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«Rosinli»-Wirt: «Ich möchte kämpfen und hoffentlich bald wieder öffnen»

Die positiven Rückmeldungen haben den Kampfgeist von Rosinli-Pächter Paul Buchs geweckt. Um Kater Mäxli muss man sich indes keine Sorgen machen.

Das Restaurant Rosinli in Adetswil ist in Konkurs gegangen. Ein Crowdfunding soll helfen.

Foto: Talina Steinmetz

«Rosinli»-Wirt: «Ich möchte kämpfen und hoffentlich bald wieder öffnen»

Konkurs entmutigt nicht

Das Restaurant Rosinli ist in Konkurs gegangen, die Türen bleiben verschlossen. Doch Pächter Paul Buchs, Besitzerin Ursula Strickler und Kater Mäxli geben nicht auf: Sie setzen auf die Unterstützung durch die Bevölkerung.

Kein Gelächter von jungen Erwachsenen, kein Jauchzen von Kindern auf dem Spielplatz, kein Klirren von Gläsern und Flaschen – auf der Terrasse des Berggasthofs Rosinli in Adetswil herrscht eine ungewöhnliche Stille. 

Die Tische auf der Terrasse sind dekoriert, und in einem Kühlschrank stehen Getränke. Vor dem Kiosk sind die Speisekarten aufgestellt. Man könnte meinen, die Gäste und das Personal würden jeden Moment zurückkehren und der Betrieb seinen gewohnten Lauf nehmen; wären da nicht das Siegel des Konkursamts und ein dazugehöriges Schreiben an der Tür des Gasthofs, das auf die Insolvenz des Betriebs hinweist.

Steigende Kosten, extremes Wetter

Paul Buchs ist Wirt und Pächter des «Rosinli», er führt dieses seit Januar 2023. Auf die Insolvenz angesprochen, sagt er: «Es geht mir nicht gut.» Ein Restaurant wie das «Rosinli» zu führen, das sei schon immer sein Traum gewesen. Aber: «Wir hatten einen schwierigen Start.»

Kurz nach Pachtbeginn brach in der Ukraine der Krieg aus, es folgte eine Strommangellage. «Die Strompreise verdoppelten sich gegenüber den Vorjahren, die Preise für Gas stiegen sogar noch mehr», so der 44-Jährige. Umstände, die ein grosses Loch in die Kasse des «Rosinli»-Betreibers rissen.

Man sieht ein Restaurant.
Der Berggasthof Rosinli ist geschlossen. Diverse Faktoren haben zur finanziell misslichen Lage geführt.

Hinzu kamen missliche Witterungsbedingungen in den letzten zwei Jahren. «Zwei komplett verregnete Frühlinge, sehr heisse Sommer, nebliger Herbst – die Voraussetzungen waren für eine Gartenwirtschaft wirklich katastrophal», sagt Buchs.

Er findet klare Worte: «Wir sind ein Ausflugsziel, das mit der Aussicht, der Terrasse und dem Spielplatz punktet. Bei Regen, Nebel oder zu hohen Temperaturen würde ich auch nicht dorthin.»

Die Fixkosten fallen trotzdem an, unabhängig vom Wetter: Lohnaufwände für ihn und zwei festangestellte Mitarbeitende, Kosten für Lebensmittel, Unterhaltskosten wie Strom, Gas und Wasser sowie die Pacht.

Diese Ausgaben standen irgendwann nicht mehr im Verhältnis zu den Einnahmen. «Die wenigen Spaziergänger, die trotz schlechtem Wetter vorbeikommen und einen Kaffee trinken und einen Nussgipfel essen, reissen das Ruder leider nicht mehr rum.»

Bekannte Probleme

Ursula Strickler, Besitzerin des «Rosinli», stimmt den genannten Schwierigkeiten zu. Sie führte den Gasthof einst selber sieben Jahre und kennt die Herausforderungen. Sei es im Sommer zu heiss, gingen die Gäste lieber in die Badi oder an den See. Und im Winter fehle der grosse Schnee, um die Menschen aus ihren Häusern zu locken. «Ist es nass, kalt und neblig, ist ein Ausflug nicht mehr so attraktiv», sagt sie.

Einige angenehme Tage im Sommer oder schöne Winterwochenenden würden dann nicht ausreichen, um das Defizit auszugleichen. Strickler verdeutlicht: «Es gibt Tage, da nimmt man nicht mal 100 Franken ein. Das reicht nirgendwo hin.»

Am Ende war gemäss Buchs eine einzige Rechnung der Auslöser für das Konkursverfahren. «Das ist ärgerlich gelaufen. Und das Verfahren lässt sich dann nicht mehr aufhalten», zeigt sich der Pächter einsichtig.

Festhalten an einem Traum

Seinen Traum aufgeben will der Pfäffiker aber nicht, im Gegenteil. «Ich möchte kämpfen und hoffentlich bald wieder öffnen.» Denn trotz misslicher Lage ist er überzeugt, gute Arbeit geleistet zu haben – das zeigten ihm auch «die unzähligen Rückmeldungen», die er während des laufenden Betriebs und auch nach der Schliessung erhalten hat.

«Sehr viele Leute drückten ihr Bedauern aus und sagten mir, wie schade es sei, dass das ‹Rosinli› geschlossen sei. Das hat mich motiviert, nicht aufzugeben.»

Auch «Rosinli»-Besitzerin Ursula Strickler hofft auf eine baldige Wiedereröffnung des Gasthofs mit Buchs in seiner Rolle als Wirt und Pächter. «Ich bekomme viele Komplimente von Bekannten, dass er es wirklich gut macht», sagt sie.

Dass Buchs beliebt ist, zeigt ein Blick in die sozialen Medien: Die meisten User zeigen sich bestürzt über die Schliessung des «Rosinli» – und sprechen dem Wirt grosses Lob aus. «Aus meiner Sicht war er ein super Wirt» oder «super Team, super Pächter» sind nur zwei von vielen Kommentaren, die zur Schliessung des Restaurants geschrieben wurden.

Ein Crowdfunding und Optimismus

Um finanziell wieder auf die Beine zu kommen, hat Paul Buchs ein Crowdfunding gestartet. Das Spendenziel sind 50’000 Franken, bisher sind etwas über 1500 Franken eingegangen. Das Geld soll dazu dienen, bei einer Wiedereröffnung die Fixkosten decken zu können, bis der Betrieb wieder angelaufen ist.

Wann das «Rosinli» wieder öffnen könnte, ist nicht absehbar. Buchs hat Beschwerde gegen den Konkurs eingelegt. Mehr kann er zum Verfahren nicht sagen. Er hofft aber, möglichst bald wieder Gäste empfangen zu können. «Wenn wir einen guten Sommer haben, sieht die Welt wieder ganz anders aus», ist er sicher.

Und wenn der Sommer doch nicht so gut läuft? Dann habe er schon Ideen, um den Betrieb zu optimieren. Einerseits sollen die Fixkosten optimiert werden. Andererseits möchte er zusätzliche Standbeine ins Leben rufen, zum Beispiel regelmässige Gruppenanlässe oder Events. «Wenn diese gut anlaufen und im Fokus stehen, kommen die Gäste auch bei Regen und Nebel», ist er überzeugt.

Und was ist mit dem «Rosinli»-Büsi?

Ein Schicksal beschäftigt die Oberländerinnen und Oberländer fast so sehr wie jenes des Restaurants: das von Kater Mäxli. Die Katze gehört zum Inventar des Gasthofs – und wird seit der Schliessung letzter Woche so sehr umsorgt, dass «Rosinli»-Besitzerin Ursula Strickler eingreifen musste. «Kaum war die Nachricht von der Schliessung an der Öffentlichkeit, erhielt ich Anrufe von Leuten, die Mäxli zu sich nehmen wollten.» Der Tierschutz wurde eingeschaltet, Privatpersonen legten einen provisorischen Fütterungsplan vor Ort an.

Man sieht eine Katze auf einer Steinmauer.
Kater Mäxli wird gut umsorgt – und fordert seine Streicheleinheiten lautstark ein.

Seit Kurzem hängt eine offizielle Mitteilung von Ursula Strickler neben der Konkursmitteilung. Darin steht, dass Mäxli dreimal täglich gefüttert wird und seine Medikamente erhält. «Mir vergässet ihn sicher nöd», heisst es weiter. Und: «Um Streicheleinheite freut er sich sicher!» (tas)

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