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Der schönste Güggel der Schweiz kommt aus seinem Stall

In Oetwil am See kräht der schönste Güggel des Landes. Sein Züchter Daniel Berger ist ein Meister seines Fachs – und im Oberland kein Unbekannter.

Daniel Berger aus Oetwil am See mit seinem prämierten Güggel – dem schönsten der Schweiz.

Foto: Michael Trost

Der schönste Güggel der Schweiz kommt aus seinem Stall

Preis für Züchter aus der Region

Daniel Berger aus Oetwil am See ist einer der erfolgreichsten Züchter der Schweiz. Dabei hat er sich Hühner und Güggel ursprünglich nur deshalb zugelegt, weil er nicht mehr Rasen mähen wollte.

Michael Wenzler

Daniel Berger braucht keinen Wecker. Er hat einen Garten voller Güggel. Laut wird es aber besonders dann, wenn ihn Leute besuchen. «Güggel sind Wächter», sagt der pensionierte Landschaftsgärtner und lacht. Die Tiere bemerken Besucherinnen und Besucher, lange bevor diese sein Haus oberhalb von Oetwil am See erreicht haben. Und dann tun sie ihren Unmut lauthals kund.

Wer schliesslich vor ihrem Gehege steht, merkt rasch, dass hier nicht gewöhnliche Güggel krähen. Sondern besonders prächtige. Unter ihnen ist sogar der schönste im ganzen Land. Denn Daniel Berger ist Schweizer Meister. Oder besser gesagt: Sein Prachtexemplar ist es, ein gestreifter Amrock-Hahn.

Preis für Züchter Daniel Berger aus Oetwil am See. Der schönste Güggel der Schweiz kommt aus seinem Stall.
Der Champion-Güggel in voller Pracht: Ein Amrock-Hahn mit 97 Punkten bei der nationalen Geflügelschau.

Dieser hat kürzlich an der nationalen Geflügelausstellung in Thun 97 Punkte erhalten – das ist die maximale Bewertung. Er wurde damit nicht nur Sieger seiner Rasse, sondern unter mehr als 700 Mitbewerbern auch zum schönsten Güggel der Schweiz erkoren.

Nun hat er einen Adelstitel

Auch als Laie sieht man auf den ersten Blick, dass der muntere Kerl wohl in jeder Castingshow eine gute Figur machen würde: schöner roter Kamm mit vielen Zacken, flauschiges Gefieder, stolzer Gang – da gerät wohl jeder Hühnerstall in Aufregung.

Das Einzige, was dem Champion fehlt, ist ein richtiger Name. Das hat damit zu tun, dass Daniel Berger und seine Frau Gabriela jeweils 40 bis 45 Hühner und Güggel bei sich haben und sich nicht ständig neue Namen ausdenken können. Der Züchter, der seine Tiere auch verkauft, bezeichnet deshalb alle liebevoll als seine «Buebe» und «Meitli».

Man sieht Hühner auf einer schneebedeckten Wiese.
Hühneridylle in Oetwil am See: Die Zucht von Daniel Berger ist ein Paradies für Hühner und Güggel.

Allerdings redet das Ehepaar den nationalen Champion seit seinem Triumph nun etwas respektvoller – und scherzhaft – mit «Sir» an. Das passt durchaus, denn eine Spur von adeligem Snobismus ist bei ihm tatsächlich auszumachen. «Er weiss, dass er schön ist», sagt Gabriela Berger lachend. Er posiere gern und sei äusserst fotogen.

«Schon sein Vater war so», sagt Daniel Berger. Züchter achten auf Merkmale wie die Körperhaltung der Tiere, und der Oetwiler scheint ein besonderes Auge dafür zu haben. Denn nicht nur der Amrock-Hahn, sondern auch einige seiner Hühner haben Bestnoten erhalten. Bereits dreimal hat Daniel Berger den Titel des Schweizer Meisters geholt.

Rüebli für farbige Beine

Bei der Zucht könne man vieles beeinflussen, sagt er und gibt ein einfaches Beispiel. Gemäss dem Schönheitsideal sollte ein Huhn oder ein Hahn im Kamm mindestens vier Zacken haben. Wenn nun ein Huhn nur drei Zacken habe, sonst aber alles stimme, könne man es mit einem Güggel mit einem vier- oder fünfzackigen Kamm zusammenbringen.

Berger sagt aber auch: «Genetik macht nur die Hälfte aus. Die restlichen 50 Prozent sind Fütterung und Haltung.» So erhalten seine Tiere täglich Rüebli. Das Karotin gibt den Beinen eine gute Farbe – und den Eiern ebenfalls eine leicht orange Tönung.

«Kleine Hühner sind mir zu nervös»

Mit der Zucht angefangen hat Daniel Berger vor gut zehn Jahren, als er noch berufstätig war. Das hatte einen simplen Grund: Er wollte in seinem Garten nicht ständig den Rasen mähen. Für Schafe hatte er zu wenig Platz, aber Hühner, die das Gras zupfen, waren ideal.

Die Rasse hat der Oetwiler mit Bedacht ausgewählt. «Ich wollte keine kleinen Hühner, die sind mir zu nervös», erzählt er. Nach der Arbeit habe er abends seine Ruhe haben wollen. Deshalb habe er sich für grosse, ruhige Rassen entschieden: zuerst für die Bielefelder Kennhühner, später auch für die Amrock.

Beide seien gutmütige Rassen und sehr anhänglich. «Wenn ich dreimal pfeife, kommen sie sofort angerannt», erzählt Berger. «Selbst die Güggel sind sehr liebevoll und nicht so aggressiv wie jene anderer Rassen.»

Tatsächlich lässt sich «Sir» ohne grosse Gegenwehr aus dem Gehege heben. Berger stellt das 4,2 Kilogramm schwere Tier auf einen Gartentisch, damit es vor der Kamera des Fotografen posiert. Und der Hahn – ganz der eitle Gockel – lässt sich nicht lange bitten und zeigt sich von seiner schönsten Seite.

Er ist im besten Alter, geboren am 1. Mai. «Mit einem zweijährigen Hahn würde man keinen Preis mehr gewinnen», weiss der Züchter. Denn: «Wir Menschen sind ja auch dann am schönsten, bevor wir heiraten.»

Bald ist er der Hahn im Korb

Nächstes Jahr, wenn der Champion etwas älter ist, will Berger mit ihm weiter züchten. Noch hält er ihn getrennt von den Hennen, bald aber darf er zu ihnen. Die Hühnerwelt freut sich wohl schon jetzt. Und der Güggel ist auch schon giggerig.

Denn immer nur vor der Kamera stillzuhalten, ist auf Dauer auch nicht erfüllend. Jedenfalls schüttelt der Güggel nun energisch den Kopf, als wolle er zum Ausdruck geben, dass er auch einen eigenen Willen hat. Dann setzt die Diva zum Sprung an, stösst sich von der Tischkante ab, flattert ein paar Meter weit über einen Zaun und landet ausser Reichweite sanft auf dem Boden. Man kann den Champion durchaus verstehen: Schliesslich braucht auch ein Topmodel ab und zu etwas Privatsphäre.

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