Sie schreibt, um Menschen und deren Berufe zu erforschen
Aufgepeppte Pflanzenkunde
Die Bestsellerautorin Daniela Schwegler hat 13 Kräuterleute porträtiert. Daraus ist ein Buch über Heilwissen, Kräuterhexen und keltische Bräuche entstanden.
Für ihre Bücher folgt Daniela Schwegler vor allem ihren eigenen Interessen. «Die Neugierde treibt mich an», sagt die studierte Juristin über sich selber. An ihrer Arbeit als Autorin mag sie, dass sie mit ganz unterschiedlichen Menschen in Kontakt kommt, manchmal entstehen sogar Freundschaften daraus. «Ausserdem bringt es mich an ganz unterschiedliche Orte in der Schweiz.»
So hat die Bestsellerautorin aus Wald schon Älplerinnen, Bergführerinnen, Hüttenwartinnen und Bergbäuerinnen besucht und Porträts über sie geschrieben.
Anstoss zu ihrem neuesten Buch «Grünkraft» gab eine Ausbildung an der Kräuterakademie Salez im Rheinthal. «Davor kannte ich vielleicht höchstens den Löwenzahn oder die Schlüsselblume», sagt Schwegler.
Mit der Natur leben und von ihr lernen
Mit der Ausbildung hat es der Walderin richtig den Ärmel reingezogen. «Erstaunlich, wie reich uns die Pflanzenwelt beschenkt – nur sehen wir es manchmal gar nicht.»
Durch die Kräuterakademie hat sie zum Beispiel das Mädesüss kennengelernt. «Mit dieser einheimischen Pflanze kann man Wasser aromatisieren.» Zudem produziere die Heilpflanze Salicylsäure, einen Stoff, der gegen Kopfschmerzen wirke und Erkältungsbeschwerden lindere. Dieser ist als Verbindung auch im Medikament Aspirin vorhanden.
In «Grünkraft» hat die Bestsellerautorin ganz unterschiedliche Kräuterleute porträtiert. Darunter Kräuterhexen, Köchinnen, Bierbrauerinnen und Workshop-Leiterinnen. «Meret Bissegger, die Ikone der Schweizer Wildkräuterküche, hatte ich schon länger auf dem Radar.» Sie ist wohl die Bekannteste unter den Porträtierten mit ihrer hippen Wildpflanzen-Küchenkunst.
Giftig oder heilend?
«Eigentlich hat jede Pflanze eine Heilkraft, zum Beispiel auch die vermeintlich giftige Vogelbeere», sagt Schwegler und schmunzelt. «Aber Achtung, die Dosis macht das Gift», zitiert sie Paracelsus. Man soll alles mit Mass konsumieren.
In Schweglers Buch hat jede porträtierte Person auch ein Rezept mit einer speziellen Wildpflanze beigesteuert. Es wird mit Zutaten gekocht, die man nicht direkt im Essen vermuten würde. Zum Beispiel die Vogelbeere, die zum Vogelbeeren-Chutney von Sarah Sarita Glaser vorgeschlagen wird. Die Köchin beschreibt, wie die Beeren ihre Bitterkeit verlieren, wenn man sie für 24 Stunden im Wasser einlegt.
Auch der Fliegenpilz kommt am Rande vor. «Uns wird gesagt, der Fliegenpilz sei höchst giftig, gleichzeitig ist er ein altes Heilmittel aus der keltischen Tradition», erklärt Schwegler.
Mehrgleisige Lebenswege
Ein Blick ins Buch verrät, dass Schwegler Wildpflanzenexperten aus der ganzen Schweiz gesucht und gefunden hat. Was sie alle eint – und auch auf Schwegler selber zutrifft: Die meisten von ihnen haben mehrere Berufsbezeichnungen. So sind sie zum Beispiel Drogistin und Bierbrauerin, Köchin und Informatikerin oder Grafikerin und Phytotherapeutin.
Auch Schwegler hat keinen geradlinigen Lebenslauf. «Ich habe die Kanti und danach auch eine Töpferlehre abgebrochen», erzählt die gebürtige Thurgauerin. Die Matura hat sie auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt.
Später hat sie nur Jus studiert, weil sie für die nationalen Medien arbeiten wollte. «Ich dachte, weil ich keinen Verleger-Onkel und keine Beziehungen habe, müsste ich erst Jus oder Wirtschaft studieren.»
Gerechtigkeit trieb sie an
So kämpfte sie sich durch die Juristerei. «Das war mir alles viel zu formelhaft, ich fühlte mich in der Sprache eher unfrei.» Dennoch trieb sie die Frage an, was Gerechtigkeit bedeutet.
Als sie dann bei einigen Sexualdelikten im Gerichtssaal sass und beobachtete, dass fast alle Verurteilten freigesprochen wurden, hat sie den Glauben an die Gerechtigkeit verloren. Sie wendete sich immer mehr der Sprache und dem Schreiben zu und landete schliesslich im Journalismus.
Zuerst bei der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA), dann beim juristischen Fachmagazin «Plädoyer». Bei der Zeitschrift «reformiert» schrieb sie immer öfters auch längere Porträts über Menschen, die ihrem Herzensweg folgen.
Darauf folgte 2011 ihr erstes Buch «Unter der Haube». Darin taucht Schwegler mit ihrer Co-Autorin Susan Bosshard-Kälin in das Leben von 20 Diakonissinnen ein. Diakonissinnen tragen auch heute noch eine Haube, als Zeichen dafür, dass sie ein gottgeweihtes, einfaches Leben im Zölibat führen.
«Früher durfte eine Frau, die verheiratet war, nur mit einer Haube an die Öffentlichkeit treten», erklärt Schwegler.
Viele Jobs unter einem Hut
Die Autorin selber hat keine Haube, doch viele Hüte auf. Denn ein Buch herauszugeben, ist kein Kinderspiel. Für ihr jüngstes Projekt machte Schwegler fast alles selber: vom Fundraising über das Marketing bis zur Organisation von Lesungen. Nur den Vertrieb übernimmt der AS-Verlag.
Sie habe bei sich in Wald nicht die Möglichkeit, all ihre Bücher zu lagern. Zudem sei der Vertrieb ein komplexes System. Deswegen ist «Grünkraft» eine Kollaboration ihres eigenen Buchverlags Wörterglück mit dem AS-Verlag. Zwei Jahre brauchte Schwegler für das Buch. Das scheint in Anbetracht dessen, dass sie vieles selber machte, gar nicht mal so lang.
«Am liebsten sind mir die Besuche bei den Menschen und die Interviews», sagt die Autorin. Eine nicht zu unterschätzende Arbeit sei danach jeweils das Transkribieren der aufgenommenen Gespräche. Schwegler versucht dies neu mit künstlicher Intelligenz (KI) zu lösen und testet momentan verschiedene Programme dafür aus.
Eigener Garten als Ressource
Auch Daniela Schwegler kultiviert eigene Heilkräuter in ihrem Garten vor dem Haus. Doch an dem Tag des Besuchs regnet es in Strömen, kein guter Tag, um den Garten zu besichtigen.
In ihrem Garten pflanzt sie unter anderem auch Johanniskraut. «Es hellt die Stimmung auf – vor allem im Winter.» Doch auch das Johanniskraut soll man mit Vorsicht geniessen. Wenn man es einnimmt, darf man nicht zu lange an die Sonne. Denn sonst gebe es Hautflecken.
Mittlerweile arbeitet Schwegler schon an einem neuen Projekt. Auch hier folgt sie ihrer Neugierde. «Ich befasse mich zurzeit mit medialen Menschen, die Kontakt mit dem Jenseits aufnehmen und Auren lesen können.» In ihrem neuesten Werk wird sie unter anderen auch das Medium Martina Camenzind porträtieren.