Von «entlaufenen» Schnecken und zurückgekehrten Glühwürmchen
20 Jahre Naturstation Silberweide
Am Wochenende startet die Naturstation Silberweide zum 20. Mal in die neue Saison. Leiterin Nathalie Séchaud blickt auf intensive Jahre zurück.
Die kleinen Schaufeln neben dem Sandkasten liegen bereit, doch der Spielplatz in der Naturstation Silberweide ist leer. Statt Stimmengewirr und Kinderlachen hört man primär den Lärm der vorbeifahrenden Autos – und die klappernden Störche in ihren Nestern auf der grossen Silberweide, der Namensgeberin der Naturstation in Mönchaltorf.
«Am Anfang der Winterpause scheint man unendlich viel Zeit zu haben, um neue Veranstaltungen und Ausstellungen zu planen», sagt deren Leiterin Nathalie Séchaud. «Doch plötzlich geht es schnell, und der Saisonstart steht vor der Tür.»
So auch jetzt. Am Samstag öffnen die Türen der Naturstation Silberweide bereits zum 20. Mal für die neue Saison. Während im Aussenbereich noch letzte Arbeiten erledigt werden, ist die interaktive Jubiläumsausstellung im Gebäude bereits fertiggestellt.
Vom Privatzoo zur Naturstation
Anhand verschiedener Zeitungsartikel lässt sich in die Vorkommnisse in der Naturstation während der letzten zwei Jahrzehnte eintauchen. «Daneben können die Besucherinnen und Besucher ihre eigene Geschichte, die sie mit uns verbindet, aufschreiben», sagt Séchaud. Mit Sofortbildkameras dürfen Erlebnisse auch gleich fotografisch festgehalten werden.


2005 wurde die Naturstation Silberweide eröffnet – als Nachfolgerin des Tierparks zur Silberweid, eines kleinen Privatzoos mit Tieren wie Ziegen und Ponys. «Die Greifensee-Stiftung war damals auf der Suche nach einem Ort, um den Menschen in einem Besucherzentrum die Natur des Greifensee-Gebiets näherzubringen», erzählt Séchaud. Als das Ehepaar, das den Privatzoo betrieb, keine Nachfolger fand, übernahm die Stiftung das rund 45’000 Quadratmeter grosse Land für diesen Zweck.
Zu Beginn gab es auch in der Naturstation noch Tiere in Gefangenschaft, allerdings nur noch Zwergmäuse, Amphibien und Zauneidechsen in Terrarien. Diese aufzuheben, war einer der ersten Entscheide, die Nathalie Séchaud traf, als sie die Leitung 2014 übernahm. «In den ersten Jahren kamen immer wieder Besucherinnen und Besucher, die den Tierpark suchten. Mittlerweile hat sich die Naturstation als Ort für Naturbeobachtungen und -erlebnisse etabliert.»
In der Naturstation wird die gesamte Greifensee-Region «in klein» abgebildet, wie es Séchaud ausdrückt. «Das Gelände wurde den verschiedenen Naturräumen des Greifensee-Gebiets nachempfunden, die auf dem Erlebnispfad hautnah erlebt werden können.»
In Berührung mit dem Boden
Mittlerweile strömen pro Jahr rund 18’000 Personen nach Mönchaltorf, um genau dies zu tun. «Und für die Schülerinnen und Schüler der Region gehört ein Besuch bei uns zum fixen Bestandteil der Schulzeit.» In den Sommermonaten seien es ab und zu bis zu vier Schulklassen an einem einzigen Morgen. «Die Anfragen übersteigen manchmal die personellen Ressourcen. Wir versuchen jedoch immer eine Lösung zu finden.»
Wie wichtig es sei, den Kindern die Natur und deren Bedürfnisse zu vermitteln, erlebe sie immer wieder. «Wenn wir bei Führungen über den Barfussweg laufen und ich sage, dass wir jetzt die Schuhe ausziehen, werde ich manchmal ungläubig angeschaut», sagt Séchaud. «Um die Natur spüren zu können, ist es wertvoll, auch mal mit Erde und Boden in Berührung zu kommen.»

Ein Erlebnis lässt sie dabei nicht mehr los: «Einmal kam ein Junge aufgeregt mit einer Weinbergschnecke zu mir und meinte, sie sei aus ihrem Käfig entlaufen – er wusste nicht, dass diese Schnecken bei uns in der Natur vorkommen.»
Die naturbezogene Umweltbildung ist ihr persönliches Herzensprojekt. Seit letztem Sommer gibt es darum auch die Mini-Rangers – ein Angebot für Kindergartenkinder, bei dem die Natur einmal im Monat an einem Nachmittag genau unter die Lupe genommen wird. «Ich bin immer wieder erstaunt, wie ganz kleine Dinge eine grosse Begeisterung auslösen können.»
Manchmal kämen auch Familien zum ersten Mal in die Naturstation, nachdem die Kinder sie mit der Schule besucht hätten. «So erreichen wir auch Personen, die sonst nicht in die Natur oder in den Wald gehen – die Naturstation kann als Ort dienen, um einen ersten Kontakt zur Natur herzustellen und wieder zu merken, dass wir ein Teil davon sind.»
Modernisierung als Ziel
Den neuen Ideen stehen die 20 Jahre alten Gebäude gegenüber. Darin befinden sich einerseits das Büro und das Materiallager der Zentrumsleitung und andererseits der Ausstellungsraum und das Bistro. «Diese zu optimieren und zu modernisieren, wird in den nächsten Jahren ein Projekt der Greifensee-Stiftung sein», sagt Séchaud.

Als operative Stiftung ohne grösseres Stiftungsvermögen bleibe dabei die Beschaffung der finanziellen Mittel eine Herausforderung. «Aktuell laufen Finanzierungsanfragen, um eine neue Ausstellung, das Naturlabor, zu realisieren.» Momentan wechseln die Ausstellungen alle zwei Jahre. «Mit dem Naturlabor würde ein neues Grundgerüst geschaffen, dessen Infrastrukturelemente jeweils bestehen bleiben und periodisch mit neuen inhaltlichen Ausstellungsthemen bespielt werden können.»
Doch nicht nur im Ausstellungsraum gab es in den letzten 20 Jahren immer wieder Veränderungen. Auch auf dem Rundgang durch das ganze Areal gibt es viel zu entdecken. So etwa eine Trockenmauer, die Lebensraum für viele Kleinlebewesen bietet. «Es ist unser Ziel, für möglichst viele Arten aufzuzeigen, wie man sich auch im eigenen Garten für Biodiversität einsetzen kann.»
Tiere im Fokus
Ein Paradebeispiel dafür ist der Glühwürmchenlehrpfad. «Vor zehn Jahren sagten alle, es habe diese Insekten einst hier gegeben, doch nun seien sie verschwunden», sagt Séchaud. Sie hätte sich schon lange einen solchen Lehrpfad gewünscht. «Aber ohne die Tiere hätte dies nur wenig Sinn gemacht», ergänzt sie lachend.


Mit Lichtfallen konnte das Team nachweisen, dass die Glühwürmchen in der Naturstation zu Hause sind. «Es ist unklar, ob man sie einfach nie mehr gesehen hat oder ob sie zurückgekehrt sind, nachdem die Naturstation für sie wieder einen optimalen Lebensraum geboten hatte.» Mit dem Nachweis konnte auch die Umsetzung des Lehrpfads angepackt werden.
Im Jubiläumsjahr werden nun einzelne Tierarten wie Eisvogel, Laubfrosch, Biber oder Storch in den Fokus gesetzt. «Wir wollen zeigen, wie man sie am besten beobachten kann», sagt Nathalie Séchaud. «Es ist wichtig, die Natur mit allen Sinnen erfahren zu können. Wenn man etwa mal einen Laubfrosch mit eigenen Augen gesehen hat, entwickelt sich sofort eine andere Beziehung und eine andere Motivation, ihn zu schützen.»
Saisoneröffnung Naturstation Silberweide
Die Naturstation Silberweide wird von der Greifensee-Stiftung geführt und besteht seit 2005. Ab Samstag, 22. März, ist sie wieder am Mittwoch- und Freitagnachmittag sowie am Wochenende geöffnet. Eine Übersicht der nächsten Veranstaltungen und Führungen sowie allgemeine Informationen zum Besuch der Naturstation sind zu finden unter www.greifensee-stiftung.ch/naturstation-silberweide.
