Geheimtipp für Mani-Matter-Fans
Vortrag in Effretikon
Mani Matter war Liedermacher und Jurist. Nun geben zwei Kenner in Effretikon zum ersten Mal gemeinsam überraschende Einblicke in seine Arbeit. Es handelt sich um einen einmaligen Auftritt.
Er war der Schweizer Bob Dylan der 1960er und 1970er Jahre. Wortgewandt und eingängig, gesellschaftskritisch und doch so anschaulich, dass ihn auch Kinder verstanden. Der Berner Liedermacher Mani Matter wurde nur 36 Jahre alt.
Der bodenständige Sprachvirtuose hat aber bis heute einen festen Platz in der Schweizer Kultur. Kaum jemand, der «Dr Ferdinand isch gstorbe» oder «Ds Lotti schilet» nicht kennt oder das berühmte «Zündhölzli», in dem einer seine Zigarette anzünden will und fast einen atomaren Weltkrieg auslöst – hätte er das Zündholz nicht rechtzeitig wieder vom Teppich genommen.
Doch die wenigsten wissen, dass der Berner einen Doktortitel in Rechtswissenschaften hatte, an der Universität Bern lehrte und als Rechtsberater der Stadt Bern arbeitete. Und wem ist schon bewusst, dass er im sogenannten «Cambridge-Notizheft» auch über Gott nachdachte? Das Notizheft entstand 1968, als Matter mit seiner Frau und den drei Kindern ein Jahr lang in England weilte.
Am 24. November 1972 verunglückte der Chansonnier auf der Autobahn bei Kilchberg. Dieses Jahr wäre er 88 Jahre alt geworden.
Einmaliges Treffen in Effretikon
Sein Werk bleibt unvergessen und soll am ökumenischen Männerapéro vom 23. November in der reformierten Kirche in Effretikon wieder lebendig werden. Am Samstagvormittag werden zwei Kenner die weniger bekannten Seiten des Liedermachers präsentieren. Sie wollen zeigen, wie die wissenschaftliche Staatstheorie, seine religiösen Ansichten und die Chansons zusammenklingen.
Theologe Paul Bernhard Rothen und Rechtswissenschaftler Benjamin Schindler werden hierzu einmalig gemeinsam auftreten.

Der ehemalige Basler Münsterpfarrer Rothen lebt seit seiner Pensionierung in Effretikon. Er erklärt, wie es dazu kam: «Ich wurde gefragt, ob ich bei der Programmgestaltung des Männerapéros mitmachen möchte.» Rothen fragte den Juraprofessor Benjamin Schindler aus St. Gallen für eine Veranstaltung an.
«Schindler schlug zu meiner Freude vor, gemeinsam etwas über Mani Matter zu machen», erzählt der pensionierte Pfarrer, der in Matters posthum herausgegebenem «Cambridge-Notizheft» dessen theologische Seite entdeckt hatte. Rothen gab 2013 das Buch «i de gottvergässne stedt» heraus, das sich mit der biblischen Sprache in Matters Liedern befasst.

Schindler kennt sich mit Matter aus, weil er 2012 dessen unvollendete Schrift zur pluralistischen Staatstheorie editiert hat. Das war eigentlich Matters Habilitation. Damit hätte der Berner an der Universität lehren dürfen.
Kein akademischer Vortrag
Die Veranstaltung im Reformierten Zentrum Rebbuck am 23. November (9 bis 11.30 Uhr) verspricht jedoch nicht nur akademisch zu sein, wie Rothen ankündigt. «Es werden viele Lieder von Mani Matter zu hören sein.» Zum Beispiel das Chanson «Dynamit», in dem Matter einen davon abhält, das Bundeshaus in die Luft zu jagen.
Aus diesem Song stammt übrigens auch das Motto der Veranstaltung: «Han ig ihm d’Schwiiz o mit Rächt eso prise?», zu Deutsch: Habe ich ihm die Schweiz mit Recht so angepriesen? Und zum Schluss: Die Männer wollen nicht nur unter sich bleiben. Auch Frauen sind am 23. November eingeladen.
