Die Klimaerwärmung lässt Frösche und Kröten ausser Plan losziehen
Tierschutz ist gefordert
Der Start der Amphibienwanderungen wird immer unvorhersehbarer. Das stellt Tierschutzorganisationen wie die Susy-Utzinger-Stiftung in Kollbrunn vor Herausforderungen.
Jedes Frühjahr kehren schweizweit Hunderttausende von Amphibien zu ihren Heimatgewässern zurück. Dort paaren sie sich und legen ihren Laich ab. Die Amphibienwanderungen beginnen, sobald die Temperaturen 5 Grad übersteigen und die Luftfeuchtigkeit hoch genug ist.
Eröffnet wird der Massenaufbruch jeweils von den Grasfröschen und Molchen, etwas später folgen dann die Erdkröten. Doch der Beginn dieser Wanderung lässt sich immer schwerer vorhersagen. Steigende Temperaturen und veränderte Wetterbedingungen verschieben den Start zunehmend nach vorn.
2024 bereits Ende Januar unterwegs
Ein Phänomen, das auch die Tierschützer fordert, wie die Susy-Utzinger-Stiftung in Kollbrunn bestätigt. Diese ist für die Amphibienzüge rund um den Brauiweiher bei Weisslingen zuständig. Dafür arbeitet sie eng mit dem kantonalen Amt für Landschaft und Natur (ALN) zusammen.
Auf ihren bis zu einigen Kilometern weiten Wanderungen zum Weiher überqueren Frosch und Co. oftmals die Illnauerstrasse, eine Tempo-80-Strecke. Zwar hat die Gemeinde Weisslingen entlang der Strasse Schutzzäune aufgestellt. Eingesammelt werden die hier auflaufenden Amphibien aber jeweils von einem rund zehnköpfigen Freiwilligenteam der Stiftung.
«In den letzten Jahren hat sich gezeigt, wie unvorhersehbar die Wanderungen geworden sind», sagt Sprecherin Myrto Joannidis. «Vor einem Jahr beispielsweise startete sie aufgrund der milden Temperaturen bereits Ende Januar.» Normalerweise würden sich die Tiere frühestens Mitte bis Ende Februar auf ihre gefährliche Reise begeben. «Dann, wenn auch wir Menschen spüren, dass der Frühling in der Luft liegt.»

Da die Amphibien vor allem in den feuchten Nächten unterwegs sind, erfolgen die Einsätze der sogenannten Frosch-Taxis jeweils spätabends und frühmorgens. «Zu solchen Unzeiten in die Gummistiefel zu steigen, liegt nicht jedem», sagt Myrto Joannidis. Es sei daher nicht immer einfach, genügend Freiwillige zu finden, gerade auch, weil die Einsätze ja oft bei Regenwetter stattfinden würden. «Ziehen die Tiere dann auch noch einen ganzen Monat früher los als sonst, müssen unsere Helfenden zeitlich nochmals flexibler sein.»
Tödlicher Strömungsdruck der Autos
2024 transportierten die Frosch-Taxis insgesamt 3666 Tiere zum Brauiweiher, 2023 und 2022 waren es 6272 respektive 5196 Exemplare. Die Ursache für die stark schwankenden Zahlen kann Myrto Joannidis nicht festmachen. Mögliche Einflussfaktoren seien etwa lange Trockenphasen im Sommer oder eine Veränderung beim Nahrungsangebot und der Zahl der Fressfeinde. Oder aber wie kürzlich Bauarbeiten am Weiher.
Trotz allen Sicherheitsmassnahmen geraten jedes Jahr schweizweit viele Amphibien auf die Strassen. Die Susy-Utzinger-Stiftung für Tierschutz rät Autofahrenden deshalb, Strassen, die mit dem Frosch-Warndreieck gekennzeichnet sind, nach Möglichkeit abends und nachts zu umfahren.
Sei dies nicht möglich, solle man das Tempo auf 30 Kilometer pro Stunde und weniger reduzieren. «Denn auch wenn die Tiere nicht direkt überfahren werden, schädigt der Strömungsdruck der Autos ihre inneren Organe in der Regel so stark, dass sie daran sterben», sagt Sprecherin Joannidis. Oder etwas drastischer ausgedrückt: Sie platzen.
