Diese Hundetrainerin aus Uster bildet Vierbeiner zur Trüffelsuche aus
Such die schwarze Delikatesse
Franziska Rettenhaber ist ausgebildete Hundetrainerin und bietet diverse Kurse an. So auch den Trüffelhundekurs, den sie als Erste in der Schweiz für alle Hunderassen zugänglich macht.
Die Sonne strahlt zwischen den Baumkronen auf den feuchten Waldweg, als wir an diesem Sonntagvormittag bei Franziska Rettenhaber zu Besuch sind.
Die ausgebildete Hundetrainerin bereitet bereits alles für ihren Kurs vor, den sie an diesem Vormittag in einer Waldhütte nahe der Forch durchführen wird. Auf einem gefällten Baumstamm liegen Werkzeuge: Es sind Trüffelsuchröhrchen und Trainingstrüffel.
Und genau um diese Delikatesse dreht sich heute alles. Doch anstatt einer Verkostung oder einem Kochkurs, bietet Franziska Rettenhaber ein Training an: Die Kursteilnehmer sollen lernen, den wertvollen Speisepilz im Wald ausfindig zu machen – mithilfe ihrer Vierbeiner.
«Die Trüffelsuche mit Hund funktioniert prinzipiell wie jede Art von Suchtraining», so Rettenhaber. Dementsprechend eigne sich im Grunde auch jede Rasse für die Suche, wenn der Hund richtig ausgebildet ist.
Mit ihrer 10-jährigen Berner Sennenhund/Terrier Mischlingshündin Sombra war sie selbst schon oft auf der Suche nach der feinen Spezialität.
Basische Erde, keine Brombeeren
Langsam, aber sicher trudeln die acht Kursbesucher an diesem Vormittag in der Waldhütte ein. Rettenhaber hat derweil alles vorbereitet: die Kursunterlagen, Equipment für das Training, richtige Trüffel, ein kleines Buch über die Trüffelsuche und passende Rezepte, Schreibzeug.
Von allen Wegen her wedeln die Schwänze, schnuppern die Nasen und hallt das Gebelle in Richtung der kleinen Waldhütte. Die Hunde freuen sich sichtlich auf dieses aussergewöhnliche Zusammentreffen mit Artgenossen. Sie wissen noch nicht, dass sie heute auf Schatzsuche gehen.
Als die Hundehalter und ihre Vierbeiner vollzählig sind, beginnt Rettenhaber mit der Einführung. Sie erzählt von Trüffelarten, von Verwechslungsgefahren, von Tipps und Tricks zur Suche, wie und wo man Trüffel findet und erklärt den Trainingsaufbau.
Denn Trüffel wachsen nur in basischer Erde. Ist diese zu sauer, braucht man gar nicht erst nach der Spezialität suchen.
Sie zeigt anhand eines Tests, wie die Bodenbeschaffenheit überprüft werden kann, stellt Pflanzen vor, die dabei helfen, die Wahrscheinlichkeit auf einen Fund einzuschätzen. So seien beispielsweise Brombeersträucher ein eindeutiges Zeichen dafür, dass keine Trüffel in der Nähe sind.
Auf welche bestimmten Bäume und Sträucher sowie die wichtigsten Gegebenheiten der Umgebung geachtet werden muss, erklärt Rettenhaber. «Man entwickelt mit der Zeit ein geschultes Auge dafür, wo Trüffel wachsen.»
Jetzt wirds ernst
Nach einer guten Stunde Theorie und einer kurzen Pause mit Stärkung kommen die Vierbeiner dann zum Einsatz. In zwei Gruppen dürfen die Hundehalter nun die ersten Schritte zur Trüffelsuche mit ihrem Bello ausprobieren.
Zuerst müssen die Hunde den Geruch identifizieren und verknüpfen. Dafür setzt Rettenhaber ein kleines, spezielles Röhrchen mit echten Trüffelscheiben ein, denn Trüffelöl eignet sich aufgrund der synthetischen Zusammensetzung nicht für das Training.
«Wichtig ist, den Hund bei Erfolg sofort zu belohnen. Er soll mit dem Geruch ein positives Gefühl verbinden», erklärt sie. Bei ihrer Hündin funktioniert die Belohnung bestens mit «Le Parfait» – denn die 10-Jährige ist verfressen.
Rettenhaber zeigt den Hundehaltern Schritt für Schritt, wie sie ihre Vierbeiner zu Trüffelnasen ausbilden können, bis diese letztlich auch ohne das absichtlich versteckte Röhrchen auf die verborgenen Schätze stossen.
Übung macht den Meister
Um mit Sombra auf eine echte Trüffelsuche zu gehen, fährt Rettenhaber selbst mehrmals im Jahr ins Juragebiet. «Der Jura ist für die Trüffelsuche perfekt. Aber für das Training kann man auch hier im Kanton Zürich Trüffel suchen und finden.»
Und Übung macht den Meister: Obwohl an diesem Vormittag intensiv trainiert wird, empfiehlt Rettenhaber, das Training in den täglichen Spaziergang einzubinden und den Hund nicht zu überfordern. «Lieber mehrere kurze Trainingseinheiten als zu lange», erklärt die ausgebildete Hundetrainerin.
Denn wichtig sei ihr vor allem, dass beim Training der Spass von Hund und Mensch im Vordergrund steht – Verbissenheit auf einen Trüffelfund, das sei nicht das Ziel. «Wie bei jeder Beschäftigung geht es darum, die Bindung zwischen Hund und Halter zu stärken und gemeinsame Erlebnisse und Erinnerungen zu schaffen.»
Ein schönes Geschenk
Das scheint auch der Grund für die Teilnehmer zu sein, den Kurs zu besuchen. «Ich dachte, es wäre schön, mit Oakley ein neues Hobby anzufangen», sagt Natalie Scheibler aus Wila. Oakley ist ein Lagotto – ein typischer Trüffelhund. Damit gehöre das Trüffelsuchen zum Standardprogramm.
«Da Franziska mit echten Trüffeln trainiert und viel Erfahrung mitbringt, habe ich mich für diesen Kurs entschieden. Er hat grossen Spass gemacht, und ich werde am Training dranbleiben.»
Matthias Portmann ist heute mit dem sieben Monate alten Labradoodle Morro beim Trüffelkurs. Obwohl der Hund eigentlich seiner Frau gehört, sieht er im Kurs eine sinnvolle Beschäftigung, die den Hund fordert und sich in der Natur abspielt.
«Es ist ein schöner Ausgleich zu meinem Job als Comedian, wo ich Teil des Comedy-Duos Die Zwillinge bin. Dort stehe ich viel auf der Bühne, und es geht wild, aber auch lustig zu und her.»
Auch Michèle Jäger aus Küsnacht sieht im Kurs eine gemeinsame Beschäftigung für sich und ihren altdeutschen Schäferhund Cem. «Und wenn Cem etwas findet, dann ist das ein schönes Geschenk für mich», sagt sie schmunzelnd. Sie kennt Franziska Rettenhaber schon aus anderen Kursen und schätzt ihr grosses Wissen sehr.
Erfahrung und Freude
Rettenhaber bringt viel Erfahrung im Umgang mit Hunden mit, die weit über den Trüffelkurs hinausgeht. Als ehemalige Diensthundeführerin bei der Polizei wollte sie ihr Wissen rund um den besten Freund des Menschen erweitern und absolvierte 2010 die Hundetrainerausbildung, woran sie 2012 die Tierfpflegerausbildung FBA anschloss.
Seit 2010 führt sie ihre Hundeschule Wolfschool in der Region Uster und Dübendorf und bietet dort, neben dem Trüffelhundekurs für Anfänger und Fortgeschrittene, auch allerlei weitere Hundekurse an: So beispielsweise die obligatorischen Welpen- und Junghundekurse, Erziehungskurse, aber auch Problemhunde-Sozialisierungskurse, Antijagdkurse oder Sporthundekurse.
«Ich war schon in Kindheitstagen von Tieren umgeben. Besonders die Arbeit mit Hunden macht mir grosse Freude. Die Erfolge mit dem eigenen Hund erfüllen einen, und ich darf dabei zusehen, wie die Bindung zwischen meinen Kunden und ihren Vierbeinern gestärkt wird. Das ist einfach toll.»
Trüffelsuche aus Spass
Auf die Idee mit dem Trüffelhundekurs kam sie, weil sie mit ihrem ehemaligen Diensthund nach einer neuen Beschäftigung abseits des Diensthundetrainings suchte.
Per Zufall lernte sie 2012 Fredy Balmer, den ehemaligen Präsidenten der Schweizerischen Trüffelvereinigung kennen. Gemeinsam beschlossen die beiden, Trüffelkurse für alle Rassen anzubieten – damit waren sie die ersten in der Schweiz.
Ihr Hund soll auch auf Trüffelsuche?
Kein Problem, denn Franziska Rettenhaber bietet rund dreimal jährlich den Anfängerkurs an. Geeignet sind Hunde jeder Rasse und Grösse sowie jeden Alters, nachdem der Junghundekurs absolviert wurde. «Der Hund sollte schon eine gewisse Bindung mit dem Halter haben und Grundkommandos kennen», so Rettenhaber.
Die Kurse werden je nach Verfügbarkeit an verschiedenen Standorten angeboten. Der nächste Kurs findet im Frühjahr 2025 statt. Mehr Informationen finden Sie unter www.wolfschool.ch