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Dieser frühere Melkstall in Illnau wird zur modernen Wohnung

In Illnau steht ein denkmalgeschützter Bauernhausteil von 1875 zum Verkauf. Im ehemaligen Stall und Tenn ist eine moderne Wohneinheit mit fünf Zimmern geplant.

Im linken Teil des Bauernhauses – dem einstigen Tenn und Stall – soll künftig ebenfalls gewohnt werden. Geplant sind ein Wohn-/Essraum und vier Schlafzimmer.

Foto: Almut Berger

Dieser frühere Melkstall in Illnau wird zur modernen Wohnung

Exklusiver Einblick

In Illnau steht ein denkmalgeschützter Bauernhausteil von 1875 zum Verkauf. Im ehemaligen Stall und Tenn ist eine moderne Wohneinheit mit fünf Zimmern geplant.

Almut Berger

«Historischer Bauernhausteil von 1875 in neuem Kleid» – unter diesem Titel wird seit Anfang Dezember 2024 auf Homegate eine Doppelhaushälfte in Illnau feilgeboten. 2’750’000 Franken soll die «moderne und äusserst grosszügige Wohneinheit» mit insgesamt fünf Zimmern kosten. Realisiert wird diese im einstigen Ökonomieteil.

Die Visualisierungen im Online-Inserat zeigen einen stattlichen Bau. Wuchtige Tenntore öffnen sich auf einen grossen Sitzplatz. Auf einem weiteren Bild schweift der Blick vom Wohn-/Essraum über Wiesen und Felder zur lllnauer Kirche. Eiche, Weiss und Anthrazit prägen die Innenräume, aussen setzen ochsenrotfarbene Fenster- und Türrahmen einen Farbtupfer.

Mehr als zehn Jahre leer gestanden

Bei einem Augenschein vor Ort präsentiert sich die Liegenschaft an der Volketswilerstrasse 3 wenig anmächelig. Vor der Remise gammeln mehrere alte Holzwagen vor sich hin, die Fenster des Wohnteils starren blind auf die winterbraune Wiese. Eine Stalltür hängt schief in den Angeln. Der Brunnen, der im Inserat munter vor sich hinplätschert, ist voller Laub. Das Haus stehe seit mindestens zehn Jahren leer, ist von einem Spaziergänger zu erfahren, der seinen Hund ausführt.

Ein Bauernhaus von aussen.
Wie sich die Liegenschaft heute präsentiert …
Visualisierung von einem Neubau am Bauernhaus.
… und wie sie einst aussehen soll.

Anruf bei Christa Baldinger, der im Inserat genannten Kontaktperson für Kaufinteressenten. Baldinger betreibt gemeinsam mit einer Partnerin ein Architekturbüro in Zürich und hat sich auf die Planung und Umsetzung von denkmalpflegerischen Umbauten spezialisiert. «Wir lieben alte Häuser und retten sie, indem wir sie kaufen», sagt sie. Anschliessend erfolgt dann die Planung.

Ziel sei es, den Charakter des historischen Bauwerks zu erhalten, gleichzeitig aber den heutigen Wohnbedürfnissen und technischen Anforderungen gerecht zu werden. «Der enorme Aufwand und die grosse Rechtsunsicherheit während der oftmals langwierigen Bewilligungsprozesse machen uns wohl mehr zu Idealistinnen als zu Investorinnen», sagt sie mit einem Seufzen. Der Startschuss für den Umbau falle jeweils mit dem Weiterverkauf der Immobilie.

In Illnau ist der Fall insofern anders gelagert, als dass nur der ehemalige Ökonomieteil inseriert ist. Die zweite Haushälfte wird zwar ebenfalls saniert, steht aber aktuell nicht zum Verkauf. «Als das Objekt vor drei Jahren von der Erbengemeinschaft ausgeschrieben wurde, haben mein Mann und ich uns sofort verliebt. Und so halten wir uns alle Optionen offen.»

Erbaut worden war der Vielzweckbau 1875 von Jakob Baumberger. 1926 gelangte er durch Heirat in den Besitz der Familie Kuhn. Deren Bauernhaus lag gleich nebenan, hatte aber dem Bau der Bahnstrecke Effretikon–Hinwil 1876 weichen müssen.

Zeitkapsel vorgefunden

«Als Strassenraum prägender Bau und bauliches Verbindungsglied zwischen Ober- und Unterillnau ist der Bau schützenswert und integral in Gestaltung, Struktur und Form samt dazugehörigem intaktem ländlichem Umfeld zu erhalten», heisst es in einem Inventarblatt der Denkmalpflege von 2008. Das Ensemble ist kommunal geschützt.

Bevor es an die eigentliche Planung gegangen sei, hätten sie erst einmal entrümpeln müssen, erzählt Christa Baldinger. «Das Haus erwies sich als eigentliche Zeitkapsel. Die Schränke, der Dachboden, der Keller – es schien, als hätte keine Generation je etwas weggeworfen.» Besonders berührt habe sie eine Schachtel voller klitzekleiner Glückwunschbriefe zu einer Hochzeit um 1900. «Je kleiner das Briefformat, desto günstiger war damals anscheinend das Porto.»

Man sieht eine alte Küche.
Christa Baldinger hat die Einrichtung des Hauses bei der Übernahme minutiös dokumentiert. Der Holzkochherd war offensichtlich bis zuletzt in Betrieb.
Man sieht einen alten Kachelofen.
So auch der Bauernkachelofen mit den klassisch flaschengrünen Kacheln. Dieser wurde von der Küche aus geheizt.

Auch in Stall und Scheune sei die Zeit wie eingefroren gewesen. 1980, mit dem Tod des letzten Bauern Hans Kuhn, sei zwar das Vieh verkauft worden. «Als wir zum ersten Mal im Stall standen, hätte man aber meinen können, die Kühe seien nur rasch auf der Weide.» Selbst in den Futterraufen sei noch Heu gelegen.

Man sieht in einen alten Stall.
Mit dem Tod des Bauern endete vor bald 45 Jahren auch die Viehhaltung. Zurück blieben ein paar Strohballen.

Die neue Hausbesitzerin hat mehrere Museen und Ortsvereine angefragt, ob sie Interesse an einzelnen Objekten hätten, aber fast alle hatten aus Platzgründen abgewinkt. Ein paar Kleinigkeiten – darunter die Hochzeitsbriefe – konnte sie immerhin an die Sammlung des Illnauer Hotzehuus-Vereins vermitteln. «Und auch die Nachbarn rundum haben sich das eine oder andere Erinnerungsstück ausgesucht.»

Man sieht, wie ein Bauernhaus nach dem Umbau aussehen soll.
Die Visualisierung zeigt links den geplanten neuen Wohnbereich. Die zweite Haushälfte rechts wird ebenfalls saniert, steht aber nicht zum Verkauf.

Zurück zum Inserat: Wie viele Anfragen schon eingegangen sind, will Christa Baldinger nicht verraten. Sie sei vom Echo «positiv überrascht» und gehe davon aus, dass der Umbau noch diesen Sommer starten könne. «Die Werkverträge mit den Handwerkern sind unterzeichnet. Sobald der Verkauf der Doppelhaushälfte ‹kanzleit› ist, legen wir los.»

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