Jetzt kommt Tempo 30 auf der Hauptstrasse durch Riedikon
Erfolg für Bevölkerung
Seit Jahren fordern Anwohnende an der Riedikerstrasse Massnahmen gegen den Autolärm. Nun lenkt der Kanton ein. Die geplante Sanierung verzögert sich aber weiter.
Der Präsident des Ortsvereins Riedikon ist glücklich. «Es ist ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk», sagt Enrico Müller. Auf der Kantonsstrasse durch den Ustermer Weiler gilt schon bald Tempo 30. Und auch ein Flüsterbelag ist neu geplant. Das hat der Regierungsrat entschieden. Die Temporeduktion soll so schnell wie möglich erfolgen.
Es ist ein Erfolg für den Ortsverein. Er setzt sich seit Jahren zusammen mit dem Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) für diese Massnahme ein. Denn die Lärmbelastung im kleinen Ort ist gross. Über 20’000 Autos rollen täglich durch Riedikon. «Das sind mehr als am Gotthard», sagt Müller.
Als der Kanton vor fünf Jahren die Sanierung der Riedikerstrasse plante, legten der Ortsverein und der VCS gemeinsam eine Einsprache ein. 140 Personen hatten das Anliegen unterzeichnet. Eine stattliche Anzahl gemessen an den knapp 760 Einwohnern.
Einsprachen für weniger Lärm
Die Riedikerinnen und Riediker störten sich daran, dass keine Massnahmen gegen den Strassenlärm in den Plänen vorhanden waren. Der Kanton wollte lediglich die Strasse auf dem Abschnitt zwischen dem Kreisel bei der Agrola-Tankstelle und der Ortsausfahrt erneuern. Ausserdem sollten die Velo- und Gehwege angepasst sowie die Bushaltestellen Dorf und Chis/Naturstation hindernisfrei ausgebaut werden.

Als das Projekt erstellt wurde, sei Tempo 30 schlicht noch kein Thema gewesen, erklärt Adrian Baumann rückblickend. Er ist der zuständige Projektleiter beim Tiefbauamt. «Das kam erst in den letzten Jahren auf.» Inzwischen würden solche Massnahmen sogar automatisch bei jedem Projekt geprüft.
Deutlich zu hohe Lärmwerte
Doch die Einsprachen zeigten Wirkung. Der Kanton gab in der Folge ein Lärmgutachten in Auftrag. Das Resultat bestätigte, was viele Riediker schon ahnten: Der Verkehr im Ort ist zu laut. «Bei zahlreichen Gebäuden sind die Immissionsgrenzwerte, teilweise sogar die Alarmwerte überschritten worden», heisst es im aktuellen Regierungsratsentscheid.
Gemäss der Lärmtabelle des Bundesamts für Umwelt (Bafu) liegt der Immissionsgrenzwert tagsüber bei 60 und nachts bei 50 Dezibel. An jenen Stellen, wo die Alarmwerte überschritten wurden, muss der Lärmpegel Spitzen von über 70 Dezibel erreichen. Das ist vergleichbar mit Werten eines Rasenmähers oder eines Staubsaugers.
Die Belastung ist laut Bafu schon ab dem Immisionsgrenzwert so hoch, dass «die Bevölkerung im Wohlbefinden gestört ist». Werden Alarmwerte erreicht, ist das ein Kriterium für eine dringliche Sanierung.
Petition für schnellere Umsetzung
Nach diesen Erkenntnissen lenkte der Kanton ein. Doch die Baumaschinen fuhren immer noch nicht in Riedikon auf. Denn das Tiefbauamt betrachtete es inzwischen als sinnvoller, auch gleich die Strasse ausserorts bis zum Kreisel Chis zu erneuern. Zudem musste sie auf dem gesamten Strassenabschnitt ein vom Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (Awel) gefordertes Entwässerungskonzept einplanen.
Das Tiefbauamt erweiterte das Projekt also noch einmal, weshalb sich auch die Einführung der Temporeduktion verzögert hätte. «Solange kein Bauprojekt festgesetzt ist, kann die Polizei keine neue Signalisation verfügen», erklärt Projektleiter Baumann.
Länger wollten der Ortsverein und der VCS aber nicht warten. Gemeinsam lancierten sie eine weitere Petition für eine rasche Umsetzung von Tempo 30. Im vergangenen April reichten sie über 250 Unterschriften beim Kanton ein.
Sanierung kommt später
Und auch diese Petition war erfolgreich. Der Regierungsrat setzte das Projekt vor wenigen Tagen fest. Inzwischen hat man bei elf Einsprachen eine Einigung gefunden. Die letzte hängige Einwendung hat der Regierungsrat mit der Festsetzung abgewiesen, da diese nach einer Anpassung des Projekts gegenstandslos ist.
Allerdings erfolgte dieser Schritt ohne Ausgabenbewilligung. Das heisst, dass der Regierungsrat erst später über die Finanzierung entscheidet. Im aktuellen Finanzplan sind die gut 4 Millionen Franken für die Bauarbeiten noch nicht vorgesehen.
Wann der Baustart erfolgen wird, ist noch offen. Auch der geplante Flüsterbelag wird dadurch erst in einigen Jahren eingebaut. Der früheste Zeitpunkt ist aller Voraussicht nach 2028. Dies ist allerdings nur ein kleiner Wermutstropfen für Ortsvereinspräsident Müller. Er erhofft sich von der Geschwindigkeitsreduktion eine grössere Wirkung.
Mit der Festsetzung des Projekts ist der Weg nun aber fast frei für Tempo 30. Gehen während der Frist bis Ende Jahr keine Beschwerden mehr ein, was laut Müller auch der VCS nicht mehr erwartet, dürften die Autos schon bald gemächlicher durch Riedikon rollen.
