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Den Oberländer Weihnachtszauber findet man mit dem Samichlausbus

Der Samichlausbus tourt wieder durch das Oberland. Bei Kerzenschein und Handörgeli lässt sich die Weihnachtszeit am besten feiern. Und das Werkheim Uster zeigt, wie das geht.

Der Musikchlaus mit seiner Handorgel führt eine Polonaise an.

Foto: Simon Grässle

Den Oberländer Weihnachtszauber findet man mit dem Samichlausbus

Samichlaus auf Tour

Mit dem Samichlausbus kehrt die festliche Stimmung zurück. Kerzenlicht und Handörgeli schaffen die perfekte Atmosphäre für eine besinnliche Adventszeit.

Auf den nassen, kalten Strassen flitzt seit Mitte November ein roter, weihnächtlich geschmückter Bus durch das Oberland. Die Decke ist mit bunten Kugeln verziert, und die unverkennbare Hupe des fröhlichen Gefährts spielt «Jingle Bells». Hierbei kann es sich um nichts anderes als den Samichlausbus handeln.

Mit dabei sind Menschen mit Behinderungen. Das Atelier des Werkheims Uster hat dieses Jahr erneut einen Ausflug in die Waldhütte von Samichlaus, Schmutzli und Co. organisiert. Und im Publikum gibt es wirklich niemanden, der den Ausflug mit Gleichgültigkeit angeht.

Auf dem Weg zur Hütte

Im Bus sitzt – neben Samichlaus und Schmutzli – eine Gruppe, die ihre Vorfreude laut kundtut und sich nicht scheut, Fremde in ihre Reihen aufzunehmen.

Für Berührungsängste ist im Bus sowieso kein Platz. Und die Geselligkeit der Mitreisenden ist ansteckend. So ist es ziemlich einfach, sich in die Gruppe zu integrieren und mitzufiebern. «Jingle Bells, Jingle Bells», hupt der Bus. «Wer freut sich auch so fest wie ich?», fragt der Samichlaus die Passagiere. Die Ausflügler jauchzen vor Freude.

Wie es zum Samichlausbus kam

Kaspar Scherrer ist der Oberchlaus – sozusagen der Erfinder des Samichlausbusses. Als Kind fuhr er mit seinen Grosseltern im Märlitram in Zürich mit. Als er vor 30 Jahren Buschauffeur bei den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ), später dann bei den Verkehrsbetrieben Zürichsee und Oberland (VZO) wurde, reflektierte er über diese Kindheitserinnerung. Das Märlitram fährt bloss auf Schienen die Zürcher Bahnhofstrasse entlang. Er wollte aber etwas Besonderes machen: «Ich kann Bus fahren. Deshalb dachte ich, dass ein Besuch beim Samichlaus zu Hause im Wald möglich wäre.»

Früher mietete er die Busse noch für die sechswöchige Tour. Seit zehn Jahren gehört einer – ein ausrangierter Linienbus der VZO – jedoch dem Samichlaus-Verein. Dass der Samichlausbus so gut ankommen würde, hätte Scherrer nicht gedacht: «Das erste Mal habe ich aus Plausch einen Car gemietet. Ich wollte sehen, wie gross die Nachfrage ist. Nach ein paar Tagen waren die Plätze ausverkauft.»

Und auch noch heute läuft die Veranstaltung gut. Ohne die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer wäre es aber unmöglich.

Während der Fahrt wissen sich alle zu unterhalten. So, wie Peter, der sich alle paar Minuten bei seinen Sitznachbarn vorstellt. «Hallo Peter», sagt immer wieder eine andere Person. Oder Annemarie, die mit ihrer quirligen Art die Fahrt kaum aushält. «Wann sind wir endlich da?», fragt sie.

Ein solcher Ausflug ist aber nicht nur von den Menschen mit psychischen oder physischen Behinderungen geprägt, sondern auch vom Betreuungspersonal, das die Gruppe sicher durch den Wald bringt – denn der Bus kann nur bis an dessen Rand fahren.

Für die vier Betreuerinnen und Betreuer heisst das: Blinde führen, einen Rollstuhl schieben und auf die Schwächsten aufpassen. Während sich die Mitreisenden ganz ihrer Freude hingeben können, achten die Fachleute darauf, dass es allen gut geht. Mit Erfolg.

Auf der Waldstrecke zur Hütte in Männedorf schnellt die Vorfreude nochmals in die Höhe. Einige tänzeln den Weg entlang, andere stimmen ein Liedchen an – bis die Gruppe dann endlich die Samichlaushütte erreicht.

Freude und Dankbarkeit

Heimeliger könnte diese kaum sein. Kerzen brennen, es ist warm und ganz nach dem Motto eingerichtet. Ein riesiges Samichlaussäckli-Buffet wartet schon auf dem Esstisch – lange bleiben die Leckereien nicht unberührt.

Empfangen wird das Reisegrüppchen von Francesca, einer Samichlaus-Helferin, die viele der Besuchenden bereits kennt. «Hoi Annemarie, schön, bist du wieder da», sagt sie.

Die Chlaus-Gehilfin und ein Gast begrüssen sich.
Annemarie und Chlaus-Gehilfin Francesca freuen sich über das Wiedersehen.

Die Tradition hat sich über die Jahre etabliert. Bettina Möllmer ist die Fachperson Atelier beim Werkheim und erzählt, wieso: «Wir wissen einfach aus Erfahrung, dass viele unserer Klientinnen und Klienten Freude an diesen weihnächtlichen Traditionen haben.» Sie würden es anscheinend mit glücklichen Kindheitserinnerungen verbinden.

«Wir sahen schon beim ersten Mal strahlende Gesichter von Klienten, bei denen wir nicht gedacht hätten, dass ihre Mimik wieder so weich und entspannt werden kann.»

Francesca erkennt einen Unterschied zwischen dem Besuch von Kindern und dem von Stiftungen: «Menschen mit einer Behinderung sind anders dankbar. Klar, Kinder haben Freude und strahlen das aus, aber bei den Stiftungen merkt man die Freude noch mehr.» Sie würden Magie ausstrahlen, ergänzt der Samichlaus.

«Hier möchte ich für immer bleiben»

Die Bewohnenden des Werkheims fühlen sich sofort wohl. Und das ist den vielen Gastgebern zu verdanken: dem Samichlaus, dem Schmutzli, dem Musikchlaus, der Chlaus-Gehilfin und natürlich dem Oberchlaus. Sie alle verzaubern ihre Gäste mit ihrer liebevollen Art.

Der Musikchlaus spielt auf seiner Handorgel, es wird getanzt, es wird gegessen, gelacht, gesungen. Und auch bei der Polonaise wird eifrig mitgemacht. Weihnachten wird wohl nirgends so freudig gefeiert wie beim Samichlaus zu Hause.

Annemaries Augen funkeln. Was gefällt ihr am besten? Alles. «Hier möchte ich für immer bleiben», ruft sie. Weihnachten ist eben nicht nur etwas für Kinder, auch Erwachsene können sich an der festlichen Magie erfreuen.

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