Was Abfälle über Oberländer Haushalte erzählen
Eine Tonne Korken in Uster
Gemeinden veröffentlichen jedes Jahr eigene Abfallstatistiken. Im regionalen Vergleich zeigt sich deutlich: Es gibt immer weniger Altpapier, dafür einen umso grösseren Verschleiss an Karton.
Wer kennt es nicht? Der Eingang im eigenen Wohnhaus ist wieder einmal mit Paketen zugestellt. Wenn man an die Paketlieferanten und Postboten denkt, könnte man ab und an gar etwas Mitleid empfinden. Sie hasten von Haus zu Haus, um den Leuten ihre Wunschgegenstände zuzustellen, die sie vielleicht erst am Vortag bestellt haben und doch schon sehnlichst erwarten.
Die Kehrseite: Die Unmengen an Karton, die dafür verbraucht und wieder entsorgt werden müssen. Die Menge steigt Jahr für Jahr an, dafür sinkt der Verschleiss an Papier in den letzten Jahren kontinuierlich. Ob es nur an dem Auflagenschwund von Papierzeitungen liegt, ist nicht ganz handfest zu eruieren. Ein Blick in die Abfallstatistiken lohnte sich aber allemal.
In Uster stapeln sich Tonnen
In der grössten Stadt des Oberlands mit mehr als 36’000 Einwohnern, in Uster, zeichnet sich über die letzten Jahre ein deutliches Bild ab. Wurden im Jahr 2010, damals lebten erst rund 32’000 Menschen in der Stadt, noch 2100 Tonnen Papier entsorgt, so sind es im letzten Jahr nur noch 990 Tonnen gewesen. Also eine Reduktion um mehr als die Hälfte. Beim Karton ist die Tendenz von Jahr zu Jahr hingegen steigend. So verbrauchte die Stadt vor 15 Jahren 580 Tonnen. 2024 waren es schon erstaunliche 840 Tonnen.
Zum Vergleich: Die deutlich kleinere Gemeinde Bäretswil verbrauchte 2023 etwas weniger als 95 Tonnen Karton, ein Jahr später schon deren 105 Tonnen. Innerhalb eines Jahrs demnach ein Anstieg von 10 Tonnen.
Beim Papier ist dafür innerhalb von 12 Monaten eine Reduktion von acht Prozent vonstattengegangen. Von 163 auf 150 Tonnen. Total produzierte die Gemeinde 1943 Tonnen an Abfall, was 378 Kilogramm Abfall pro Kopf entspricht.
Die Gemeinde Wald mit etwas mehr als 10’000 Einwohnern musste 405 Tonnen Papier und 336 Tonnen Karton entsorgen. Vergleicht man die Einwohnerzahl von Wald mit jener von Uster und setzt die 405 Tonnen Papier in Verbindung mit den 990 Tonnen in Uster, könnte man sich fragen, ob in Wald mehr gelesen wird?
Zurück nach Uster. Vielleicht noch interessanter und sehr bemerkenswert: Der verbrauchte Anteil an Korken betrug 2010 stattliche 420 Kilogramm. Innert eineinhalb Jahrzehnten hat sich diese Zahl auf eine Tonne mehr als verdoppelt. Wie kommt es? Wird in Uster etwa so viel mehr Wein oder Champagner getrunken? Diese Frage bleibt wohl für immer im Raum stehen.

Auch Sarina Laustela, die Leiterin Abfallbewirtschaftung und Umwelt, kann sie nicht abschliessend beantworten. Allerdings könnte der Abholtermin eine Rolle spielen. So wurde im Dezember 2024 eine grössere Menge Korkensäcke von der Sammelstelle abgeliefert als im Dezember 2023, wodurch eine gewisse Menge der 2023 gesammelten Korken möglicherweise dem Jahr 2024 angerechnet werden.
Was den Karton betrifft, so führt auch sie den Verbrauchsanstieg auf das veränderte Bestellverhalten der Bevölkerung zurück. Der Rückgang von Altpapier sei vorwiegend auf das Leseverhalten rückzuschliessen.
Das «Warum» bleibt ungewiss
Keine wirklichen Antworten gibt es auch beim Grüngut oder beim Verbrauch an Batterien. Bei Letzteren verzeichnete die Stadt 2012 noch 3 Tonnen, 2024 schon 6,25 Tonnen – und dies in einem digitalen Zeitalter, in dem portable Elektrogeräte eher über wiederaufladbare Akkus funktionieren.
In derselben Zeit stieg auch die Menge an Grüngut kontinuierlich. Ob die Pflanzen in Uster plötzlich besser gedeihen oder ob sich das Gärtnern im privaten Bereich plötzlich einer besonderen Beliebtheit erfreut? Waren es 2012 noch rund 2500 Tonnen Grüngut, sind es im letzten Jahr bereits 3550 Tonnen gewesen.
In Wetzikon als zweitgrösster Stadt der Region zeigt sich im Übrigen ein fast deckungsgleiches Bild wie in Uster. Mit rund 10’000 Einwohnern weniger als Uster steht der Abfallverbrauch ziemlich genau in Relation zur grössten Stadt. Es waren 732 Tonnen Papier und 609 Tonnen Karton.
Erstaunliche Konstanz
In der höchstgelegenen Gemeinde des Kantons, in Fischenthal, verhält sich die Menge an produziertem Abfall in den letzten Jahren äusserst gleichmässig. In den letzten drei Jahren haben die Einwohner pro Kopf im Schnitt 300 Kilogramm verbraucht.
So könnte man auch behaupten, dass sich das Bestellverhalten der Einwohner in der Regel ausgeglichen verhält. Die Gemeinde im Tösstal verbuchte in den vergangenen Jahren konstant 15 Tonnen Karton pro Jahr. Nur im letzten Jahr war es eine Tonne mehr, also 16 Tonnen. Vielleicht ist die Differenz der Tatsache geschuldet, dass seit 2024 mittlerweile 57 Personen mehr als noch 2022 im Ort wohnen.
Nur beim Altpapier unterscheidet sich Fischenthal nicht von anderen Gemeinden: Waren es 2022 noch 74 Tonnen und 2023 nur noch 62 Tonnen, schrumpfte der Verbrauch 2024 auf 53 Tonnen zurück.
