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Waschhaus und Spinnerei suchen neue Besitzer in Bauma

Eine kernsanierte Spinnerei und ein historisches Waschhaus ziehen Interessierte nach Bauma. Die Gebäude erzählen Geschichte und bieten Potenzial für Rendite oder individuell gestalteten Wohnraum.

Das ehemalige Waschhaus steht am Dorf- beziehungsweise am Waldrand.

Foto: Homegate

Waschhaus und Spinnerei suchen neue Besitzer in Bauma

Immobilien im Tösstal

In Bauma sind zwei historische Immobilien auf dem Markt. Eine wird als «Umbautraum» beworben, die andere als Renditeobjekt.

David Herter

Unterschiedlicher könnten die beiden Immobilien nicht sein. Da ist einerseits das Hauptgebäude einer ehemaligen Spinnerei. Und andererseits ein ehemaliges Waschhaus der Fabrik. Die beiden historischen Gebäude stehen am Müliweg in Bauma, 100 Meter voneinander entfernt.

Man sieht ein Haus, welches verkauft wird, im Tösstal.
Die als Mehrfamilienhaus beworbene Fabrik wird von der Narva Group für 14,7 Millionen Franken angeboten.

Die Spinnerei wurde im Jahr 1863 von Heinrich Gujer gebaut und 2022 «kernsaniert». Im Hauptgebäude fanden zehn grosszügige Wohnungen Platz mit insgesamt 2108 Quadratmetern Wohnfläche. Die als Mehrfamilienhaus bezeichnete Fabrik sowie weitere Gebäude mit Gewerbeflächen werden von der Verkäuferin, der Narva Group, für 14,7 Millionen Franken angeboten.

Man sieht ein Haus, welches verkauft wird, im Tösstal.
Die hohen Räume und die Fensterbänke der sanierten Räume erinnern an die Vergangenheit des Gebäudes als Baumwollspinnerei und -weberei.

Laut der Ausschreibung winkt bei Mieteinnahmen von 650’000 Franken pro Jahr eine Rendite von 4,4 Prozent. In anderen Inseraten auf Immobilienportalen sind Wohnungen und Gewerbeflächen auf dem Areal bereits zur Miete ausgeschrieben. Alles ist per sofort verfügbar.

Auch das ums Jahr 1870 erstellte Waschhaus gehört der Narva Group. Das Häuschen mit zweieinhalb Zimmern sei ein «Umbautraum», schreibt diese. Es sei eine seltene Gelegenheit, eine Immobilie nach eigenen Wünschen zu gestalten – «mit der Auflage, dass das Gebäude dem charakteristischen Ortsbild entspricht». Das heisst, dass das Haus so erhalten bleiben muss, wie es ist. Allenfalls ist aber ein Anbau möglich.

Man sieht ein Haus, welches verkauft wird, im Tösstal.
Der grosszügige Garten des Waschhauses sei ideal für Naturliebhaber, schreibt die Verkäuferin.

Das ehemalige «Wöschhüüsli» der Fabrik liegt wie das Hauptgebäude am Anfang des Tals von Bauma hinauf nach Bäretswil. Im selben Tal liegt auch das Spinnereimuseum Neuthal. Mit 546 Quadratmetern Land kostet das Häuschen 370’000 Franken. Es ist schon länger ausgeschrieben und ebenfalls per sofort zu haben.

Schweigende Verkäuferin, erfolgreicher Redner

Über die Narva Group ist im Internet wenig mehr zu finden, als dass sie gegenüber Medien wortkarg ist und dass es an vielen Orten in der Schweiz Firmen ähnlichen Namens gibt, wie Narva Bauen AG, Narva Capital AG oder Narva Investments AG. Unter der auf der Website narva.ch angegebenen Telefonnummer ist das Unternehmen aktuell nicht zu erreichen. Auf Instagram zeigt die Firma mit Büro in Zürich Bilder von Häusern in Bauma, Herisau und Lugano.

Mehr ist im Netz über den Erbauer der Spinnerei zu finden. Heinrich Gujer war Müller, bevor er am Müliweg neu baute. «Schlauer Müller» wurde er genannt. Als 1830 am Ustertag 10’000 Menschen gegen die Bevormundung der Landschaft durch die Stadt Zürich demonstrierten, war er der erste Redner.

Man sieht ein Haus, welches verkauft wird, im Tösstal.
Am Ustertag im November 1830 war Heinrich Gujer erster Redner. Er forderte unter anderem die Volkswahl des Kantonsrats.

Gujer verlangte die Einführung der Volkswahl aller Kantonsräte, öffentliche Kantonsratssitzungen und von den politischen Behörden unabhängige Richter. Der Staatsrat (heute: Zürcher Regierungsrat) gab dem Druck nach. Heinrich Gujer wurde zum ersten Statthalter des Bezirks Pfäffikon gewählt.

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