Auf Samichlaus-Tour: Esel in Hinwil angefahren
Autolenkerin fuhr einfach weg
Röntgen beim Tierarzt statt glänzende Kinderaugen: Esel Nero wurde vor seinem letzten Familienbesuch angefahren. Das 23-jährige Tier hatte aber Glück im Unglück.
Esel Nero liebt seinen Job. Jeden Dezember sorgt er mit Samichlaus, Schmutzli und seiner Eselfreundin Chiquita bei Kindern und Familien für glänzende Augen und freudvolle Gesichter.
Sein letzter Abend der diesjährigen Samichlaus-Saison nahm aber ein unschönes Ende. Statt gestreichelt und gefüttert zu werden, verbrachte Nero den vergangenen Sonntagabend beim Tierarzt: Der 23-jährige Esel wurde kurz zuvor in Hinwil angefahren.
Matthias Auf der Maur ist Eselverantwortlicher der Samichlaus-Gruppe Hinwil, wo Nero «angestellt» ist. Auf der Maur wurde nach dem Unfall aufgeboten. «Ein Samichlaus, drei Schmutzli und die beiden Esel waren auf dem Weg zu einem nächsten Familienbesuch. Unterwegs hielt ein Auto neben uns, die Fahrerin wollte ein leeres Samichlaus-Säckli zurückgeben», erzählt er.
Dabei habe Nero einige Schritte gemacht und sich vor dem Auto platziert. Als die Fahrerin ihren Wagen in Bewegung setzte, fuhr sie dem Esel auf den Fuss. «Ein Schmutzli hat sie mehrmals darauf hingewiesen, dass das Auto auf dem Huf des Tiers steht», sagt Auf der Maur. Nach einigen Sekunden habe sie den Rückwärtsgang eingelegt und sei davongefahren – ohne sich um Neros Schicksal zu kümmern.
Eine wartende Partnerin
«Nero knickte ein und hinkte stark. Wir boten daraufhin die Polizei und einen Tierarzt auf», erzählt der Eselverantwortliche. Schnell war klar: Nero kann beim letzten Samichlaus-Besuch nicht dabei sein. Er muss in die nahe gelegene Tierarztpraxis Moor AG in Tann, um sein Bein röntgen zu lassen.
Auf der Maur begleitete ihn – und war erleichtert, als die Ergebnisse da waren: «Nero hatte Glück im Unglück. Es ist nichts gebrochen oder gerissen; der Fuss wurde durch das Überfahren einfach stark gequetscht, was zu höllischen Schmerzen führt.»
Der Esel konnte noch am selben Abend gemeinsam mit seiner Partnerin Chiquita, welche ihn zum Tierarzt begleitet hatte, nach Hause zurückkehren. Beide hatten den Samichlaus und die Schmutzli nicht mehr zum letzten Besuch begleiten können. «Wir haben beide an der Unfallstelle verladen. Man sollte sie vor allem in einer solchen Situation nicht trennen.»
Dass der Samichlaus und die Schmutzli dann ohne tierische Freunde und mit Verspätung auftauchten, sorgte im ersten Moment für Enttäuschung bei den Kindern. Normalerweise werde der Satz «Der Esel ist krank» als Ausrede von Chläusen genutzt, die gar keinen hätten. «Bei uns war es an diesem Abend aber die bittere Wahrheit», so Auf der Maur.
Der Eselverantwortliche hat Nero bereits in seinem Stall besucht. «Es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Er wird sicher wieder ganz gesund.»
Die Frage nach dem Warum
Die Frage, weshalb die Verursacherin des Unfalls einfach weggefahren ist, beschäftigt die Samichlaus-Gruppe Hinwil. Es sei schade, dass sie sich der Situation einfach entzogen habe. «Wir wünschen uns, dass sich die betroffene Person meldet und wir den Vorfall klären können», so Auf der Maur.
Die Kantonspolizei bestätigt den Unfall auf Anfrage. Zu den laufenden Ermittlungen können keine Angaben gemacht werden.
