So kommt das Handyverbot bei Schülern und Eltern in Bubikon an
Sekundarschule verbannt Handy
Auf das neue Schuljahr hin führte die Oberstufe in Bubikon ein Handyverbot ein. Doch wie gehen die Schüler und die Eltern mit der Regel um?
Kurz vor Schulbeginn im letzten August erreicht eine Nachricht die Eltern und deren Kinder in Bubikon. Die einzige Oberstufenschule in der Gemeinde wird handyfrei. Smartphones dürfen neu auf dem ganzen Schulgelände weder sicht- noch hörbar sein. Zuvor begrenzte sich das Verbot auf die Innenräume, nun gilt es aber auch draussen während der Pausen.
Wie aus der Nachricht hervorgeht, will man sich mit den Schülerinnen und Schülern über die neuen handylosen Freiheiten, Pausen und Begegnungen freuen können. «Das Ziel des Handyverbots ist vor allem, dass die Jugendlichen wieder aktiver miteinander die Pausen verbringen, dass sie miteinander schwatzen und zum Beispiel Fussball spielen», sagt die Schulleiterin Theresa Gurle.
Rund ein halbes Jahr später haben die Schüler, die Eltern sowie die Schulleitung erste Erfahrungen gesammelt. Ein guter Moment, um die Vor- und Nachteile des Handyverbots zu ergründen.
Zwischen Freude und Wehmut
Das eingeführte Verbot erfreute nicht alle Schüler, wie Dominik Hess aus der ersten Oberstufe erzählt: «Manche waren wegen der Regel etwas wütend.» Dies, obwohl sich für seinen Klassenzug mit dem Übertritt in die Sekundarschule nichts änderte. In den zwei Bubiker Primarschulen gilt ohnehin ein Handyverbot.
In der Schule kann sich der 14-Jährige gut ohne Smartphone arrangieren. «Die neue Regel war für mich nichts Besonderes. Ich finde sie gut und würde sie so belassen.»
Auch eine 13-Jährige aus der zweiten Oberstufe, die anonym bleiben möchte, bestätigt: «Ein paar Jugendliche, die das Handy viel benutzten, waren genervt.» Sie aber sieht ebenfalls die positiven Aspekte des Verbots. «Die Schule lebt draussen in den Pausen wieder.» Auf dem Pausenplatz werde vermehrt Fussball gespielt, die Gespräche untereinander hätten auch zugenommen.
Die Mutter eines 13- und eines 15-jährigen Oberstufenschülers ergänzt: «Mein Sohn ist ebenso froh. Wenn alle auf das Smartphone verzichten, ist es einfacher, sich mit den Kollegen zu beschäftigen.»
Wie kam es zum Verbot?
Dass die Schule die Entscheidung für das Handyverbot selbständig traf, können hingegen eine 15-jährige Schülerin der dritten Klasse und ihre Mutter nicht nachvollziehen, wie Letztere berichtet: «Man sollte bei solchen Entscheiden mehr miteinbezogen werden.» Die Schülerinnen hätten sicher gute Ideen gehabt, wie man den Handykonsum hätte einschränken können.
Im November 2024 äusserte sich der Regierungsrat im Rahmen einer Anfrage zu Handyverboten an Schulen. Die Exekutive des Kantons unterscheidet in ihrer Haltung zwischen dem Verbot, ein Smartphone in die Schule mitzunehmen, und dem Verbot, Handys auf dem Schulgelände zu benutzen.
Ein Mitnahmeverbot erachtet der Regierungsrat als zu radikal. Ob die Schüler ihr Handy dabeihaben dürfen, sollen weiterhin die Eltern im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht entscheiden.
Bildungsdirektorin Silvia Steiner (Die Mitte) hingegen befürwortete in einem Interview im «Tages-Anzeiger» ein Nutzungsverbot. Sie sehe nicht ein, warum es im Unterricht oder auf dem Pausenplatz ein Smartphone brauche. Trotzdem geht ihr ein von der Politik diktiertes Verbot zu weit.
Der Regierungsrat empfiehlt den Schulen dafür, die Nutzung von Mobiltelefonen in der Schulordnung zu regeln und den Gebrauch während der Unterrichtszeit sowie an Schulanlässen zu verbieten. Die Entscheidungshoheit liegt somit weiterhin bei den Schulen.
Und die Schulen nutzen diesen Spielraum. Kürzlich testete beispielsweise die Kantonsschule Uster über eine Woche ein Nutzungsverbot für Schüler und Lehrpersonen auf dem Schulgelände. (jgu)
Bereits Monate zuvor diskutierten die Lehrpersonen und die Schulleitung über einen sinnvollen Umgang mit dem Handy, da sie vermeiden wollten, dass das Smartphone im Unterricht gezückt wird.
In den Gebäuden mussten die Lehrpersonen regelmässig die Jugendlichen darum bitten, das Handy zu verstauen. Auf dem Pausenplatz verbrachten die Schüler zudem viel Zeit mit Snapchat und Tiktok.
Schüler sahen kein Problem
In der Schule stellte das Handy aus Sicht einiger Schüler vor dem Verbot hingegen kein Problem dar. Zwar fiel auch ihnen hin und wieder auf, dass ihre Kollegen die Mobiltelefone benutzten. Allerdings habe der Gebrauch nicht überhandgenommen.
Wie eine 13-jährige Oberstufenschülerin erzählt, liessen sie und ihre Kolleginnen das Smartphone meist gleich zu Hause – teils aus eigener Motivation, teils wegen der Eltern. «Im Freundeskreis ist das Handy nicht so wichtig.»
Zwei Mütter teilen diese Einschätzung. Das Handy sei im Schulalltag zwar präsent gewesen, die Jugendlichen hätten das Mobiltelefon aber meist nicht mitgenommen.
Grenzen ausloten
Jedoch können einige Schüler auch heute nicht gänzlich auf ihr Mobiltelefon verzichten. «Die Handys werden etwa in der Zeichnungsstunde weiterhin versteckt hinter dem Thek benutzt», lässt ein Schüler durchblicken.
Zudem würden sich manche Jugendliche auf die Toilette zurückziehen, wenn sie ans Handy gehen wollten. Dies bleibe für die Lehrpersonen dabei oft unbemerkt.
Doch was passiert, wenn das Smartphone sichtbar ist? «Die Lehrpersonen weisen die Jugendlichen bei einem Verstoss darauf hin, das Handy auszuschalten und wieder zu verstauen», erklärt Schulleiterin Gurle. Dies sei aber überraschend selten der Fall. «Die Jugendlichen haben die Regel akzeptiert.»
Weniger Einnahmen beim Pausenkiosk
Einen Wermutstropfen des Handyverbots erleben die Jugendlichen derweil beim Pausenkiosk. Von Montag bis Freitag können die Schüler dort Toasts kaufen. Die dritten Klassen betreiben jeweils den Kiosk und erhalten dafür die Einnahmen, um die Budgets ihrer Klassenlager aufzubessern.
Doch seit diesem Schuljahr müssen die Jugendlichen bar bezahlen, wie es auch schon vor ein paar Jahren der Fall war. «Wir kauften früher häufig Toasts. Jetzt nutzen den Kiosk aber weniger Jugendliche, da die Zahlung durch Twint abgeschafft wurde», berichtet eine 13-Jährige.
Dass der Kiosk schlechter läuft, ist für eine Mutter verständlich. Denn sie überweist – wie auch andere Eltern – auf Wunsch ihrer Söhne das Sackgeld per Twint. Bargeld gehöre im Alltag mittlerweile zur Seltenheit.
Das Begehren, wieder per Twint Pausentoasts kaufen zu können, drang bisher nicht bis zur Schulleitung vor. Dabei könnten die Jugendlichen ihr Anliegen über das Schülerparlament einbringen, was bisher nicht geschah.
Tablets im Unterricht
Während des Unterrichts war die Handynutzung ohnehin verboten, sofern es die Lehrpersonen nicht spezifisch erlaubten. Die Sekundarschule setzt im Unterricht allerdings auf Tablets. Darauf greifen die Kinder auf Dokumente zu und erledigen Arbeiten. Jede Schülerin und jeder Schüler besitzt in der Oberstufe gar ein persönliches Gerät.
Auf den Tablets Spiele zu machen, ist für die Jugendlichen tabu. Einige Websites wurden deshalb blockiert. Doch die Schüler sind ideenreich. «Wir suchen jeweils nach anderen Sites, die noch nicht gesperrt sind», berichtet eine Schülerin.
Während des Unterrichts kommunizieren die Schüler gerne mal unbemerkt über E-Mails miteinander. So nutzen die Jugendlichen unter anderem Funktionen wie Airdrop, die das Versenden von Dateien unter Apple-Geräten ermöglicht. Dies flog allerdings auf, als versehentlich ein Foto an eine Lehrperson gesendet wurde.
Theoretisch können Letztere die Bildschirme der Tablets überwachen, tun dies aber gemäss dem Schüler nur selten.
Verbot bleibt bestehen
Die Handynutzung beschäftigt derweil nicht nur die Schule, sondern auch die Eltern, die zu Hause teils gegen einen exzessiven Konsum ihrer Kinder ankämpfen. Der Schüler Dominik Hess beispielsweise weiss, wie schwer es ist, selbst Herr über seine Handyzeiten zu sein. «Wenn ich erst mal am Handy bin, kann ich es nicht mehr loslassen.»
Während das Verbot auf den Konsum zu Hause aber keinen Einfluss hatte, erleben die Lehrpersonen in der Schule die positiven Seiten der neuen Regel. Im Unterricht sei mittlerweile mehr Ruhe eingekehrt, die Schüler würden sich vor allem in den Pausen wieder öfter miteinander unterhalten.
Das Schülerparlament hat vor Kurzem ausserdem einen Antrag auf eine Spielkiste, die in den Pausen verfügbar sein soll, gestellt. Diese könnte beispielsweise Fussbälle und Tischtennisschläger enthalten.
Die Erfahrungen der letzten Monate haben die Schule demnach in ihrer Haltung bestärkt: Das Handyverbot bleibt.