Oper ist langweilig? Nicht, wenn Mozart in der Garage Wetzikon rockt
Überraschende Version der «Zauberflöte»
Mit ihrer unkonventionellen Adaption der «Zauberflöte» bringen eine Sopranistin, ein Tenor und eine Pianistin die grosse Oper mitten unter die Leute. Stilbrüche, Überraschungen und Spass sind Programm.
Eine Sopranistin, eine Regisseurin und ein Tenor sitzen am Tresen in der Wetziker Garage und nippen an ihren Espressotassen. Gerade rätseln sie darüber, ob ihnen der Titel für ihre Oper-Adaption «Die Zauberflöte – what else?» eigentlich beim Kaffeetrinken eingefallen ist.
Die Stimmung ist heiter und entspannt. «Es matcht einfach zwischen uns», sprudelt es aus Anna Gitschthaler heraus. «Einer der vielen Vorteile, wenn man eigene Projekte realisiert, ist, dass man sich seine Kollegen selbst aussuchen kann.»
Die Sopransängerin hat sich mit dem Tenor Daniel Bentz, der Pianistin Annkatrin Isaacs und der Regisseurin Adela Maria Bierich zusammengetan.


Die Profimusiker spielen mit ihrer eigenen Version von Mozarts «Zauberflöte» auf verschiedenen dörflichen Bühnen im Kanton Zürich. Doch was können sich die Besucher unter einer eigenen Version vorstellen?
«Vor allem sehr viele Stilbrüche», erzählt Daniel Bentz. Dabei bezieht er sich auf den Musik-Mix, wenn Mozart auf Pop, Rock und Jazz trifft.
Die Künstler erzählen zwar die Geschichte der Zauberflöte. Bei der Musik bedienen sie sich aber aus allen möglichen Genres. So kann es sein, dass eine Arie in Nemos Eurovision-Hit übergeht oder die Protagonisten zu Queen rocken. «Wir finden für jede Emotion die passende Melodie», sagt Bentz erfreut.
Doch nicht nur musikalisch tanzt die Oper aus der Reihe, denn die zwei Hauptakteure Gitschthaler und Bentz verkörpern insgesamt 18 Figuren. Mit einigen wenigen Accessoires schlüpfen sie jeweils in einen anderen Charakter.
Auch die Pianistin ist mit einer Rolle ins Programm eingebunden. «In unserer Geschichte schläft Annkatrin Isaacs beim Klavierüben über ihren Noten ein», verrät Anna Gitschthaler. «In ihrem Traum vermischen sich verschiedene musikalische Werke und wir finden uns alle in ihrem Alptraum wieder.»
«Manpower» statt Orchester
Dass diese Adaption mit einfachen Mitteln umgesetzt wird – ohne grosses Orchester beispielsweise – bezeichnet Adela Maria Bierich als besonders reizvoll.
Als Regisseurin versucht Bierich, den Bogen über das ganze Stücke zu spannen. «Eine nicht ganz leichte, aber wahnsinnig spannende Herausforderung, wenn vier kreative Köpfe vor spontaner Einfälle sprühen.»
Warum gerade die Zauberflöte? «Wir ‹spinnten› zu dritt am Klavier herum und kamen wohl eher zufällig auf diese Idee», gesteht Anna Gitschthaler.

Obschon Mozarts Werk eine der meistgespielten Opern ist, beschreibt Adela Maria Bierich die Geschichte als nicht unproblematisch. Es geht um Sklaverei, Rassismus und Sexismus. «Gerade aus heutiger Sicht sorgt das für Reibungsfläche – das Interessante daran ist, den Stoff zu hinterfragen.»
Für ein Wechselbad der Gefühle sorgt auch der Verlauf der Geschichte: «Sie rutscht von der Komödie in die Tragödie.»
Für den Startenor ist es die Dichte an Hits, welche die Zauberflöte so erfolgreich macht. «In unserer Adaption verdichten wir die Hits zusätzlich», sagt er mit einem Augenzwinkern.
Ehrerbietung für das Oberland
Dass die Premiere in Wetzikon stattfindet, hat einen bestimmten Grund. Gitschthaler und Bentz standen bereits 2023 im Rahmen des Wetziker Jubiläums «250 Jahre Hans Georg Nägeli» gemeinsam auf der Bühne.
Bei ihren Auftritten unter anderem am «Kästner-Festival» lernte Anna Gitschthaler dann die Kultur Garage kennen. «Ich habe mich sofort in diesen Raum mit seiner besonderen Atmosphäre verliebt», erinnert sich die Sängerin. «Durch den fehlenden Orchestergraben und die Nähe zur Bühne sind die Besucher hier ganz nah am Geschehen», so Bentz.
Die beiden Sänger haben eine weitere Verbindung zum Oberland. Die gebürtige Österreicherin Anna Gitschthaler lebt seit über zehn Jahren in Pfäffikon. Der Tenor Daniel Bentz wiederum, der seit 2016 für «I Quattro» singt, wuchs in Pfäffikon auf. «Für uns stand sofort fest, dass die Premiere im Oberland stattfinden muss», erzählt Gitschthaler.
Premiere in Wetziker Kultur Garage
Sopran - Anna Gitschthaler
Tenor - Daniel Bentz
Klavier - Annkatrin Isaacs
Regie und Dramaturgie - Adela Maria Bierich
Samstag, 1. Februar 2025 19.30 Uhr
Sonntag, 2. Februar 2025 17.30 Uhr
Tickets sind online und an der Abendkasse erhältlich.
Weitere Spieldaten am 29. und 30. Mai im Theater Ticino in Wädenswil und am 5., 6., 7. und 8. Juni im Theater Stok in Zürich.
