Diese Puppenspielerin ist das neue Gesicht hinter dem Kufki in Uster
Projekt «Kinderkultur» geht weiter
Jacqueline Surer übernimmt das ehemalige Kufki in Uster. Wer die quirlige Zürcherin schon mal als Puppenspielerin erlebt hat, weiss, warum das Projekt bei ihr gut aufgehoben ist.
«Kultur für junges Publikum ist meine grosse Liebe», schwärmt Jacqueline Surer. Während sie das sagt, hellt ein Strahlen ihr Gesicht auf. Die 52-Jährige ist Theaterfrau durch und durch – und das neue Gesicht hinter dem Projekt «Kinderkultur» in Uster. Das bisherige Kufki (Kultur für Kinder) soll im Herbst mit einem neuen Namen und an einem neuen Ort durchstarten.
Doch fangen wir von vorne an: Für viele ist das Kufki untrennbar mit René Krebs verbunden. Er hat das Projekt vor 30 Jahren ins Leben gerufen und als «Einzelkämpfer» geführt. Mit 83 Jahren wurde er müde und verabschiedete sich im Mai 2024 mit einem lachenden und einem weinenden Auge von seinem «Baby».
Krebs versuchte, eine Nachfolge zu finden, damit sein Herzensprojekt nicht verloren ging. Auch Jacqueline Surer, die er von Auftritten mit ihrem Figurentheater im Kufki kennt, hat er angefragt. Sie erkannte sofort, dass dieses regionale Projekt ein Riesenpotenzial hat. «Es ist wichtig, dass Familien kulturelle Anlässe in der nahen Umgebung besuchen können», erzählt sie. Für sie durfte das Projekt auf keinen Fall sterben.
Die Stadt Uster schrieb die vakante Stelle öffentlich aus. Surer bewarb sich – mit ihrem Konzept konnte sie die Jury überzeugen und die Konkurrenz hinter sich lassen. «Ich freue mich sehr auf diese neue Herausforderung», sagt sie.
Kultur gemeinsam erleben
«Neben der Regionalität darf der soziale Stellenwert eines Kindertheaters nicht unterschätzt werden», weiss die Mutter von zwei Söhnen im Teenageralter. Zusätzlich zu einer abwechslungsreichen Palette an kulturellen Anlässen ist es Jacqueline Surer deshalb wichtig, zugleich einen gesellschaftlichen Mehrwert zu schaffen.
So soll das Theater auch mal in Institutionen für Menschen mit Beeinträchtigungen gebracht werden oder in Altersheime. Für Familien mit Migrationshintergrund und für kleine Kinder plant sie Stücke mit weniger gesprochenen Dialogen. «Von dieser gesellschaftlichen Durchmischung profitieren schliesslich alle», ist sie überzeugt.
Mit dem Theaterbesuch will sie auch Begegnungsmöglichkeiten schaffen: «Eltern können sich in entspannter Atmosphäre austauschen, während die Kinder miteinander spielen.» Surer schwebt vor, Freiwillige einzubeziehen, die beim Auf- und Abbau oder bei einer «Kuchen- und Sirupbar» helfen könnten.
Neue Location …
Für etwas mehr Theateratmosphäre wird das Kufki zügeln. Raus aus dem Schulhaus Pünt, rein ins nahe gelegene Kulturhaus Central, das ebenfalls in Uster ist. «Für mich gehört ein Theater in ein Theater», so Jacqueline Surer, «nicht in eine Turnhalle.» Der Auf- und Abbau sei einfacher, die Bespielbarkeit, die Akustik und die Atmosphäre seien besser.
Zwar könne es im Foyer des Centrals je nach Besucheranzahl etwas eng werden. «Mit dem Umzug aufs Zeughausareal in naher Zukunft wird dieses Problem dann sicher gelöst sein.»
… und neuer Name
Surer bewundert das jahrelange und unermüdliche Engagement von René Krebs für sein Lebenswerk. «Das Kufki war sein ‹Kind› und mit ihm persönlich verbunden.» Als Zeichen für ein neues Kapitel soll das Kinderkultur-Projekt deshalb einen neuen Namen erhalten. «Die Ideen dazu sind noch in der Vernehmlassung», sagt die Leiterin mit einem Augenzwinkern, «ich kann deshalb noch nichts verraten.»
Mit ihrer «Amtseinführung» Anfang 2025 begann die Stadtzürcherin, Uster kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen. So hat sie bereits ein Netzwerk aufgebaut. Für die Trägerschaft konnte das Familienzentrum Uster gewonnen werden. «Die Kinderkultur bleibt zwar eigenständig, steht mit einem Verein im Hintergrund jedoch auf einem soliden Fundament», ist sie überzeugt. Das war auch die Bedingung der Stadt Uster an die neue Projektleitung.
Die Zusammenarbeit mit der Kulturkommission bezeichnet die Theaterfrau als positiv. «Es ist lobenswert, dass die Stadt Uster sich so stark für kulturelle Projekte für Familien engagiert», freut sie sich.

Der Kick-off der Kinderkultur-Reihe ist gemäss Surer am Stadtfest vom 5. bis 7. September geplant. «Wir werden ein Programm in der Villa am Aabach zeigen», verrät sie. Bevor dann am 30. November die Veranstaltungsreihe im Central losgeht. «Immer am letzten Sonntag im Monat, jeweils um 11 Uhr.»
Später möchte sie dann auch diversifizieren. «Schön wäre es, wenn wir mal draussen oder wie erwähnt in anderen Institutionen spielen könnten», philosophiert sie.
Auf die Bühne bringen wird sie weiterhin Figurentheaterstücke, Musik, ausserdem Autorenlesungen, ein Theaterstück für die ganz Kleinen ab drei Jahren und auch ein spezielles Weihnachtsstück.
Später sollen weitere Formate, zum Beispiel Tanzstücke für Kinder, dazukommen. Die Website befinde sich derzeit im Aufbau, «im Sommer wird das detaillierte Programm online zu finden sein».
Schockverliebt ins Kindertheater
Nach dem Studium und ersten Erfahrungen als Regieassistentin arbeitete die gebürtige Bülacherin in einem Kinder- und Jugendtheater. «Als ich das erste Mal für Kinder gespielt hatte, war es um mich geschehen», erinnert sie sich. Sie wollte nicht mehr zu einem reinen Erwachsenenpublikum zurück. «Bei begeistertem Kinderlachen geht mir das Herz auf», schwärmt sie.
Ihre zweite grosse Leidenschaft gilt dem Figurentheater. «Ich bin eher durch Zufall darauf gestossen, doch ich merkte sofort, dass es das fehlende Puzzlestück in meinem Leben war.» So absolvierte sie von 2002 bis 2005 ein Nachdiplomstudium in Figurenspiel an der Zürcher Hochschule der Künste.
Im Jahr 2005 gründete sie gemeinsam mit Kollegin Sibylle Grüter die Figurentheatercompagnie Gustavs Schwestern. Die beiden sind mit ihren Aufführungen in der Schweiz und an Festivals im Ausland unterwegs. Auch in der neuen Kinderkultur-Reihe werden sie immer mal wieder zu sehen sein.



«Man muss selbst über kindliche Energie verfügen und auf Augenhöhe kommunizieren, um die kleinen Zuschauer abholen zu können», beschreibt sie ihre Rollenarbeit. «Wir kreieren gemeinsam unser eigenes Universum, in das wir eine Stunde lang eintauchen.»
Neben ihrem eigenen Figurentheater ist Surer Co-Leiterin beim Figurentheater am Luzerner Theater. In den Sommermonaten arbeitet sie als Geschichtsvermittlerin im Museum Aargau (Römerlager Vindonissa) und gibt bei den Kulturkosmonauten Theaterworkshops für Jugendliche in St. Gallen.
Jacqueline Surer ist eine Frau mit vielen Rollen. Einem jungen Publikum Geschichten zu erzählen, verbindet alle ihre Rollen. «Geschichten zu erzählen, ist zeitlos und kann auf unendlich viele Arten getan werden», sinniert sie. Die Ustermer Familien dürfen sich auf eine ganze Bandbreite an Geschichten freuen.
