Die Problemlöser und Botschafter von morgen werden in Wetzikon geformt
KZO-Vernissage und Prämierung
In der Aula der KZO können die Abschlussarbeiten der Maturandinnen und Maturanden bestaunt werden. Die sechs herausragendsten Werke wurden am Dienstag feierlich gewürdigt.
«Sie dürfen stolz auf sich sein», sind die feierlichen Worte, mit denen Rolf Debrunner die Prämierung in der Aula der Kantonsschule Zürcher Oberland (KZO) eröffnet. Der Biologielehrer ist Delegierter der Schulleitung für die Maturitätsarbeiten. «Mit Ihren Projekten haben Sie den wohl grössten Meilenstein Ihrer bisherigen Karriere gemeistert.»
An diesem Abend werden die herausragendsten sechs der 14 nominierten Projekte gewürdigt. Stolz stellen die jeweiligen betreuenden Lehrpersonen ihre Schützlinge und deren Arbeiten auf der Bühne vor. So auch Mathe- und Physiklehrer Albert Kern, der das Projekt «Entwicklung einer mikroskopischen Verkehrssimulation» von Ronny Siegenthaler begleitete.
Anfängliche Skepsis
Als sein Schüler ihm die schriftliche Zusammenfassung zum Lesen vorgelegt hatte, hat Kern keine allzu grossen Erwartungen gehabt. «Ronny hielt den Ball flach und sagte, er habe noch nicht so viel gemacht», erinnert er sich schmunzelnd. «Zu diesem Zeitpunkt war ich noch nicht mit seinem Understatement vertraut.»
Was er dann gelesen habe, sei schlicht verblüffend gewesen. «Der junge Mann hat das Verkehrsnetz von ganz Wetzikon detailgetreu mit allen Spuren, Ampeln und Vortrittsregeln in ein Simulationsprogramm gepackt.»
Diese Art von Programmen sei hilfreich, etwa um Verkehrsströme in Städten optimieren zu können. «In der Arbeitswelt gibt es Menschen, die Probleme erschaffen – Menschen wie Ronny hingegen lösen Probleme.»

Ganz nebenbei habe der talentierte Schüler Algorithmen programmiert, wie sie auch in Navigationssystemen verwendet würden. Ronny selbst hingegen bezeichne seine Programmierkenntnisse in seiner Arbeit als «bescheiden».
Auch nach seinem Auftritt zeigt sich Ronny als bodenständig: «Ich wollte etwas programmieren – zudem interessiere ich mich schon lange für den Strassenverkehr», erklärt er die Beweggründe für seine Themenwahl. Die Simulation zu erarbeiten, habe ihm Spass gemacht. «Dann jedoch alles schriftlich niederzuschreiben, habe ich zu Beginn etwas verschlafen.»
Freiheit bei der Themenwahl
Das Thema für die Abschlussarbeit kann jeder Kanti-Schüler frei wählen. Entsprechend gross ist die Bandbreite der Präsentationen. Im ersten Moment fühlt man sich im Foyer wie an einer Vernissage einer Kunstschule. Allerdings mit deutlich mehr Fakten und Resultaten. Viele Kleidungsstücke wurden entworfen, Kunstwerke gemalt oder gefertigt, Bücher geschrieben, Musikaufnahmen produziert.




Um Musik dreht sich auch die Arbeit von Tenzin Jorden Pangri. Der Schüler mit tibetischen Wurzeln fesselt die Zuschauer in der Aula mit traditionell tibetischen Musik- und Gesangseinlagen. Es sind Auszüge aus seinem Projekt «Nangma Toeshey, the essence of Tibetan music».
Auf der Bühne singt und spielt Jorden – so lautet sein Rufname – live, im Hintergrund läuft ein Playback von weiteren tibetischen Instrumenten – alle von ihm selbst gespielt und aufgenommen. Bis auf die Gitarre hat er auch alle Instrumente autodidaktisch erlernt.
Aus dem «Exil» an die Musiknoten für diese traditionellen Lieder zu gelangen, sei ein schwieriges Unterfangen gewesen. «Sowohl Tonaufnahmen als auch Noten existieren praktisch nur in Tibet», erklärt der 18-Jährige.


Wer den Vollblutmusiker auf der Bühne erlebt, wundert sich nicht, dass er in der tibetischen Gemeinschaft ein grosses Ansehen als Musik- und Tanzlehrer geniesst. Vergangenes Jahr hatte er gar die Ehre, eine Arie vor dem Dalai Lama im Zürcher Hallenstadion vorzutragen.
Für den Gymi-Schüler war schon früh klar, dass sich seine Maturitätsarbeit um tibetische Musik drehen würde. «Es liegt mir sehr am Herzen, die tibetische Kultur weiterzugeben», erklärt er. «Sie soll nicht verloren gehen.»
Betreut wurde er dabei von Solme Hong. Sein KZO-Cellolehrer und Mentor zeigt sich ergriffen über die Leistung seines Schülers: «Mit seinen erst 18 Jahren ist Jorden zu einem Botschafter der Kulturen geworden.»
Vielfalt sorgte für «Qual der Wahl»
Am Schluss der Feierlichkeiten, an denen weitere Maturanden mit Tanz- und Gesangseinlagen glänzen, strahlen die sechs ausgezeichneten Schüler um die Wette. Rolf Debrunner betont, wie schwer sich die achtköpfige Jury mit den Entscheiden getan hätte. «Wir haben unglaublich beeindruckende Werke gesehen und vor allem die Begeisterung für Ihre Projekte gespürt.»



55 der insgesamt 215 eingereichten Arbeiten sind im Aulafoyer ausgestellt. «So viele wie noch nie», freut er sich. Ob sie ihre Projekte ausstellen möchten, entscheiden gemäss Debrunner die Schüler in Absprache mit ihren betreuenden Lehrpersonen. «Der Weg, den Sie für Ihre Endprodukte gehen mussten, wird Ihnen auch auf Ihrem weiteren Lebensweg helfen.»
Nach dem offiziellen Teil lassen Schüler, Angehörige und Lehrpersonen den Abend beim Apéro im Foyer ausklingen. Dabei ist einerseits die Freude der Maturanden über ihren Erfolg zu spüren. Andererseits – und zwar sehr deutlich – ihre Erleichterung, diesen Weg geschafft zu haben.
