleinen Kindern kein Training mehr beginnen.»
Fündig wurde man schliesslich doch noch auf Stadtgebiet, etwa bei der Kantonsschule Zürcher Oberland oder der Rudolf-Steiner-Schule. «Die Stadt zahlt uns sogar etwas an die damit entstehenden Zusatzkosten», räumt er ein. «Aber diese Ausweichmöglichkeiten reichen bei Weitem nicht, um das Defizit aufzufangen.»
Aufgrund der Hallensituation sei es zudem unklar, ob in naher Zukunft überhaupt neue Junior-Mannschaften gegründet werden könnten. «Dabei haben wir pro Jahr rund 40 Kinder, die in den Verein eintreten möchten.»
Alternative an der Schellerstrasse
Auch im Stadtrat ist man sich der Situation bewusst: «Das Bauprojekt ‹Walenbach› und die damit verbundene temporäre Schliessung der Turnhallen stellen die Vereine vor eine grosse Herausforderung», sagt Sandra Elliscasis. «Deshalb haben wir gemeinsam nach Lösungen gesucht, um den Trainings- und Spielbetrieb bestmöglich aufrechtzuerhalten.»
Dabei wurde die Nutzung der bestehenden Hallen in allen Turnhallen der Stadt Wetzikon überprüft und durch den Abtausch der Hallen zwischen den Vereinen versucht, den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden. «Ein Ergebnis dieser Bemühungen ist unter anderem die dauerhafte Anmietung der kantonalen Turnhalle an der Schellerstrasse, mit der einem Teil des Hallendefizits entgegengewirkt werden kann und die den Vereinen unentgeltlich zur Verfügung gestellt wird.»
Und auch der UHC habe profitiert, hält Elliscasis fest: «Dank der Zusammenarbeit verschiedener Vereine war es möglich, Hallenzeiten so anzupassen, dass der UHC in einer Doppel- oder Dreifachturnhalle trainieren kann.»
Bauland ist Mangelware
Der chronische Platzmangel in den Turnhallen ist aber nicht nur ein Wetziker Problem. In Pfäffikon ist der Unihockeyclub ZO Pumas seit Längerem auf der Suche nach mehr Hallenzeiten. Der Club vereint rund 500 aktive Mitglieder aus den Gemeinden Pfäffikon, Hittnau, Fehraltorf, Russikon und Illnau-Effretikon.
Er hätte eine Lösung bereit: eine komplett neue Sporthalle. Zwar müssten auch noch zahlreiche Sponsoren für die Finanzierung gefunden werden. Die Erstellungskosten werden auf rund fünf Millionen Franken geschätzt. «Aber das Land ist für uns das grössere Problem», sagte Regula Portmann, Leiterin der Geschäftsstelle der ZO Pumas, bereits vor zwei Jahren.



So läuft die Suche nach den rund 5000 Quadratmetern, die für Halle plus Parkplätze nötig wären, nun schon viel länger als erhofft. «Es haben diverse Gespräche mit verschiedenen Gemeinden stattgefunden», sagt Portmann heute. Geeignetes Bauland zu finden, sei nach wie vor schwierig, da generell wenig freies Land verfügbar sei. «Daher konnten wir unser Projekt ‹Home of Pumas› noch nicht realisieren.»
Kompromiss in Pfäffikon
Vor einem Jahr reichte Bruno Mächler zusammen mit 61 Mitunterzeichnenden die Einzelinitiative IG Sport «kostenfreie Nutzung von Sporthallen und Objekten für Pfäffiker Vereine sowie zur Verfügbarmachung der Anlagen während der Schulferien» ein. Gefordert wurde eine kostenfreie Nutzung der Schulliegenschaften für in Pfäffikon ansässige Vereine, also aller Turn- und Sportanlagen, Singsäle, Aulas und vergleichbaren Räumlichkeiten. Die Initiative verlangte zudem, dass die Räume neu während der Schulferien durchgehend für die Vereine verfügbar sind.
Nun haben die Initianten und der Gemeinderat eine Einigung erzielt, worauf die Initiative zurückgezogen wurde. Nebst sämtlichen Turn- und Sporthallen sowie dem Lehrschwimmbecken Steinacker können die Dorfvereine ab dem Schuljahr 2025/2026 zusätzlich die Singsäle während der Schulferien für maximal acht Wochen pro Jahr mieten. Neu soll die Benützung auch für die Vereine mit Erwachsenen während der Schulzeit gratis sein. Während der Schulferien wird den Dorfvereinen ein Rabatt von 90 Prozent auf die effektiven Kosten gewährt.
Dass Lösungen tatsächlich möglich sein können, zeigt das Beispiel in Egg. Nachdem die Bevölkerung 2018 der Erweiterung der Schulanlage Bützi und damit dem Bau einer neuen Dreifachturnhalle eine Abfuhr erteilt hatte, nahmen die Vereine die Sache selbst in die Hand. Denn auch ihnen gingen die Trainingsmöglichkeiten in Hallen aus.
Im Dezember 2020 schlossen sich die fünf grossen Vereine in Egg – Turnen, Unihockey, Tennis, Fussball und Rugby – mit der IG Sport Egg zusammen und gründeten den Trägerverein Trainingshalle Schürwies. Die Projektierungs- und Planungsarbeiten für die neue Halle erfolgten ehrenamtlich von Mitgliedern der Sportvereine, die Gemeindeversammlung sprach dem Trägerverein 2022 das Baurecht sowie ein zinsloses Darlehen von einer Million Franken zu.



Durch Gönner, Supporter und Sponsoren, ein Crowdfunding sowie einen Beitrag des Zürcher Kantonalverbands für Sport konnte das Projekt mit Investitionskosten von rund 2,1 Millionen Franken realisiert werden. Zudem leisteten unzählige Freiwillige rund 3000 Arbeitsstunden auf der Baustelle. Im Frühling 2023 konnte die neue Doppelsporthalle eröffnet werden.
IG Sport Wetzikon in Planung?
Die Hoffnung auf eine wirkliche Verbesserung der Lage hat Tom Hug vom UHC Wetzikon mittlerweile aufgegeben. Noch gibt es in Wetzikon keine Vereinigung wie etwa die IG Sport in Egg. «Aber vielleicht ist es langsam an der Zeit, diesen Weg anzutreten und auch politisch Druck auszuüben.»
Das Unihockeycamp in den Herbstferien kann der UHC dennoch durchführen. «Dieses stand zuerst aufgrund der unsicheren Situation auf der Kippe.» Doch der Start der Bauarbeiten an der Turnhalle verzögert sich aufgrund des Rückbaus des Pavillons und macht das Camp, das jeweils rund 50 Kinder besuchen, doch möglich.
Ausstehend bleibt aber die Garantie, dass der UHC auch nach der Sanierung in der Halle trainieren kann. «Nach der Sanierung wird die neue Zuteilung der Hallen unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Bedürfnisse der Wetziker Vereine überprüft», sagt Sandra Elliscasis.
Für Tom Hug eine mehr als unbefriedigende Situation: «Wir fühlen uns im Stich gelassen.»