Die Seebadi Egg startet neu – mit einem Schiffscontainer
Neue Pächter setzen auf Qualität
Passend zum modernen Neubau hat die Gemeinde die Gastro-Pacht der Seebadi Egg für das erste Jahr an ein junges Trio vergeben. Dieses möchte den Standort zu einer Location machen – und denkt bereits weiter.
Es ist nicht so, dass der Gemeinde Egg die Herausforderungen ausgehen würden. Die schwierige Schulraumplanung und die angespannte finanzielle Lage beschäftigen sie schon seit geraumer Zeit, jüngst sind noch Pläne des Kantons für eine weitere Abfalldeponie auf ihrem Gebiet hinzugekommen.
Betrachtet man es unter diesem Licht, dürfte die Vorfreude auf den 3. Mai noch etwas süsser schmecken. An jenem Samstag darf Egg nämlich mit der Neueröffnung der Seebadi Egg nicht nur eine langjährige Pendenz von der Liste streichen, sondern ein neues, vielversprechendes Kapitel aufschlagen.
Nachdem der im Vorjahr durch die Gemeinde erstellte Neubau den Medien bereits im Januar vorgestellt worden war, ist inzwischen auch bekannt geworden, wer das Gastro-Angebot verantworten wird: Aus insgesamt sieben Bewerbungen hat die neu gegründete Buddy Egg GmbH den Zuschlag erhalten. Vorderhand für ein Jahr.
Hinter dieser Gesellschaft steht ein Trio, das sich aus der Eggerin Joy Valance (32) und den Horgemer Zwillingsbrüdern Jacob und Maximilian Schümperli (22) zusammensetzt. Letztere führen gemeinsam die Eventagentur Flightmode, mit der sie unter anderem das bekannte Haus am Fluss am Stadtzürcher Letten führen und die Barlandschaft des Open Airs Frauenfeld betreiben.
Schiffscontainer statt Foodtruck
Von einem «Neuanfang in einem schönen, gelungenen Gebäude» spricht Stefan Wäckerlin, Abteilungsleiter Finanzen und Liegenschaften der Gemeinde, der den Bau von Anfang bis Schluss begleitet hat. Eine Aufgabe, für die er die jungen Gastronomen mit ihrem Konzept und Netzwerk prädestiniert sieht.
Tatsächlich hat das Trio einen ansprechenden Plan. Statt mit einem Foodtruck – wie von der Gemeinde ursprünglich angedacht – werden die drei ihren Betrieb aus einem ehemaligen Schiffscontainer managen. Dieser war zuvor für die Bar am See in Wädenswil im Einsatz gestanden.

«Der Container ist bereits als Bar ausgebaut, die notwendigen Installationen wie die Eis- oder die Spülmaschine sind schon integriert. Das gibt uns Freiheiten und lässt uns von Beginn weg ein bestimmtes Qualitätslevel garantieren», erklärt Jacob Schümperli.
Konkret wollen die Pächter eine kleine Gartenwirtschaft mit Sitzgelegenheiten für rund 80 Personen und Selbstbedienung betreiben – wobei zu den ruhigeren Zeiten durchaus bedient werden kann. Getischt und gestuhlt wird auf dem Kiesplatz, Lichterketten sollen für den sommerlichen Charme am Abend sorgen.
Kulinarisch werden neben den handelsüblichen Softgetränken, Bier und Kaffee auch eine kleine Weinauswahl und verschiedene Drinks erhältlich sein. Für den Hunger sind verschiedene Varietäten von italienischen Panini und ein Grill vorgesehen, tagsüber sollen Salate und Wähen den kleinen Hunger stillen.
Es ist ein Angebot, das nicht unbedingt dem entspricht, was man in einer typischen Badi erwarten würde. «Das ist auch nicht das Ziel», sagt Joy Valance. «Wir möchten einen qualitativ guten Gastro-Betrieb aufziehen und einen Ort schaffen, an den die Leute gerne kommen.»

Eine eigentliche Location? «Ja, das kann man so sagen. Wir wollen natürlich für die Ausflügler, Spaziergänger und Badegäste da sein. Aber auch für Leute aus dem Dorf und der Umgebung, die ihre Zeit bei uns geniessen wollen.»
Ein Gesicht aus Egg
Diese Ausrichtung entspringt letztlich auch dem Rahmen: Analog zu den beiden letzten Sommern vor dem Umbau hat die Gemeinde Egg beschlossen, keinen Eintritt für die Badi zu verlangen, was wiederum bedeutet, dass es keinen Bademeister und kein Floss gibt. Hinzu kommt die Lage im Naturschutzgebiet, die mit klaren Vorgaben verbunden ist: So sind beispielsweise auf der Wiese keine Hunde erlaubt.
Ergo sind die Pächter auf die Gastronomie beschränkt und im weiteren Rahmen für die Sauberkeit des Areals und des sanitären Bereichs zuständig – nicht aber für den Badebetrieb. Die Unterhaltsarbeiten wie das Rasenmähen oder der Sträucherschnitt werden indessen vom Werkhof der Gemeinde übernommen.
Man pflege eine sehr gute Beziehung zur Gemeinde und zu den Rangern und habe Respekt vor den Bedürfnissen dieses Standorts und der Menschen, betont Valance, die das Projekt lanciert und die mir ihr befreundeten Schümperli-Brüder dafür begeistert hat. Als die Person, die in der Regel vor Ort und damit das Gesicht der Lokalität sein wird, ist ihr wichtig festzuhalten, «dass das Miteinander zentral ist».
Inzwischen lebt sie seit fünf Jahren in Egg. Hier führt sie das Atelier Valance, ihr eigenes Möbelrestaurationsgeschäft. Vor allem aber hat sie im Sommer 2023, dem letzten vor der Schliessung, zeitweise beim damaligen Foodtruck-Betreiber mitgeholfen. Dort sei vieles nicht gut gelaufen, blickt sie zurück. «Da werden wir ruftechnisch etwas wettmachen müssen.»
Gekommen, um idealerweise zu bleiben
Dementsprechend motiviert geht Valance die Sache an. Obschon die Pacht vorderhand nur ein Jahr läuft, reicht ihr Horizont weiter. Sie verstehe, dass die Gemeinde zuerst einmal kurzfristig plane. «Doch es ist klar, dass wir nicht nur eine Saison machen wollen.»
Dasselbe gilt für die Gastro-Profis Schümperli. «Natürlich hätten wir lieber einen Fünfjahresvertrag unterschrieben, doch ich bin guten Mutes, dass wir uns für einen Weiterbetrieb empfehlen», sagt Jacob Schümperli. Für die jungen Zwillinge ist es die erste Pacht im See-Gastro-Segment – und damit vielleicht auch ein Einstieg in ein neues Geschäftsfeld.
Auch Eggs Finanzverwalter Stefan Wäckerlin zeigt sich in der Frage prinzipiell optimistisch. Zu weit nach vorne schauen will er momentan aber nicht. Lieber freut er sich auf den bevorstehenden Sommer: «Ich war im Zusammenhang mit dem Neubau oft am Greifensee und habe diese Badi als einen wunderschön gelegenen Traumort erlebt. Man wird mich sicherlich oft dort beim Mittagessen antreffen.»