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Maur verschickt Rechnung für Extrakosten nach Rad-WM – Zollikon gibt auf

Wer bezahlt die Kosten für die Rad-WM? Die betroffenen Austragungsorte gehen nach der Absage des Organisationskomitees unterschiedlich vor.

Wer bezahlt die Kosten für die Rad-WM? Das Gezanke zwischen den Gemeinden und dem OK dauert an.

Foto: Seraina Boner

Maur verschickt Rechnung für Extrakosten nach Rad-WM – Zollikon gibt auf

Nachwehen des Sportevents

Über vier Monate nach der Weltmeisterschaft sitzen Austragungsorte auf Mehrkosten. Der Veranstalter will nicht zahlen. Maur kämpft weiter.

Luzia Nyffeler, Lennart Langer

Gut 57’000 Franken – so viel kostete die Rad-WM im vergangenen September die Gemeinde Maur. Das Geld gab sie etwa für Sold und Verpflegung von Feuerwehr und Zivilschutz wie auch für Informationsmaterial aus.

Aus der eigenen Kasse will die Gemeinde die Ausgaben aber nicht berappen. Sie hatte deshalb schon im letzten Jahr angekündigt, die Kosten vom Organisationskomitee (OK) der Rad-WM zurückzufordern. Genauso wie vier weitere Austragungsorte vom rechten Zürichseeufer.

Die Organisatoren zeigten sich im Januar vom Aufstand jedoch unbeeindruckt. Es gebe keine rechtliche Grundlage, wonach das lokale Organisationskomitee die Mehrkosten tragen müsse, sagte OK-Sprecher Andreas Herren im Januar gegenüber Radio SRF. Die Gemeinden würden nicht entschädigt.

Während insbesondere Zumikon darauf verlauten liess, man prüfe juristische Schritte, liess Oetwil die Sache auf sich beruhen. Nun tut Zollikon dasselbe. Der Gemeinderat verzichte auf weitere Schritte, um die Kosten einzufordern, und schreibe diese ab, heisst es in einer Mitteilung.

Maur bleibt bei seiner Haltung

Maur hingegen hält weiterhin an seinen Forderungen fest. Anfang Woche habe die Gemeinde den Betrag dem Organisationskomitee in Rechnung gestellt, sagt die stellvertretende Gemeindeschreiberin Anette Fahrni. Dies hat der Gemeinderat an seiner letzten Sitzung beschlossen.

Die Gemeinde Maur bleibt damit bei ihrer Haltung, dass das OK für die Kosten zuständig sei und diese nicht auf die Gemeinden abgewälzt werden könnten. Die Erfolgschancen sind ungewiss. «Wir hoffen auf ein Gespräch», sagt Fahrni. Einen Rechtsstreit anstreben werde die Gemeinde voraussichtlich aber nicht.

Hoffnung in den Kanton

Auch der Maurmer Gemeinderat Thomas Hügli (GLP) hat noch «eine gewisse Hoffnung», dass die Gemeinde nicht auf ihren Kosten für die Rad-WM sitzen bleibt. Er setzt dabei auf politischen Druck und meint, der Regierungsrat habe noch nicht alle Fragen zu den Rad-WM-Kosten beantwortet, wie er dem SRF-«Regionaljournal» sagte: «Er hat die heiklen Fragen, bei denen es um die Kostenübernahme ging, ausgelassen.»

Hügli hofft nun darauf, dass die drei Kantonsrätinnen, die damals die Anfrage zu den Kosten eingereicht hatten, nochmals nachhaken werden. Diese Chancen stehen gut, wie eine der drei Politikerinnen, die Zolliker FDP-Kantonsrätin Corinne Hoss, gegenüber dem «Regionaljournal» bestätigte. «Wir schauen, ob wir nochmals etwas machen können», erklärte sie. «Wir wurden nicht aufgeklärt. Das ist ein Ärger.» Die Erfolgsaussichten einer neuerlichen Anfrage schätzt sie allerdings als gering ein.

Zu den Kosten der Rad-WM für die Gemeinden äussern muss sich der Regierungsrat sowieso noch. Bereits im Januar haben zwei Stadtzürcher SVP-Kantonsräte eine Anfrage dazu eingereicht.

Juristischer Aufwand zu gross

Nicht alle betroffenen Gemeinden werden dabei gespannt auf die Antworten warten. Die Gemeinde Zollikon hat bereits einen definitiven Schlussstrich gezogen. Sie verzichtet auf einen Rechtsstreit mit dem Organisationskomitee der Zürcher Rad-WM. «Man kann auch mal eine Fünf gerade sein lassen», sagt Gemeindepräsident Sascha Ullmann (GLP).

Zollikon war eine von vier Gemeinden am rechten Seeufer, die dem lokalen Organisationskomitee im Nachgang zum Grossanlass vom letzten September bereits eine Rechnung geschickt hatten. Gewehrt hatten sich auch Zumikon, Erlenbach und Oetwil. Die zurückgeforderten Beträge bewegten sich zwischen 17’600 Franken im Fall von Zollikon und rund 50’000 Franken (Oetwil und Zumikon).

Der Zolliker Gemeindepräsident erklärt den Entscheid mit dem Aufwand für eine juristische Auseinandersetzung. «Das würde mindestens so viel kosten, wie am Schluss rausschaut.» Er fügt an, dass besonders das Herrenrennen am letzten Rennsonntag sehr toll gewesen sei. Dafür habe sich der Aufwand gelohnt. «Verglichen mit der 1.-August-Feier, die rund 50’000 Franken kostet, war das gut investiertes Geld.»

Wesentlich weniger versöhnlich klingt es aus Erlenbach. Die Gemeinde forderte 25’000 Franken. Man sei nach wie vor der Ansicht, dass die Rechtsauffassung der Organisatoren inkorrekt sei, betont Erlenbachs Gemeindeschreiberin Adrienne Suvada. «Wir haben dem OK Anfang Februar noch einmal in einem Brief sehr detailliert dargelegt, wie die Kosten entstanden sind und warum wir der Ansicht sind, dass das OK zumindest einen Teil davon übernehmen müsste.» Auch die Rechnung habe die Gemeinde erneut mitgeschickt. «Zudem haben wir explizit ein Gespräch angeboten, denn ein solches fand bis jetzt nicht statt.» Eine Antwort seitens der Organisatoren stehe noch aus.

Im Austausch mit Vertretern des Organisationskomitees sowie des Kantons befindet sich derweil Zumikon. «Die Gespräche laufen, und wir möchten schauen, ob wir uns noch einigen können», lässt Gemeindeschreiber Thomas Kauflin verlauten. Weitere Angaben könne er nicht machen.

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