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Naturnetz Züri-Oberland

Naturnetz Züri-Oberland will Natur und Landschaft effizienter fördern

Das Netzwerk ist ein freiwilliges Angebot- Es soll Projekte kosteneffizienter und zugleich auch breiter wirksam machen.

Dominik Scheibler (links) und Stefan Keller engagieren sich schon seit Jahren für Mensch, Natur und Landschaft.

Foto: Karin Sigg

Naturnetz Züri-Oberland will Natur und Landschaft effizienter fördern

Naturnetz Züri-Oberland

Mit dem Naturnetz Züri-Oberland soll die Region ein Netzwerk erhalten, das ihr Know-how und finanzielle Mittel für Umweltprojekte bringen soll. Die Initianten erzählen, was hinter ihrem Angebot steckt.

«In den letzten Jahrzehnten ist der Bestand der Fluginsekten um mindestens 75 Prozent geschrumpft, um nur ein Beispiel zu nennen», sagt Dominik Scheibler. Scheibler ist Inhaber der Firma crea Natura GmbH, die mit Beratung, Planung und Umsetzung unter anderem die Natur- und Artenförderung vorantreiben will.

Dazu zitiert er den Umweltbericht des Kantons Zürich aus dem Jahr 2018: «Der Zustand der Biodiversität im Kanton Zürich ist besorgniserregend.» Und fügt an: «Da die Biodiversität unsere Lebensgrundlage bildet, liegt es in unserem ureigensten Interesse, ihr Sorge zu tragen.»

Die Dringlichkeit, sich für Biodiversität, Landschaftsqualität und Klimaanpassung zu engagieren, dürfte inzwischen allgemein bekannt sein. Viele Gemeinden, Firmen, Vereine und Organisationen haben sich dieses Ziel bereits auf die Fahne geschrieben. «Das reicht aber nicht», erklärt Scheibler.

Scheibler und sein Arbeitskollege haben sich deshalb mit der Frage auseinandergesetzt, wie die vorhandenen Kompetenzen und Ressourcen gebündelt werden können. «Damit eine möglichst grosse Wirkung erzielt wird», meint Scheibler.

Die beiden sind die «kreativen Köpfe», die sich massgeblich für den Aufbau des Naturnetzes Züri-Oberland eingesetzt haben.

Dominik Scheibler ist gelernter Landschaftsgärtner, Umweltingenieur und Ökologe. Seit 2020 ist er Mitglied in der Umweltkommission in Wetzikon. Auch Stefan Keller ist gelernter Landschaftsgärtner, Umweltingenieur und kommunaler Naturschutzbeauftragter der Gemeinde Grüningen.

Während Hunderten von Stunden haben die beiden Kontakte geknüpft, Informationen zusammengetragen und ihre Visionen zu Papier gebracht, um ein gemeindeübergreifendes Netzwerk zu lancieren. Daraus entstanden ist das Naturnetz Züri-Oberland, das unter der Trägerschaft der Regionalplanung Zürcher Oberland (RZO) aufgebaut werden soll.

So soll das Naturnetz organisiert sein

Die Delegiertenversammlung (DV) der Regionalplanung Zürcher Oberland (RZO) bildet die Trägerschaft und entscheidet über Anträge des RZO-Vorstands.

Der RZO-Vorstand wählt Mitglieder der Fachkommission Naturnetz Züri-Oberland (NZO), ist verantwortlich für die Betriebsfähigkeit der Geschäftsstelle, entscheidet über Budget, Rechnung und finanziell umfangreiche Projekte und stellt Anträge an die RZO-DV.

Die Fachkommission NZO ist verantwortlich für die strategische Ausrichtung und Umsetzung, genehmigt finanziell kleinere Projekte und stellt Anträge an den RZO-Vorstand.

Die Geschäftsstelle ist verantwortlich für die Finanzbeschaffung für Projekte, verantwortlich für den Betrieb des NZO, repräsentiert das NZO und koordiniert Projekte und externe Fachberatung.

Externe Fachkräfte arbeiten bei Bedarf im Auftrag der Geschäftsstelle.

Die RZO finanziert den Aufbau und Betrieb der Arbeitsgruppe der Gründungsphase 2024 mit 20’000 Franken. Für die Aufbauphase ist ein jährlicher Beitrag von 30’000 Franken in Aussicht gestellt.

Ein wichtiger Meilenstein für ihre Pionierarbeit war eine vorgängige Online-Befragung bei den Akteursgruppen Politik, Verwaltung, Landwirtschaft, Naturschutz, Jagd, Fischerei, Wald und Forst. «Die Befragung bestätigte, dass im Zürcher Oberland Handlungsbedarf besteht», sagt Stefan Keller.

«Gemeinsam können wir effizienter und breiter wirksam sein», erklärt Stefan Keller das primäre Ziel des Netzwerks. Mit einer vermehrten überregionalen Zusammenarbeit sollen Synergien zwischen bestehenden lokalen und regionalen Projekten sowie Aktivitäten geschaffen werden. «Dadurch können wir Know-how teilen und vermehren.»

Doppelspurigkeiten würden auf diese Weise abgebaut. «Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden», so Dominik Scheibler.

Als Beispiel nennt er die gesetzlich vorgeschriebene Bestandesaufnahme von «Gebäudebrütern», also Vogelarten, die fast ausschliesslich an Gebäuden brüten. «Anstatt dass jede Gemeinde ein Ökobüro beauftragt, ein Konzept für ein Inventar für sie auszuarbeiten, könnte man das einmalig in Auftrag geben für die Region und anschliessend kommunal umsetzen.»

Ähnliches gelte für Konzepte für die Bekämpfung von Neophyten oder zur Förderung der Biodiversität im Siedlungsraum. «Gemeindeübergreifende Konzepte mit klaren Prioritäten helfen der Natur, da diese an der Gemeindegrenze nicht halt machen.» Sie würden auch kleinen Gemeinden helfen, die konzeptionelle Arbeiten kaum finanzieren könnten.

Interessengruppen definieren Inhalte

Nebst der Regionalplanung (RZO) sollen auch die verschiedenen Akteursgruppen in das Naturnetz eingebunden werden.

Wichtig ist den beiden Fachleuten, dass sie niemandem etwas «überstülpen». Sie sehen das Netzwerk als freiwilliges Angebot, kosteneffizienter und zugleich auch breiter wirksam zu sein.

Über die Inhalte, die behandelt werden sollen, bestimmen die Entscheidungsträger aus den Akteursgruppen weitgehend selbständig. «Als Initianten stellen wir vor allem die Grundlagen bereit», erklärt Dominik Scheibler. «Unser Ziel ist es, dass alle Ebenen – von Gartenbesitzern über den Gemeinde-Werkhof bis hin zu Landwirtschaftsbetrieben – einbezogen werden und sich für unsere Lebensgrundlage, die Natur, stark machen.»

Dieser Prozess sei für die Initianten zwar wesentlich aufwendiger, als die Organisationsform, Themen und Projekte gleich selbst zu definieren.

Doch die Kombination aus freiwilligem Engagement und behördlicher Verbindlichkeit sei massgebend für den Erfolg des Netzwerks. «Der Rückhalt der öffentlichen Hand muss noch stärker werden», so Scheibler. «Die politischen Gemeinden sind wichtige Player, wenn wir Nägel mit Köpfen machen wollen.»

Naturnetz Pfannenstil dient als Vorbild

Neu ist die Idee eines Naturnetzes nicht: Die Initiative für das NZO baut auf Erfahrungen aus dem seit 26 Jahren erprobten Naturnetz Pfannenstil, das ganz ähnlich aufgebaut sei. Auch dort sind die Gemeinden involviert, Trägerin ist die Zürcher Planungsgruppe Pfannenstil (ZPP).

Während die Standortgemeinden rund ein Drittel der Kosten tragen, kommt der Grossteil der Finanzen von zweckgebundenen Mitteln von Bund, Kanton und Stiftungen. Diese Chance besteht mit dem NZO auch für das Zürcher Oberland.

Aber auch das Naturnetz Knonauer Amt sowie das Naturnetz Zimmerberg dienen als Vorbilder – bei Letzterem war Stefan Keller in die Initiierung involviert.

Noch befindet sich das NZO in der Gründungsphase. Inzwischen haben sich 13 Personen zu einer Arbeitsgruppe formiert, um das Projekt voranzutreiben. «Die Mitglieder sind durchmischt aus verschiedenen Interessengruppen», so Keller. Beispielsweise Vertreter des Verbands der Waldeigentümer, von Naturschutzvereinen bis hin zu den landwirtschaftlichen Bezirksvereinen.

An einer Tagung Ende Oktober in Hinwil konnten weitere Erfahrungen gesammelt werden, was den Interessenvertretern wichtig ist. «Die Tagung war ein veritabler Moment für uns», erzählt Scheibler begeistert. «Zu erleben, dass sich fast 70 Teilnehmer einen ganzen Tag zu diesem Thema austauschten und Ideen einbrachten, war fantastisch.»

Aus den Gruppendiskussionen gingen Themen ein wie das Wiederherstellen von Waldwiesen, Umweltbildungsprojekte an Schulen, die Förderung von Vernetzungskorridoren oder die Regulierung von Neophyten.

Scheibler und Keller sind zuversichtlich, dass an der nächsten Versammlung der RZO Ende November das Budget 2025 über 30’000 Franken für das NZO gutgeheissen wird. Über den von der Arbeitsgruppe erarbeiteten Gründungsantrag wird die RZO dann an der Delegiertenversammlung Anfang Juni 2025 definitiv entscheiden.

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