So sehen die neuen Wohnungen in der alten Spinnerei in Kollbrunn aus
Immobilien in der alten Spinnerei
Nach über zweijähriger Bauzeit sind die Eigentumswohnungen in der geschichtsträchtigen Spinnerei fertig. Der Denkmalschutz erforderte kreative Lösungen.
Die Holzbalken in der ehemaligen Spinnerei erzählen Geschichten. Sie sehen mit ihren Stahlkonstruktionen noch fast genauso aus wie in jener Zeit, als in diesen Räumen noch Maschinen ratterten. Jahrzehntelang stellten Arbeiter hier aus Baumwolle Garn her. Jetzt sind aus den Fabrikhallen 35 Wohnungen geworden – und die ersten Bewohnerinnen und Bewohner ziehen dieser Tage ein.
Kurz vor der Übergabe an die neuen Eigentümer öffneten die Bauherren der Swiss Property AG die Türen, um dieser Redaktion einen Einblick zu gewähren.

Denn es war ein aussergewöhnliches Bauprojekt, und aussergewöhnlich sind auch die Wohnungen geworden. Von schmalen «Town Houses», in denen Beton und Industrie-Look dominieren, bis hin zu luftigen Dachwohnungen. Auf der Rückseite bieten Balkone Ausblick über ein Naturschutzgebiet mit Weiher. Über einem alten Industriekanal wurden Plattformen montiert, die als Sitzplätze dienen.
Eine wichtige Rolle spielte der Denkmalschutz. Denn die ehemalige Spinnerei in Kollbrunn gehört zu den wichtigsten erhaltenen Fabrikanlagen des Kantons. Sie zeugt bis heute von der Industrialisierung, die im Tösstal eine frühe Blüte erlebte.
Fast zwei Jahrhunderte lang gehörte die Spinnerei der Industriellenfamilie Bühler. Damit das Gebäude aus dem Jahr 1837 seinen Charakter bewahrt, musste während der zweieinhalbjährigen Bauzeit immer wieder nach Lösungen gesucht werden.

Augenscheinlich wird das am Beispiel eines alten Holztreppenhauses im Innern des Gebäudes: Das alte Holzgeländer mit kunstfertigem Handlauf war etwas zu niedrig, um heutigen Vorschriften zu genügen. Einfach rausreissen und neu bauen war aber auch nicht erlaubt. Die Lösung: Eine Stahlkonstruktion, die das Geländer überragt und so die verlangte Höhe schafft.

Für diese Stahlkonstruktion seien aufwendige Schweisserarbeiten nötig gewesen, erklärt Ralf Staub, CEO der Swiss Property AG, und macht eine ausschweifende Armbewegung: «Die Rohre mussten vor Ort gebogen, geklemmt und verschweisst werden.» Die Kosten für so etwas seien vor Baubeginn schwierig zu kalkulieren.
Handwerkskunst sei auch nötig gewesen, um die alten Holzstützen zu erhalten, die zuvor offen in der Fabrikhalle standen. Die Bauarbeiter mussten die Wände der neu eingebauten Wohnungen darum herum bauen und planen. Mancherorts haben sie ihre Stützfunktion behalten, andere wurden durchtrennt, etwa aus Brandschutz- oder bautechnischen Gründen.

An einer der Stahlkonstruktionen lassen sich immer noch leichte Verfärbungen entdecken, ob hier einst etwas Maschinenöl ausgelaufen ist? Andernorts zeugen Furchen von der Vergangenheit. Auch der alte Holzboden wurde zwischen den Wohnungen getrennt, damit sich keine Trittgeräusche übertragen. «Punkto Lärmschutz haben wir eher mehr als weniger gemacht», sagt Staub.
Am Wasser
Aussergewöhnlich ist der schmale Grundriss in den fünf Townhäusern, die alle verkauft oder reserviert sind. Die Wohnungen ziehen sich über vier Geschosse nach oben. Schmale Holztreppenhäuser verbinden die Räume, in denen Beton und Holzbalken dominieren. Im obersten Stock lassen Dachfenster viel Licht in einen hohen, langen Raum.


Auf der Rückseite konnten Balkone und eine Terrasse angebaut werden. Der Blick bleibt zuerst an einem alten Fabrikkamin hängen, der denkmalgeschützt ist und so bleiben wird. Unten rauscht leise der Industriekanal, der in einem Wasserkraftwerk mündet, das bis heute Strom produziert.

Die neuen Balkone und die Dachgauben waren Kompromisse mit der Denkmalpflege. Damit sie das Aussehen des ehemaligen Fabrikgebäudes nicht zu stark verändern, sind die Balkone nicht vertikal am Boden abgestützt, sondern im Gebäude verankert. Und die Dachgauben nehmen die Farbe der Ziegel auf, damit sie sich nicht zu stark abheben.


Am oberen Ende des Kanals ist eine Badeplattform gebaut. Zudem entsteht bei der Fabrikantenvilla, in der ebenfalls zwei Wohnungen geplant sind, ein Spielbereich für Kinder. Die 35 Eigentumswohnungen im ehemaligen Fabrikgebäude sind bis auf zwei alle verkauft oder reserviert und werden derzeit übergeben und bezogen. Die Preisspanne reicht von 450’000 bis 1,5 Millionen Franken.
Weiterhin offen ist, wie es mit dem übrigen Fabrikareal weitergeht. Die neueren Fabrikgebäude, ehemals «Kokon», sollen laut Skizzen verschwinden und acht neuen Gebäuden weichen. Zum Projekt «Quartier 8483» würden derzeit Gespräche geführt, noch sei aber nichts spruchreif, sagt Ralf Staub.
