Schlatt und Elgg wehren sich mit scharfen Worten gegen Postschliessung
«Kahlschlag im Eulachtal»
Die Post will ihre Filiale in Elgg schliessen. Die Nachbargemeinde Schlatt ärgert sich und erhebt Einsprache. Auch Elgg selbst will nicht klein beigeben.
Die Gemeinde Schlatt ärgert sich. Sie ärgert sich darüber, dass die letzte Poststelle im Eulachtal geschlossen werden soll. Diejenige in Elgg. Und sie ärgert sich über die Kommunikation der Post. Auf ihrer Website veröffentlicht sie die Korrespondenz mit dem Dienstleister und eine ausführliche Stellungnahme, in der sie Einsprache ankündigt.
Seit Mai letzten Jahrs ist bekannt, dass die Post schweizweit weitere 170 Filialen schliessen will. In der Region Zürich sind es zwölf Poststellen, die in Agenturen umgewandelt werden sollen, darunter diejenige in Elgg. Weil die Nachfrage zu gering für attraktive Öffnungszeiten sei, solle die dortige Filiale in den Volg ziehen.
«Kahlschlag in der Region Eulachtal»
Der Gemeinderat Schlatt hat nun Mitte März beschlossen, gegen diesen Entscheid Einsprache bei der Eidgenössischen Postkommission einzureichen. Im Beschluss erhält sein Missfallen deutlichen Ausdruck: «Dieser beabsichtigte Kahlschlag, welcher die ganze Region Eulachtal von einzelnen Postdienstleistungen ausschliesst, mit dem legeren Hinweis, man könne ja in die Stadt Winterthur, ist unverantwortlich für die hiesige Wirtschaft und die Einwohner.»
Zuvor hatte die Gemeinde der Post eine Stellungnahme zukommen lassen, auf welche diese mit einem «Monolog» und «salopp formulierten Sätzen» reagiert habe. Das Argument, die Schliessung in Elgg habe keine Auswirkung auf das Angebot in Schlatt, lässt der Gemeinderat nicht gelten: «Nicht korrekt und nicht gut recherchiert.» Für 90 Prozent der Schlatter Bevölkerung sei es nicht möglich, innert 30 Minuten zu Fuss oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln eine von der Post betriebene Filiale zu erreichen.
Die nächstgelegene Filiale nach Elgg befindet sich in Winterthur-Seen. Je nach Wohnort in der Gemeinde Schlatt dauere die Fahrt mit dem ÖV dorthin zwischen 36 und 48 Minuten, hat der Gemeinderat berechnet. «Und mit dem Auto kann man dort fast nirgends parkieren», fügt Gemeindepräsident Urs Schäfer (parteilos) an.
Notwendig könnte eine solche Reise werden, weil der Hausservice der Post und Postpartner wie Volg nicht alle Dienstleistungen anbieten. Für Auszahlungen über 500 Franken oder bei Abholungen von Spezialsendungen wie Gerichtsurkunden müssen Kundinnen und Kunden eine Poststelle aufsuchen: «Gerade für ältere Leute, die nicht mehr Auto fahren, ist das nicht zumutbar. Wir können den Entscheid nicht nachvollziehen», sagt Schäfer. Auf ein Gesprächsangebot der Post Ende Januar ist Schlatt nicht eingetreten.
Lösung mit Volg ist für Elgg zweite Wahl
Auch die Standortgemeinde Elgg selbst ist nicht erfreut über den Entscheid. Bereits 2018 hatte die Post angekündigt, die Filiale in Elgg schliessen zu wollen. Der Gemeinderat und die Ortsparteien hielten dagegen, der Entscheid verzögerte sich immer wieder und wurde schliesslich gar nicht gefällt: Die Filiale blieb offen.
Nun steht Elgg wieder am gleichen Punkt. Der Gemeinderat habe ebenfalls eine Stellungnahme eingereicht und die Vereinbarung für die Umwandlung der Filiale in eine Agentur nicht unterschrieben, sagt Gemeindeschreiber Marcel Aeschlimann. Zudem sei eine Einsprache bei der Postkommission wahrscheinlich, der Gemeinderat stimme an der nächsten Sitzung darüber ab.
Laut Aeschlimann hat die Erhaltung der Elgger Poststelle oberste Priorität in den Verhandlungen: «Sollte das nicht möglich sein, ist der Gemeinderat mit der Volg-Partnerlösung aber einverstanden.»
Dass die Post Filialschliessungen «vehement weiterverfolge», obwohl das eidgenössische Parlament bald über die Zukunft und die Struktur des staatlichen Dienstleisters beraten werde, sei Zwängerei, heisst es in der Schlatter Stellungnahme weiter. «Aus Sicht der Gemeindevorstände Schlatt und Elgg schadet der geplante Leistungsabbau der Post nicht nur dem Standort Elgg, sondern dem gesamten Eulachtal und ist daher möglichst zu verhindern.»
