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Im Oberland wird es konstant enger – doch wie viel enger wirklich?

Ein zusätzliches Uster und ein zusätzliches Wetzikon: So stark soll das Zürcher Oberland bis 2050 wachsen. Doch während Dübendorf Rekordwerte verzeichnet, verliert Egg Einwohner.

Im Oberland haben sich die Rekordzahlen der Wachstumsrate wieder beruhigt. Doch der Kurs bleibt. (Symbolbild)

Foto: Pixabay

Im Oberland wird es konstant enger – doch wie viel enger wirklich?

Kantonale Bevölkerungszahlen

Ein zusätzliches Uster und ein zusätzliches Wetzikon: So stark soll das Zürcher Oberland bis 2050 wachsen. Doch die Entwicklung verläuft nicht überall gleich. Wo die Bevölkerungszahl explodiert – und wo sie stagniert.

9 Millionen Menschen wohnen derzeit in der Schweiz. 1,62 Millionen, also fast jeder Sechste, leben im Kanton Zürich. Und die Entwicklung kennt nur eine Richtung.

Laut Statistik ist in den letzten Jahren im bevölkerungsreichsten Kanton ein ganzes Oberland dazugekommen – zumindest, wenn man das Oberland so aufteilt, wie es der Kanton macht. Er rechnet mit 172’000 neuen Einwohnerinnen und Einwohner. Das entspricht einem Wachstum von 12 Prozent.

Wie der Kanton die Regionen aufteilt

Der Kanton definiert die Region Oberland wie folgt: Sie umfasst den Bezirk Hinwil, den Bezirk Pfäffikon sowie die Stadt Uster und die Gemeinde Mönchaltorf. Die Gemeinden Lindau, Illnau-Effretikon und Weisslingen werden nicht dem Oberland, sondern Winterthur und Umgebung zugerechnet, genauso wie Turbenthal, Zell und Schlatt. Die übrigen Gemeinden des Bezirks Uster gehören hingegen zur Region Glattal, Egg gehört zur Region Pfannenstiel.

Und wenn wir schon beim Oberland sind: Bis 2050 sollen etwa zusätzliche 60’000 Menschen in die Region ziehen – das entspricht einem Zuwachs von 30 Prozent. Oder anders gesagt: ein zusätzliches Uster und ein zusätzliches Wetzikon. Eine Prognose, die manche fürchten, denn der Zuwachs nimmt Einfluss auf die Infrastruktur, auf die Schulen, auf den Wohnungsmarkt.

Schon im letzten Jahr hat der Kanton Zahlen veröffentlicht, die ganz klar für sich sprachen: Mit 1,5 Prozent wies er den prozentual höchsten Zuwachswert seit 2010 auf. Das Oberland ist 2023 um etwa 1,6 Prozent gewachsen, was sogar über dem kantonalen Durchschnitt lag.

Damals war der Rekord jedoch auf die aus der Ukraine geflüchteten Menschen zurückzuführen. Diese wohnten zwar schon 2022 im Kanton, wurden aber erst 2023 zur zivilrechtlichen Bevölkerung gezählt.

Wachstum verlangsamt sich, bleibt aber konstant

So ist es keine Überraschung, dass die Zuwachsrate abgeflacht ist. Das Oberland hat laut Statistik 2024 netto 1755 Zuzüger aufgenommen. Das macht aufgerundet 1 Prozent aus. Auch im Glattal hat sich der Zuwachs beruhigt. Er ist mit seinen 2098 Zuzügern von 1,5 Prozent auf 1,1 Prozent gesunken.

In Winterthur und Umgebung gab es einen Nettozuwachs von 1917 neuen Bewohnerinnen und Bewohnern – also lediglich 1 Prozent statt wie im Vorjahr 1,8 Prozent. Beim Pfannenstiel schafften es die 663 neuen Anwohnenden auf 0,6 Prozent.

Auch wenn die Zuwachsrate sich etwas gemässigt hat, so ist die Tendenz doch relativ stetig. Der Bezirk Uster wuchs um 1536 Personen, der Bezirk Pfäffikon um 521 – fast die Hälfte davon zog in die gleichnamige Gemeinde –, und im Bezirk Hinwil machten sich 1072 zusätzliche Personen sesshaft.

Damit die 2050-Prognose eintrifft, braucht es eine gewisse Beständigkeit. Sollten sich die Zahlen von 2024 konstant halten können, dann wären die 60’000 Menschen im Jahr 2050 längst überschritten.

Dübendorf ist beliebt – vor allem beim Ausland

Doch schauen wir uns die grössten Veränderungen genauer an. Man könnte denken, dass die drittgrösste Stadt im Kanton, Uster, am meisten wachsen würde. Doch mit ihren netto 178 Zuzügern ist eine Veränderung kaum spürbar. Wetzikon beispielsweise hat mit 496 Personen ein grösseres Wachstum erlebt. Ja sogar Turbenthal ist prozentual um einiges stärker gewachsen als Uster.

Doch ein Überflieger zeichnet sich besonders aus: Dübendorf mit seinen 1029 neuen Einwohnerinnen und Einwohnern. Das ist ein Zuwachs von 3,3 Prozent, was etwa die Hälfte des Glattal-Zuwachses ausmacht.

Eine Überraschung ist das jedoch nicht. «Wir haben damit gerechnet, denn vor allem mit der Three-Point-Überbauung hat die Stadt auf einen Schlag viel mehr Wohnungen», sagt Mathias Vogt, Dübendorfer Stadtschreiber. Damit meint er die 113 Meter hohen Hochhäuser, die letztes Jahr bezogen werden konnten – die höchsten Wohntürme der Schweiz.

Sicht auf mehrere Hochhäuser.
Die Three-Point-Hochhäuser – hier noch im Bau 2023 – sorgen in Dübendorf für mehr Einwohnerinnen und Einwohner. (Archiv)

Dübendorf ist besonders bei Zugewanderten beliebt: 12'185 Menschen aus dem Ausland haben sich hier niedergelassen, was einem Ausländeranteil von 37,6 Prozent entspricht. Bereits vor Jahren hatte die Stadt die multikulturelle Hochburg Biel überholt. In den letzten 40 Jahren hat sich der Ausländeranteil in Dübendorf sogar verdreifacht.

«Das zeigt sich unter anderem im Sprachlichen», sagt Vogt. Eine Herausforderung, die Dübendorf mit Massnahmen kontert. Erstmals führt die Stadt dieses Jahr bei Kindern eine «Sprachstanderhebung» durch, bevor diese in den Kindergarten eintreten. Das ist eine Umfrage, um die Deutschkenntnisse der Vorschulkinder einzuschätzen. «Damit können wir die Kinder frühzeitig fördern, fehlende Deutschkenntnisse aufzuholen. Das schafft Chancengleichheit.»

Schwankungen in Maur und Egg

Während Dübendorf boomt, zeigen sich im linken Greifensee-Gebiet andere Entwicklungen – Einfluss auf die Schulraumplanung nimmt die Bevölkerungskurve auch hier. Egg verzeichnete 2024 einen leichten Bevölkerungsrückgang: Mit 8782 Einwohnerinnen und Einwohnern lebten total 30 Personen weniger in der Gemeinde als im Vorjahr – ein Minus von 0,3 Prozent.

Gemeindeschreiber Tobias Zerobin sieht darin jedoch keinen besorgniserregenden Trend. «Durch die etwa 60 abgerissenen Wohnungen der Überbauung Pünt haben einige Personen die Gemeinde verlassen.»

Doch in Egg fällt etwas auf: Die Tendenz ist zwar steigend, doch auch schwankend. Keine drastischen Schwankungen, doch auch nicht ganz ohne. «Das macht die Prognosen bezüglich der Schulraumplanung komplex», sagt Zerobin. Und für diese muss man weit vorausschauen können.

Auch Maur zeigte sich in den letzten Jahren schwankend. Zuletzt sind laut Statistik netto 31 Personen aus der Gemeinde weggezogen. Doch nicht nur. Denn bei dieser Zahl handle es sich nicht bloss um Wegzüge, sondern auch um Todesfälle.

«Wir hatten eine Übersterblichkeit im vergangenen Jahr. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass wir mit der Gustav-Zollinger-Stiftung ein Alters- und Pflegeheim in der Gemeinde haben, welches über 92 Betten verfügt», sagt Anette Fahrni, Leiterin Präsidiales und Kommunikationsbeauftragte der Gemeinde Maur.

Doch Fahrni rechnet damit, dass es im nächsten Jahr wieder mehr Maurmerinnen und Maurmer geben wird. «Mit der Bautätigkeit in den kommenden Jahren werden wieder etwas mehr Personen zuziehen als wegziehen. Dies wird sich aber im moderaten Bereich bewegen.»

Im Oberland tut sich also was. Ob Zuwachs, Rückgang oder Schwankung, die nächsten Jahre werden zeigen, wie sich die Situation entwickeln wird. Sicher ist, dass die 2050-Prognose auf Kurs steht. Doch auch, dass es bis dahin noch 25 Jahre dauert, in denen viel passieren kann.

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