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Kitas und Schulklassen sind wegen der Grippe leer gefegt

Die Grippewelle hat Uster und viele andere Zürcher Gemeinden fest im Griff. Kitas und Schulen sind stark betroffen, viele Kinder fehlen bis zu zehn Tage.

Aufgrund der Grippewelle fehlen in den Schulen momentan viele Kinder für längere Zeit.

Symbolfoto: Reto Oeschger

Kitas und Schulklassen sind wegen der Grippe leer gefegt

Grippewelle im Kanton Zürich

In Uster, Esslingen, Winterthur und an vielen anderen Orten im Kanton Zürich war der Schulbetrieb zuletzt stark eingeschränkt. Grund ist die Grippewelle.

Annette Saloma

150 Kinder besuchen den Kindergarten und die Primarschule in Esslingen. Am 20. Januar waren davon 53 Kinder krank, also rund ein Drittel. «So etwas habe ich noch nie erlebt», sagt Schulleiterin Andrea Haas, die seit 20 Jahren in Esslingen tätig ist. «Nicht einmal während Corona. Wenn zehn aufs Mal fehlten, waren das schon viel.»

Im deutschen Bundesland Hessen haben aufgrund der Grippe drei Schulen den regulären Betrieb eingestellt, wie die «Hessenschau» berichtet. So weit musste man in Esslingen nicht gehen. Aber in manchen Klassen hätten gerade mal fünf Schülerinnen und Schüler gesessen. «An einem Morgen haben wir zwei Klassen zusammengelegt, weil auch noch eine Lehrperson ausgefallen ist», sagt Haas. Besonders auffällig: Die Kinder fehlten lange, teilweise bis zu zehn Tage.

Auswirkungen auf Schulen und Kitas

Eine Umfrage bei Schulen und Eltern im ganzen Kanton Zürich zeigt: Esslingen ist kein Einzelfall. Zwar führen die Schulverwaltungen keine Statistiken, da es sich bei Grippe nicht um eine meldepflichtige Krankheit handelt. Doch diese Redaktion weiss von Schulklassen und Kindertagesstätten im ganzen Kanton, die beinahe leer gefegt waren.

In Dättlikon waren vergangene Woche in einer Klasse gerade mal 7 von 21 Kindern anwesend, in einem Schulhaus in Winterthur fehlte die Hälfte der Klasse, in Uster waren in einer fünften Klasse 14 von 24 Schulkindern krank. Am Skitag der Oberstufe in Pfäffikon hat ein Drittel der Schüler nicht teilgenommen, in einer Kita in Albisrieden wurden laut einer Mutter drei Gruppen zusammengelegt, weil so wenige Kinder anwesend waren.

Aussenansicht der Schule Esslingen.
Die Grippewelle rollt an: In Esslingen ist derzeit die Hälfte der Schülerinnen und Schüler krank.

Markus Zollinger, Gesamtschulleiter der Primarschule Uster, bestätigt auf Anfrage: «Generell kann man sagen, dass bei uns über alle Schuleinheiten hinweg etwas mehr Kinder krank sind als im Vergleich zu anderen Jahren.»

Von der Grippe sind aktuell die unter 4-Jährigen und die über 65-Jährigen am stärksten betroffen, gefolgt von den Schulkindern. Das zeigt die sogenannte Sentinella-Statistik. Diese wird vom Bundesamt für Gesundheit geführt und dient der Gewinnung epidemiologischer Daten und der Überwachung häufiger übertragbarer und anderer akuter Erkrankungen.

Es könne durchaus sein, dass noch mehr Kinder betroffen seien, sagt Corina Wilhelm, Präsidentin der Vereinigung Zürcher Kinderärzte. Nicht nur, weil lediglich die Fälle aufgenommen würden, die zum Arzt gingen. Sondern auch, weil nur 15 Prozent der 160 bis 180 an der Statistik teilnehmenden Ärzte Pädiater seien. Die Teilnahme sei mit einigem Aufwand verbunden.

Man sieht eine Statistik über die zeitliche Entwicklung der gemeldeten Influenza-Fälle.
Die Sentinella-Statistik zeigt, dass unter 4-Jährige und über 65-Jährige am meisten betroffen sind, danach folgen Schulkinder.

Dass die Grippewelle dieses Jahr stärker ausfällt als im Vorjahr, bestätigen die Zahlen des Bundesamts für Gesundheit. Waren es 2023 hochgerechnet 26,5 Krankheitsfälle pro 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner, sind es dieses Jahr 28.

In der Woche vom 19. bis zum 25. Januar suchten rund 21’000 Personen wegen plötzlich auftretenden hohen Fiebers und Hustens oder Halsschmerzen einen Arzt auf. So viele Konsultationen wegen grippeähnlicher Erkrankungen gab es letztmals im Frühjahr 2020, Anfang der Corona-Pandemie.

Wie Kinderärztin Corina Wilhelm sagt, sind sie und ihre Berufskollegen sehr gefordert. Diese Saison sei die Welle etwas später gekommen als im Vorjahr, und der Anstieg der Fallzahlen sei bisher etwas rasanter verlaufen. «Wegen des etwas späteren Einsetzens der Grippewelle fällt sie dieses Jahr im Schulbetrieb mehr auf», sagt Wilhelm. «Im Vorjahr war die grösste Krankheitslast über die Weihnachtsfeiertage und Silvester, wo die Kinder zu Hause waren.»

Lungenentzündungen und RSV zurückgegangen

Vor den Festtagen sei sie vermehrt mit Fällen von atypischen Lungenentzündungen und RS-Vireninfekten bei Säuglingen und Kleinkindern konfrontiert gewesen, sagt Kinderärztin Wilhelm. Seit Anfang Jahr hätten Meldungen zu diesen Krankheiten abgenommen.

Nun seien es vor allem Influenza- und Adenoviren sowie weiterhin RS-Viren, welche die Kinder krank machten. «Wobei dies Vermutungen sind, wir testen in der Regel nur Kinder mit langwierigen, schweren Verläufen oder bei Hinweisen auf eine atypische Lungenentzündung.» Auch eine Virusinfektion mit Magen-Darm-Viren gehe wieder um. «Gerade musste ich einem elf Monate alten Kind eine Infusion legen, weil es trotz Medikamenten weiterhin erbricht», sagt sie am Telefon.

Bei der Kinderpermanence Swiss Medi Kids in Zürich, Winterthur und Luzern ist der Andrang ebenfalls gross. «Die Kinder haben sehr lange sehr hohes Fieber», sagt Gesamtleiterin Katja Berlinger. Die Herausforderung für die Ärzte liege darin, die wirklich schwer kranken Kinder in der grossen Menge fiebriger Kinder zu erkennen.

Eine Entspannung ist momentan nicht in Sicht, die Kurve der Grippewelle zeigt weiterhin nach oben. Die Schulen sind davon in den nächsten Wochen weniger betroffen. Vielerorts haben die Schulferien bereits begonnen oder stehen vor der Tür.

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