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Bürgerpatrouillen in Illnau: Prävention oder Selbstgefährdung?

Bürger in Illnau patrouillieren durch ihr Quartier, um Einbrecher abzuschrecken. Der Polizeichef von Illnau-Effretikon über die Gefahren.

Die frühe Dunkelheit macht Diebe. In manchen Gemeinden organisieren sich Quartierbewohnende in Bürgerpatrouillen.n(Symbolbild)

Foto: Dominik Plüss

Bürgerpatrouillen in Illnau: Prävention oder Selbstgefährdung?

Im Einsatz gegen Einbrecher

Um Einbrüche zu verhindern, patrouillieren in Illnau besorgte Bürger abends durchs Quartier. Der Polizeichef von Illnau-Effretikon erklärt im Interview, was eine Bürgerpatrouille darf und wo es allenfalls heikel werden kann.

Almut Berger

Im Illnauer Chelleracherquartier gehen seit kurzem abends Anwohnende in Leuchtwesten und mit Taschenlampe und Handy auf Patrouille. Verdächtige Vorgänge melden sie der Polizei. Durch ihre Präsenz wollen sie demonstrieren, dass die Nachbarschaft aufeinander schaut, und Einbrecher abschrecken.

Auslöser für das Engagement sind zwei Fälle von versuchtem Einbruch, bei denen auch die Polizei involviert war. Martin Aegerter, Polizeichef von Illnau-Effretikon, ordnet ein.

Martin Aegerter
Martin Aegerter leitet die Stadtpolizei von Illnau-Effretikon. Diese arbeitet in einem Regionalverbund mit der Kommunalpolizei von Uster, Volketswil und Dübendorf zusammen.

Herr Aegerter, wenn Privatpersonen abends durch die Quartiere patrouillieren, liegt der Gedanke nahe, dass die Polizei zu wenig präsent ist. Wie sehen Sie das?

Martin Aegerter: Das subjektive Empfinden über die Polizeipräsenz ist sehr unterschiedlich. Die Stadtpolizei Illnau-Effretikon und unsere Partner des Regionalverbunds wie auch die Kantonspolizei sind regelmässig und sichtbar in den Quartieren unterwegs. Da dies auch zu Zeiten geschieht, wo sich die Leute drinnen aufhalten, wird das allenfalls weniger wahrgenommen. Ich erachte die Präsenz der Polizei aber als hoch.

Auslöser für die freiwillige Bürgerpatrouille in Illnau waren zwei versuchte Einbrüche. Wie viele Einbrüche gibt es auf Stadtgebiet?

2023 waren es total 41 Einbruch- und 16 Einschleichdiebstähle (ohne Fahrzeugeinbruchdiebstahl). Das sind 21,9 Prozent weniger als 2022. In diesem Jahr bewegen sich die Einbruchdiebstähle bislang im langjährigen Mittel.

Die Freiwilligen markieren Präsenz im Quartier in der Annahme, dass Einbrüche vor allem in der Dämmerung geschehen. Stimmt das überhaupt?

Grundsätzlich erfolgen Einbrüche tatsächlich eher bei Dämmerung oder Dunkelheit. Es gibt aber auch immer wieder derartige Delikte am Tag. Auch kundschaften die Täter die Zielobjekte vorgängig aus. Wir erhalten immer wieder auch tagsüber Meldungen über verdächtige Personen oder Fahrzeuge, die nicht zugeordnet werden können.

Die Mitglieder der Bürgerpatrouille sind alles Freiwillige. Was dürfen sie, was nicht?

Sie haben die gleichen Rechte und Pflichten wie jeder Bürger und jede Bürgerin. Sprich, sie dürfen verdächtige Situationen feststellen und der Polizei melden. Ein Anhalten oder Kontrollieren von Personen oder Fahrzeugen hingegen liegt ausschliesslich in der Befugnis der Polizei. Die Freiwilligen dürfen sich auf ihren Rundgängen auch nur auf den öffentlich zugänglichen Strassen und Wegen bewegen. Ein Betreten von fremden Grundstücken oder gar Gebäuden ist ein absolutes No-go.

Es geht ja auch um Diskretion.

Exakt. Selbst nur der Blick in fremde Gärten oder Wohnungen kann sehr heikel sein und unter der Nachbarschaft sogar zu Misstrauen und Argwohn führen. Daher erachte ich es auch als wichtig, dass die Anwohnerschaft über diese Art von privaten Patrouillen im Vorfeld informiert und aufgeklärt wird. Und ja, man sieht auch Sachen, die nicht für fremde Augen gedacht sind. Umso wichtiger ist dann die Verschwiegenheit.

Was, wenn etwas passiert, es gar zu einer Konfrontation mit einem Einbrecher kommt?

Die Möglichkeit einer Konfrontation erachte ich als Polizeichef als die grosse Problematik einer Bürgerpatrouille. Die Freiwilligen sind ja selten entsprechend ausgebildet, was schnell zu schwierigen Situationen führen kann. Auch dann, wenn beispielsweise der Familienhund auf der Patrouille mitgeführt wird. Grundsätzlich ist jede Person für ihre Handlungen verantwortlich und wird in die Pflicht genommen. Allfällige Fragen zu Haftung und strafrechtlichem Verhalten muss schlussendlich ein Gericht oder die Versicherung jedes Einzelnen klären.

Als wie gross schätzen Sie die Gefahr der Selbstgefährdung ein, beispielsweise durch einen Pfefferspray?

Das Mitführen von irgendwelchen Waffen ist absolut verboten. Selbst das Mitführen des Sackmessers, mit der Absicht, sich bei einem Angriff zu verteidigen, ist nicht erlaubt. Pfefferspray empfehle ich generell nicht. Auch hier fehlt meist die Ausbildung, diesen richtig einzusetzen, fachlich wie rechtlich. Mitgeführte Gegenstände zur Selbstverteidigung könnten durch die Täterschaft behändigt und anschliessend gegen einen selber oder gegen andere Mitglieder der Bürgerpatrouille eingesetzt werden.

Das Illnauer Beispiel könnte in der Gemeinde Schule machen. Wie ist das Vorgehen?

Suchen Sie bereits im Vorfeld und möglichst früh den Kontakt zur Stadtpolizei. Ein klärendes Gespräch mit unseren Spezialisten ist für beide Seiten wichtig. Wir sollten auch wissen, wann und wo solche Bürgerpatrouillen unterwegs sind und wie diese kontaktiert werden können. Im Fall von Illnau wurden wir leider erst unmittelbar vor dem Start telefonisch informiert. Ich bedaure es sehr, dass nicht erst das persönliche Gespräch mit mir gesucht wurde. Dieses müssen wir jetzt zeitnah nachholen.

Bürgerpatrouillen sind keine Neuerfindung: In Lindau gibt es etwas Ähnliches seit 2000. Dort spendet die Gemeinde den Freiwilligen jeweils einen Beitrag für ein Jahresessen. Ähnlich in Seuzach, wo seit 1996 eine Bürgerpatrouille unterwegs ist. Wäre es nicht auch für Illnau-Effretikon sinnvoll, solche privaten Initiativen zu fördern?

Dieser Entscheid liegt nicht in der Kompetenz der Stadtpolizei. Hierzu müssten die Freiwilligen auf den Stadtrat zugehen. Nicht zu vergessen ist, dass Lindau keine eigene Stadtpolizei hat, welche die Polizeipräsenz in den Quartieren und auf dem Gemeindegebiet hochhält. Somit ist die Ausgangslage für Illnau-Effretikon nicht ganz dieselbe.

Der Stadtrat hat kürzlich angekündigt, das Korps von 890 auf 1090 Stellenprozent aufzustocken. Wird die Polizei künftig vermehrt in den Quartieren präsent sein?

Wie gesagt: Wir sind bereits heute sehr stark in den Quartieren präsent und werden auch in Zukunft, der jeweiligen Lage angepasst, Patrouillen durchführen.

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