Winterhilfe für die gefiederten Nachbarn
«Naturschutz»
Vögel im Winter zu füttern, ist eine beliebte Möglichkeit, um die gefiederten Nachbarn aus nächster Nähe zu beobachten und ihnen gleichzeitig über die kalten Tage zu helfen. Dabei sind allerdings einige Punkte zu beachten.
Eine muntere Schar tummelt sich an der Futterstelle: Eine Kohlmeise klaubt zielsicher einen Sonnenblumenkern aus dem Futtergemisch, klemmt ihn zwischen die Zehen und öffnet die Schale mit ein paar kräftigen Schnabelhieben. Währenddessen turnen einige Blaumeisen am Futterturm herum, als gäbe es für sie keine Schwerkraft.
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Am Boden hüpfen Haussperlinge wie Gummibälle herum und sammeln auf, was anderen Vögeln heruntergefallen ist. Im nächsten Moment fliegt ein Rotkehlchen – Vogel des Jahres – herbei und keift die Kohlmeise an. Diese scheint ihren Hunger für den Moment gestillt zu haben und fliegt ins nahe Gebüsch.
Man kann die gefiederten Nachbarn beobachten, so oft man will – langweilig wird es nie. Doch was bewirkt das Füttern bei den Vögeln? Tun wir der Natur etwas Gutes?
Wenn füttern, dann fachgerecht
Vögel halten keine Winterruhe. Sie müssen ihre hohe Körpertemperatur von 38 bis 42 Grad Celsius aufrechterhalten, um aktiv bleiben und fliegen zu können. Während der kalten Jahreszeit erfordert dies besonders viel Energie; die Vögel müssen regelmässig genügend fressen. Da sie aber gut an die Verhältnisse in unseren Breitengraden angepasst sind, finden sie in der Regel auch an kalten Wintertagen genügend Nahrung.
Wenn allerdings über längere Zeit eine geschlossene Schneedecke liegt oder Frost herrscht, können Futterstellen den Singvögeln das Überleben erleichtern. Laut Vogelschutzorganisationen wie der Vogelwarte Sempach ist die Vogelfütterung im Winter biologisch gesehen nicht nötig, aber wenn sie richtig und massvoll erfolgt, auch nicht schädlich. Voraussetzung ist, dass einige Grundsätze beachtet werden. Sofern geeignetes Futter massvoll und in sicherer Umgebung angeboten wird, kann ein Futterhäuschen sogar auf einem Balkon betrieben werden.
Ganzjähriger Vogelschutz dank naturnahen Flächen
Von den Futterstellen im Winter profitiert nur ein Teil der Vogelarten – nämlich die Vögel in unseren Siedlungen, die sich an die Anwesenheit von Menschen gewöhnt haben. Für den ganzjährigen Schutz einer artenreichen Vogelwelt braucht es intakte und vielfältige Lebensräume. Mit einem naturnah gestalteten Garten oder Balkon kann jede und jeder einen Beitrag dazu leisten und sich das ganze Jahr am emsigen Treiben der gefiederten Nachbarn freuen.
Vögel füttern im Winter – was ist zu beachten?
Wie? Futterstellen und die Bereiche darunter sind sauber zu halten, um das Risiko von Krankheitsübertragungen zu reduzieren. Das Futter darf nicht in Kontakt mit Kot kommen. Verwenden Sie eine Futtersäule oder ein Futterhaus mit schmaler Krippe. Räumen Sie das Gemisch aus Futterresten und Kot, das unter Futterhäuschen anfällt, regelmässig weg. Bieten Sie täglich frisches Futter an und nur so viel, wie die Vögel an einem Tag fressen.
Wo? Platzieren Sie die Futterstelle an einem möglichst übersichtlichen Ort, wo sich keine Katzen verstecken können. Die Vögel brauchen trotzdem Deckung, in die sie bei Gefahr flüchten können; Bäume und dichte Sträucher in einigen Metern Entfernung sind optimal.
Wo nicht? Halten Sie mit Ihren Futterstellen Distanz zu Glasscheiben. Gläserne Balkonbrüstungen, Wintergärten oder spiegelnde Fensterscheiben sind für Vögel kaum erkennbar. Verzichten Sie in unmittelbarer Nähe davon auf Futterstellen.
Was? Das Futter soll möglichst der natürlichen Nahrung entsprechen. Da viele Vögel im Winter vor allem Samen und Beeren fressen, bieten Sie den Vögeln am besten handelsübliche Körnermischungen, Haferflocken, Äpfel, Weinbeeren oder gehackte Baum- und Haselnüsse an.
Was sagt das Gesetz? Wildtiere sind in der Regel auch im Winter nicht auf die Fütterung durch Menschen angewiesen. Was gut gemeint ist, kann zur Übertragung von Krankheiten und zu unnatürlichem Sozialverhalten der Tiere führen. Deshalb ist seit der Einführung des neuen Jagdgesetzes vor zwei Jahren die Fütterung von Wildtieren wie Füchsen oder Greifvögeln verboten. Singvögel und Wasservögel, also Enten und Schwäne, dürfen weiterhin gefüttert werden.
Zur Artikelserie im Jahr 2025
Die Stadt Illnau-Effretikon und die Gemeinde Lindau haben im Frühling 2022 eine Kampagne gestartet, um die Bevölkerung über den Nutzen und die Schönheit von Biodiversität im Siedlungsraum zu informieren. Monatlich erscheint im «Regio» ein Artikel zum Thema.