Wie geht es mit dem «Rosinli» weiter?
Stillstand auf dem Ausflugsberg
Das «Rosinli» ist geschlossen, der Wirt in Geldnot. Weshalb die Rettung des Berggasthofs mittels Spendenaktion nur stockend voranschreitet.
Wellen des kollektiven Bedauerns wogten Mitte März durchs Oberland, als bekannt wurde, dass das «Rosinli» per sofort geschlossen ist. Es war ein abruptes Ende für die beliebte Ausflugsbeiz auf dem gleichnamigen Berg oberhalb von Adetswil. Ein Zettel an der zugesperrten Restauranttür weist seither darauf hin, dass gegen den Pächter ein Konkursverfahren läuft.
Eigentlich lockt das wärmere Frühlingswetter jetzt wieder viele Ausflügler aufs Rosinli. Doch bei der Bergbeiz herrscht Tristesse. Das Restaurant an dieser einzigartigen Lage mit der spektakulären Aussicht über die halbe Region vermissen sowohl Wanderer als auch Velofahrer. Viele fragen sich darum, wie es mit dem Berggasthaus Rosinli jetzt weitergehen soll.
Antworten auf diese Frage gibt es bisher nur spärlich. Nachdem sowohl der Pächter als auch die Besitzerin der Liegenschaft zuerst geschwiegen hatten und nicht für die Medien erreichbar gewesen waren, machte der Pächter schliesslich klar: «Ich möchte bald wieder öffnen.» Nur wie soll das geschehen?
Grosses Spendenziel
Helfen soll ein Crowdfunding, das nun schon seit etwa zwei Wochen läuft. Damit sollen gemäss Pächter bei einer Wiedereröffnung die Fixkosten gedeckt werden, bis sich der Betrieb stabilisiert hat. Die Zielgrösse: 50'000 Franken. Bisher kamen durch über 50 verschiedene Spender erst gut 6100 Franken zusammen.
Dieser Betrag dürfte einerseits kaum ausreichen, um das Bergrestaurant zu retten. Andererseits zeigt sich, dass sich die Bedauernsbekundungen offenbar nicht so einfach in eine finanzielle Unterstützung ummünzen lassen. Woran liegt also die Zurückhaltung der «Rosinli»-Fans? Sie dürfte verschiedene Gründe haben.
Probleme in der Gastronomie
Da ist einmal die strukturell herausfordernde Situation in der Gastronomie. Das schwierige marktwirtschaftliche Umfeld, steigende Kosten oder der Fachkräftemangel, die beim aktuell grassierenden Beizensterben mitwirken, dürften auch künftig nicht einfach so verschwinden.
So machte der «Rosinli»-Pächter einen schlechten Sommer und Winter für die Pleite verantwortlich. Auslöser dafür seien die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine, steigende Energiekosten sowie schlechtes Wetter gewesen.
Und dann ist da die unklare finanzielle Situation des Pächters, gegen den ein Konkursverfahren läuft. Wie hoch die Schulden sind, ist offen. Wofür das mit dem Crowdfunding gesammelte Geld genau benötigt wird, ebenso. Um weiterzumachen, sei das «Rosinli»-Team auf Unterstützung angewiesen, heisst es lediglich auf der Spendenplattform. «Wir sind für jede Hilfe sehr dankbar.» Obwohl der Pächter vor zwei Wochen noch von einer Deckung der Fixkosten gesprochen hatte, bleibt der exakte Spendenzweck also offen.
Wohin fliessen die Spenden?
Hinzu kommt der vage Ablauf der Spendenaktion. Oftmals besteht bei einem Crowdfunding für die Spender eine gewisse Absicherung. Das Geld wird nur ausbezahlt, wenn der Zielbetrag erreicht wird. Andernfalls verfallen die Geldversprechen.
Die Plattform Gofundme.com, auf welcher der Spendenaufruf für das «Rosinli» läuft, kennt diese Richtlinie allerdings nicht. Es werden alle Beiträge ausbezahlt, unabhängig davon, ob das Spendenziel erreicht wird. Der Organisator des Spendenaufrufs kann das Geld sogar jederzeit auch vorzeitig beziehen.
Wohin fliesst das Geld aber in einem solchen Fall? Das lässt sich nicht abschliessend sagen. Sicher ist, dass hinter dem «Rosinli»-Betrieb ein Einzelunternehmen stand. Der Pächter, gegen den derzeit ein Konkursverfahren läuft, haftet also auch mit seinem Privatvermögen für mögliche Forderungen von Gläubigern. Es steht die Frage im Raum, ob das gespendete Geld nicht gleich weiter in die Konkursmasse fliesst.
Zum konkreten Fall äussert sich das zuständige Konkursamt in Pfäffikon nicht, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt. Stattdessen verweist das Amt auf das geltende Recht. Gemäss dem Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs fliesst sämtliches Vermögen – unabhängig davon, wo es sich befindet – in die Konkursmasse.
Laut den Richtlinien der Spendenplattform finden Überweisungen täglich nach Verfügbarkeit der Spenden statt – sofern der Organisator keinen anderen Rhythmus gewählt hat. Allerdings besteht die Möglichkeit, ein Geschäftskonto oder ein Konto einer anderen Person zu hinterlegen.
Happige Vorgeschichte
Nicht zuletzt dürfte aber auch ein kürzlich von «20 Minuten» publizierter Artikel über die Vergangenheit des Pächters eine Rolle bei der Zurückhaltung der Spender spielen. Die Vorwürfe machten im Jahr 2017 Schlagzeilen: Er soll vor dem Gurtenfestival nicht vorhandene Tickets verkauft haben.
Der Pächter des Berggasthauses wollte trotz wiederholten Anfragen und verstrichener Frist weder zum Verlauf der Spendenaktion noch zu den Vorwürfen aus der Vergangenheit Stellung beziehen. Auch die Besitzerin der Liegenschaft reagierte nicht auf eine Anfrage.
