Überwintern in Zeiten des Klimawandels
Naturschutzserie
Unsere Winter werden milder, doch nicht für alle Tiere wird das Leben leichter. Autorin Barbara Leuthold Hasler erklärt, warum warme Winter für manche Wildtiere sogar gefährlich sind.
Zugvögel fliegen im Herbst bekanntlich in den Süden. Angeregt durch warme Herbsttage bleiben einzelne Individuen jedoch bei uns, und dies in zunehmender Zahl. So sind zum Beispiel Stare immer öfter im Winter zu sehen. Die Vögel, die hierbleiben, sparen sich die gefährliche und energiezehrende Reise und sind im Frühling als erste am Brutplatz.
Diese Vorteile kippen allerdings ins Negative, wenn ein längerer Kälteeinbruch kommt und die daheimgebliebenen Stare zu wenig Nahrung finden. Welche Strategie die bessere ist – nach Süden ziehen oder hierbleiben – gleicht einem Glücksspiel.
Gefährliche Wärmeeinbrüche
Unter den Insekten können milde Winter grosse Verluste verursachen. Sommerliche Temperaturen verleiten sie dazu, ihre geschützten Winterquartiere zu verlassen und auf Nahrungssuche zu gehen. Honigbienen fliegen beispielsweise ab 12 °Celsius aus.

Da aber kaum Pflanzen blühen, finden die Bienen keine Nahrung. Wenn die Temperaturen wieder sinken, schaffen es die Insekten manchmal nicht rechtzeitig zurück in ein geschütztes Versteck. Oder der Ausflug hat sie so viel Energie gekostet, dass diese nicht bis zum Frühling reicht.
Ähnlich geht es Säugetieren wie dem Igel, die einen Winterschlaf abhalten. Wird es zu warm, erwachen sie und gehen auf Wanderschaft. Nahrung finden sie mitten im Winter trotz der hohen Temperaturen kaum. Ihr Rhythmus ist gestört, und sie müssen von ihren Fettreserven zehren.
Schützende Schneedecke
Auch für gewisse kleine Tiere, die keinen Winterschlaf halten, können milde Winter schwieriger sein als kalte, schneereiche. Vor allem für Mäuse ist dies der Fall. Eine geschlossene Schneedecke schützt die kleinen Nager wunderbar vor Kälte und Fressfeinden. Ohne Schnee werden sie dagegen leicht zur Beute von Rotmilanen, Schleiereulen oder anderen Feinden.
Womit auch gesagt ist, wer von warmen Wintern profitiert: Tiere, die ihre Nahrung bevorzugt am Boden suchen, haben es in warmen, schneearmen Wintern leichter, als wenn über längere Zeit Schnee liegt.
Was kann ich tun?
Egal, wie warm oder kalt der Winter ist, Tiere brauchen trockene, frostsichere (aber nicht zu warme) und störungsfreie Unterschlüpfe.
- Verschliessen Sie nicht alle Unterschlüpfe an Gebäuden. Lassen Sie da, wo es nicht stört und keine Folgeschäden entstehen, Nischen, Spalten oder Löcher offen. Viele Vögel suchen zum Beispiel gerne Rollladenkästen, geschützte Vorsprünge an Fassaden oder Dachbalken als Schlafplätze auf. Gewisse Schmetterlinge wie der Kleine Fuchs überwintern recht oft an kühlen Stellen in Gebäuden.
- Speziell für Tiere erbaute Verstecke wie Igelhaufen und -häuser, Nistkästen u. ä. werden gerne angenommen. Igelverstecke sollten den ganzen Winter über im Schatten liegen, damit sie sich bei Sonne nicht zu stark erwärmen.
- Auch Komposthaufen sind beliebte Überwinterungsorte, sofern sie abgedeckt und trotzdem irgendwie zugänglich sind. Die Komposte sollten den Winter über in Ruhe gelassen und nicht umgeschichtet werden.
Zur Artikelserie im 2024
Die Stadt Illnau-Effretikon und die Gemeinde Lindau haben im Frühling 2022 eine Kampagne gestartet, um die Bevölkerung über den Nutzen und die Schönheit von Biodiversität im Siedlungsraum zu informieren. Monatlich erscheint im „Regio“ ein Artikel zum Thema.