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Ein kleines Familientreffen nach 500 Jahren

Letzte Woche trafen sich in Wetzikon die Nachfahren einer Adelstochter aus dem Tösstal und einem ehemaligen Mönch aus Rüti.

Das Treffen der Familie Messikommer mit einer Vertreterin der Familie von Landenberg (Marie-Luise von Falz-Fein mit Schal in der Mitte) fand am 15. Januar in der Garage Wetzikon statt.

Foto: Christian Brändli

Ein kleines Familientreffen nach 500 Jahren

Oberländer Adelsgeschlecht

Eine Adelstochter aus dem Tösstal und ein ehemaliger Mönch aus Rüti stehen am Anfang eines Treffens, das letzte Woche in Wetzikon über die Bühne ging.

Es ist der 10. August 1526, als ein junges Paar in der Kirche Turbenthal vor den Traualtar schreitet. Das Besondere an dieser Hochzeit ist, dass mit Helena von Breitenlandenberg eine Tochter aus dem damals bedeutendsten Adelsgeschlecht im Tösstal – und weit darüber hinaus – einen Nicht-Adeligen ehelicht, den Heinrich Messikommer.

Und dieser Heinrich Messikommer hat seinerseits eine aussergewöhnliche Laufbahn vorzuweisen. So ist er Mönch im Prämonstratenserkloster Rüti. Mit der Aufhebung des Konvents muss er sich jedoch ein neues Leben erfinden.

Die Reformation setzt dem katholischen Orden ein Ende. Messikommer wird reformierter Pfarrer in Seegräben, dessen Kirche zum Kloster Rüti gehörte. Und als Pfarrer von Seegräben findet er schliesslich auch irgendwie zu Helena von Breitenlandenberg.

Eine kostengünstige Lösung für die Landenberger

«Die Heirat mit einem Nicht-Adeligen ist für diese Zeit eher ungewöhnlich», hält der Historiker Peter Niederhäuser fest. «Ein ehemaliger Mönch besass aber ein deutlich besseres Profil beziehungsweise mehr Ansehen als andere Männer.»

Wegen der Reformation war den Töchtern aus adligem Haus auch die Möglichkeit genommen worden, als Nonne in einem Kloster unterzukommen. «Mit dieser Heirat konnten die Eltern die Tochter versorgen, ohne dass es zu viel kostete.»

Belegt ist die Hochzeit im Jahrzeitenbuch Turbenthal. «Dieser Eintrag ist ein Glücksfall», meint Niederhäuser. Denn abgesehen von einem Vermerk im Pfarrbuch Weisslingen, den Heinrich Messikommer selbst vornahm – ab 1536 wirkte er dort als Pfarrer –, existieren keine weiteren bekannten Quellen. Vor allem fehlt ein Ehebrief, der genaueren Aufschluss über die Hochzeit geben würde.

Nachfahren an der Mosel

Knapp 500 Jahre nach der Hochzeit führt Peter Niederhäuser Nachkommen der beiden Familien seinerseits in der Garage Wetzikon zusammen. Anlass dazu bietet die Vernissage zum neuen Geschichtswerk «Zwischen Tradition und Innovation. Gesichter des Zürcher Oberlandes». Immerhin erhalten die Herren von Landenberg darin gebührend Erwähnung.   

Während die Landenberger und ihre Linien Hohen- und zuletzt noch Breitenlandenberg in der Schweiz im 19. Jahrhundert ausstarben, gibt es bis heute einige wenige Vertreter der Familie im Breisgau und an der Mosel in Rheinland-Pfalz. Und zu Letzteren hat Niederhäuser Kontakt, insbesondere zu Hildegunde Trimborn-von Landenberg. Deren Familie betrieb bis vor einigen Jahren ein Weingut an der Mosel. Auf diesem war Niederhäuser zusammen mit dem Historischen Verein Weisslingen einmal zu Gast.

Und vor allem hat dieser Familienzweig auch den Kontakt ins Tösstal behalten. «Ich habe mit Frau Trimborn-von Landenberg einmal im Gasthof Gyrenbad ob Turbenthal gegessen», erinnert sich Niederhäuser. Dieses Bad gehörte einst den Landenbergern.

Für das Treffen mit Vertretern der Familie Messikommer liess sich die mittlerweile betagte Hildegunde Trimborn-von Landenberg allerdings durch eine ihrer Töchter vertreten, Marie-Luise von Falz-Fein, die im Fürstentum Liechtenstein daheim ist.

«Unsere emotionale Verbindung ins Tösstal brach nie ab», betont diese. Immerhin befindet sich die Familiengruft der Landenberger in der Kirche Turbenthal. Doch Marie-Luise von Falz-Fein gefällt auch die Gegend hier. «Das Zürcher Oberland ist ein schönes Gebiet», das sie auf dem E-Bike erkundet habe.

Grosses Treffen zum Jubiläum

Werner Messikommer wollte sich – als Nachfahre der «Stammmutter» der Messikommer – die Gelegenheit für dieses einmalige Treffen mit einer Nachfahrin der Landenberger nicht entgehen lassen. Deshalb hat der Seegräbner Architekt eigens einige weitere Familienangehörige für ein kleines Familientreffen mit gemeinsamem Foto aufgeboten. Schliesslich erhalten so die Ahnenlinien ein weiteres Gesicht.

Im nächsten Jahr will Messikommer dann aus Anlass des 500. Jahrestags der Hochzeit, die den Grundstein für die Abstammung aller Messikommer legte, ein grosses Familientreffen organisieren. Dieses soll dereinst auch zu den für die Familiengeschichte zentralen Orten führen, unter anderem nach Rüti zum einstigen Kloster und auf die Ruine Breitenlandenberg oberhalb von Turbenthal.

Der einst mächtige Sitz wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts geschleift, nachdem der letzte Besitzer aus der Familie Werdmüller im Jahr 1801 in Konkurs gegangen war. Steine aus dem Abbruch fanden Verwendung beim Bau der ersten Baumwollspinnerei in Turbenthal.

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